Paris (dpa) - Selbst nach seinem bislang größten Triumph blieb Johannes Liebmann selbstkritisch. „Ich sehe immer noch viele Fehler bei mir“, sagte der frisch gekürte Europameister mit Gold um den Hals. Das hatte er zumindest mit Blick auf das Rennen über 800 Meter Freistil wohl ziemlich exklusiv. Mit unwiderstehlicher Power und erstaunlicher Abgezocktheit ließ der 19-Jährige der Konkurrenz keine Chance.„Man konnte ihn einfach nicht schlagen, das muss man auch ganz ehrlich sagen“, sagte Sven Schwarz, der sich über Silber freute. „Er war einfach zu stark.“ Binnen kürzester Zeit hat sich Liebmann einen Namen über die Schwimm-Szene hinaus gemacht.Sein Europarekord auf der 800-Meter-Strecke im April war der erste große Schritt. Nun folgte mit dem historisch ersten deutschen EM-Titel auf der zweitlängsten Beckendistanz der nächste. Quasi nebenbei verbesserte Liebmann seine eigene Bestmarke auch noch auf 7:37,59 Minuten. Der Norddeutsche ist der neue Maßstab. „Wir müssen jetzt alle arbeiten, dass wir wieder an ihn rankommen“, sagte der Hannoveraner Schwarz.Johannes Liebmann sieht bei sich noch Steigerungspotenzial. Julien De Rosa/AFP/dpaLiebmann von eigener Ruhe überraschtLiebmanns Leistungssprung ist eng mit Bundestrainer Bernd Berkhahn verknüpft. Mit 16 wechselte Liebmann aus Elmshorn nach Magdeburg. Dort trainiert er beim international anerkannten Langstrecken-Experten. Der 55-Jährige hat schon Florian Wellbrock und Lukas Märtens zu Olympiasiegern geformt, in Isabel Gose und Oliver Klemet sind weitere deutsche Medaillen-Schwimmer im Team. Liebmann ist das nächste große Versprechen aus Berkhahns Schwimm-Universum.Der Jungstar betont gerne, wie er von der Arbeit mit seinen Trainingskollegen profitiert, wie sehr ihm deren Erfahrung hilft. In der Gruppe kommt er mit seiner sportlich forschen, aber gleichzeitig ruhigen Art gut an. Als „abgeklärt“ beschreibt Märtens seinen Trainingspartner. Was er damit meint, versteht man spätestens nach Liebmanns Titel im Centre Aquatique Olympique.„Ich war vor dem Rennen unglaublich ruhig. Das hat mir nicht Angst gemacht“, beschrieb Liebmann sein erstes großes Finale in der Eliteklasse. „Es hat mich selber ein bisschen gewundert, wie ruhig ich da rangehen kann.“Drei Deutsche in der Weltjahresbestenliste vorneDer Erfolg wird Liebmann zusätzliche Sicherheit geben. Über 1500 Meter zählt der Freistilexperte ebenfalls zu den Topfavoriten. Niemand war in diesem Jahr auf der längsten Beckendistanz bisher schneller als er. In der Weltjahresbestenliste führt Liebmann vor Sven Schwarz und Oliver Klemet. Auf den langen Strecken gibt das Team des Deutschen Schwimm-Verband derzeit das Tempo vor.„Wir haben jetzt hier die Pflichtaufgabe erfüllt mit Gold und Silber“, sagte Schwarz nach dem Doppel-Coup über 800 Meter. Dass der 24-Jährige bei einem Starterfeld, in dem zum Beispiel auch Olympiasieger Daniel Wiffen aus Irland mitschwamm, von einer Pflichtaufgabe spricht, zeigt das Selbstvertrauen im deutschen Team.Gold und Silber: Johannes Liebmann (r) und Sven Schwarz zeigen Stärke. Sebastien Bozon/AFP/dpaZwei aus DreiAn diesem Freitag geht es in den Vorläufen über 1500 Meter erst einmal darum, die nationale Konkurrenz zu bezwingen. Liebmann, Schwarz und Klemet sind allesamt Podestkandidaten. Doch selbst wenn sie die drei schnellsten Vorlaufzeiten schwimmen, dürfen nur zwei von ihnen ins Finale. Pro Nation sind dafür nur zwei Athleten startberechtigt.Was für die Sportler selbst stressig und anstrengend ist, ist für den deutschen Schwimmsport ein Segen - auch mit Blick auf Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Konkurrenz macht schließlich alle besser. Auch Schwarz sieht eine gute Zukunft im deutschen Langstreckenschwimmen. „Ich glaube, dass das die nächsten Jahre viel Spaß machen kann“, sagte er. Johannes Liebmann wird dabei sicher eine Hauptrolle spielen.© dpa-infocom, dpa:260813-930-521903/2