KommentarDer «Mekka-Pakt» ist noch keine «islamische Nato» – dafür ist der Orient viel zu gespaltenDas kollektive Verteidigungsbündnis zwischen der Türkei, Saudiarabien und Pakistan besteht bis jetzt vor allem auf dem Papier. Es ist der Versuch, ein Gegengewicht zu Iran, Israel und den USA zu bilden. Die militärischen Konsequenzen sind aber überschaubar.13.08.2026, 08.58 Uhr4 LeseminutenDer türkische Präsident Erdogan, der saudische Kronprinz bin Salman und der pakistanische Premierminister Sharif posieren für ein Foto nach der Unterzeichnung des Verteidigungspakts in Mekka.Murat Cetinmuhurdar / Pressestelle des türkischen Präsidiums / ReutersDer Rahmen in der heiligsten Stadt der Muslime war von höchster Symbolkraft: In feierlicher Atmosphäre unterzeichneten der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der pakistanische Premierminister unter dem Licht eines prunkvollen Kronleuchters vergangene Woche den sogenannten «Mekka-Pakt».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Angriff auf eines der drei Länder sei ein Angriff auf alle Mitglieder des Bündnisses, steht gemäss einer gemeinsamen Erklärung der Unterzeichner in dem Verteidigungsabkommen. Sprachlich gleicht dies der Wortwahl in Artikel 5 des Nato-Vertrags. Oft wird das neue Bündnis deshalb verkürzt auch als «islamische Nato» bezeichnet. Doch diese Bezeichnung überzeugt nicht.Fragliche BeistandspflichtNur zwei Tage nach der Unterzeichnung in Mekka griff die proiranische Huthi-Miliz in Jemen am Sonntag eine Raffinerie in Saudiarabien mit einer Drohne an. Bereits zuvor hatte sie eine Seeblockade gegen saudische Häfen verhängt und wiederholt Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab angegriffen, um die momentan wichtigste Exportroute für saudisches Erdöl zu blockieren. Eine konkrete Reaktion der Türkei und Pakistans ist bisher ausgeblieben. Ihr Bündnis mit Saudiarabien scheint die Huthi noch wenig abzuschrecken.Eine verlässliche Beistandspflicht scheint aus dem «Mekka-Pakt» noch nicht hervorzugehen. Saudiarabien und Pakistan haben bereits 2025 ein Abkommen zur kollektiven Verteidigung geschlossen, dessen exakte Bestimmungen vertraulich bleiben. Nachdem Saudiarabien dieses Frühjahr unter iranischen Beschuss geraten war, entsandte Islamabad rund 8000 Soldaten, eine Staffel mit Kampfjets und ein Flugabwehrsystem. Mehr aber auch nicht. Statt eigene Vergeltungsmassnahmen gegen Iran zu erwägen, versuchte Pakistan zwischen den USA und Iran zu vermitteln.Zweifellos scheint die verstärkte Kooperation zwischen den drei Ländern aber eine Folge des amerikanisch-israelischen Angriffs auf Iran zu sein. Saudiarabien und die Türkei hatten den amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Januar vor einem Krieg gegen Iran gewarnt. Doch Trump hörte nicht auf sie. Der saudische Kronprinz dürfte sich von einer verstärkten Verteidigungszusammenarbeit mit der Türkei und Pakistan deshalb erhoffen, seine weitgehende Abhängigkeit von den USA zu verringern.So schnell wird die amerikanische Schutzmacht zwar nicht ersetzbar sein. Aber allein die Existenz möglicher Alternativen könnte bin Salmans politischen Spielraum in anderen Fragen vergrössern. Washington will ihn dazu drängen, die Beziehungen zu Israel zu normalisieren, ohne eine vorherige Friedenslösung mit den Palästinensern. Trump machte jüngst auch die Umsetzung eines Nuklearabkommens mit Riad von einem Beitritt zu den Abraham-Abkommen mit Israel abhängig. Aus Rücksicht auf die Stimmung in der eigenen Bevölkerung und in Sorge um seinen Status als Hüter der heiligsten Stätten der Muslime in Mekka lehnt bin Salman eine Normalisierung mit Israel über die Köpfe der Palästinenser hinweg bis jetzt aber ab.Es bleiben viele GräbenFür die USA muss es nicht schlecht sein, wenn ihre Partner mehr Eigenverantwortung für ihre Verteidigung und Sicherheit übernehmen. In seiner ersten Amtszeit träumte Trump vom Aufbau einer «arabischen Nato», die Israel integrieren und sich vor allem gegen Iran richten sollte. Dem türkischen Präsidenten Erdogan scheint es nun aber auch darum zu gehen, eine israelische Hegemonie im Nahen Osten zu verhindern. Der türkische Aussenminister Hakan Fidan hofft bereits, dass sich auch Ägypten – Israels grösstes Nachbarland – dem «Mekka-Pakt» anschliessen könnte. Der pakistanische Verteidigungsminister seinerseits sagte am Samstag: «Israel ist eine Gefahr für die gesamte muslimische Welt.» Er rief zu einer «vereinten militärischen Front» gegen den jüdischen Staat auf.Bis zu einer solch einheitlichen Front ist es aber ein weiter Weg. Ägypten etwa hat einen Friedensvertrag mit Israel und erhält amerikanische Militärhilfe. Bis jetzt sieht Kairo keine Notwendigkeit, dem «Mekka-Pakt» beizutreten. Bei dem Abkommen gehe es vor allem um die Verteidigung Saudiarabiens, schreibt das ägyptische Online-Magazin «Mada Masr» gestützt auf Aussagen von Diplomaten und Regierungsbeamten. Kairo sei nicht bereit, Soldaten für Saudiarabien zu opfern. Und im Ernstfall würde Riad immer noch lieber auf die USA als auf Ankara zählen. «Egal wie wütend sie auf die Amerikaner sind, die Golfstaaten werden den USA nicht den Rücken kehren», erklärte ein führender Regierungsmitarbeiter gegenüber «Mada Masr».Saudiarabien habe einen ägyptischen Beitritt zum Verteidigungspakt hingegen abgelehnt, berichtet die Online-Zeitung «Middle East Eye». Riad soll sich über Ägyptens zu enges Verhältnis mit den Emiraten geärgert haben, die ihre Beziehungen zu Israel bereits normalisiert haben. Unabhängig davon, welche Berichte stimmen, bleibt die islamische Welt in mancher Hinsicht gespalten.Beim «Mekka-Pakt» scheint es sich deshalb vorerst vor allem um eine politische Annäherung zu handeln, deren militärische Konsequenzen aber noch überschaubar sind.Passend zum Artikel
Warum der «Mekka-Pakt» noch keine «islamische Nato» ist
Das kollektive Verteidigungsbündnis zwischen der Türkei, Saudiarabien und Pakistan besteht bis jetzt vor allem auf dem Papier. Es ist der Versuch, ein Gegengewicht zu Iran, Israel und den USA zu bilden. Die militärischen Konsequenzen sind aber überschaubar.











