PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolineWissenschaft (DPA)Sonnenfinsternis begeistert in Spanien und DeutschlandStand: 22:37 UhrLesedauer: 5 MinutenDas Naturereignis lockte Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an.Quelle: Bernat Armangue/AP/dpaAusgebuchte Hotels, Straßensperrungen und ein Hype um Balkone: Ein spektakuläres Naturschauspiel versetzt Spanien in den Ausnahmezustand. Auch in Deutschland blicken Millionen gebannt zum Himmel.Erst wurde es dämmrig, dann verschwand die Sonne vollständig hinter dem Mond. Und dann gab es sofort lauten Jubel, Luftsprünge, Applaus - und auch viele Freudentränen. Millionen Menschen verfolgten die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit mehr als einem Jahrhundert. Sie feierten lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen. In Deutschland schlug eine partielle Sonnenfinsternis Millionen in ihren Bann.Manche schrien vor Begeisterung, einige weinten, andere schwiegen ergriffen, lagen sich in den Armen oder hielten den historischen Moment am Abend mit ihren Handys fest, wie im spanischen Fernsehen live zu sehen war. Wie in Deutschland spielte auch das Wetter in Spanien mit. Nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung.«Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte», sagte die junge Astronautin Sara García mit Tränen in den Augen dem staatlichen spanischen Fernsehsender RTVE. «Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön», sagte eine Frau direkt nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis bei der Ebro-Sternwarte in dem Ort Roquetes in Katalonien.Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Hunderttausende Menschen aus Spanien und dem Ausland machten sich auf den Weg in die rund 300 Kilometer breite Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte.Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den Abendhimmel für mehrere Hundert Euro. Besonders profitierte die sogenannte «España vacia», das dünn besiedelte und von Landflucht geprägte ländliche «leere Spanien», das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.Größere Zwischenfälle blieben ausDie totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes war dann in einem Bogen an Grönland und Island entlanggezogen und auf Spanien getroffen. In A Coruña im äußersten Nordwesten Spaniens verschwand die Sonne um 20.27 Uhr und 41 Sekunden hinter dem Mond. Für eine Minute und 18 Sekunden wurde der Tag zur Nacht. Wenige Minuten später zog der Kernschatten über Kastilien und León, Aragón und Valencia bis zu den Balearen weiter. Je nach Standort dauerte die Totalität zwischen rund 30 Sekunden und knapp zwei Minuten.Weil die Sonne am Abend bereits tief über dem Horizont stand, reichte es vielerorts nicht aus, einfach vor die Haustür zu gehen. Wer die totale Phase sehen wollte, musste freie Sicht nach Westen haben. Deshalb pilgerten Hunderttausende zu Stränden, Anhöhen und Aussichtspunkten, wo weder Gebäude noch Bäume den Blick versperrten. Regionen und Gemeinden hatten dafür Hunderte offizielle Beobachtungsplätze eingerichtet.Größere Zwischenfälle wurden zunächst weder aus Spanien noch aus Deutschland bekannt. In Spanien kam es jedoch vielerorts zu Staus und Verkehrsbehinderungen. Die Behörden hatten im Vorfeld mit bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten gerechnet.Auf Mallorca sorgte der Andrang bereits am Morgen für erste Probleme. Rund um Sóller und an mehreren Aussichtspunkten der Serra de Tramuntana waren Parkplätze schon Stunden vor Beginn der Sonnenfinsternis belegt, einzelne Zufahrten wurden gesperrt. Viele Besucher mussten ihre Beobachtungsorte zu Fuß erreichen.Auch das Wetter spielte mitDer Himmel über Spanien war zumeist klar, nur die große Hitze von teilweise fast 40 Grad machte einigen zu schaffen. In Deutschland, wo die Sonne zu rund 85 bis 90 Prozent durch den Mond verdeckt wurde, war der Himmel ebenfalls weitgehend wolkenlos. Großer Andrang herrschte zum Beispiel in München im Olympiapark. Hunderte Schaulustige kamen zum Feldberg in Hessen. In Berlin ist es rund um das Planetarium in Prenzlauer Berg zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Polizei sprach von 3.000 Menschen. Über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons - auch deren Passagiere hatten beste Aussicht.Schutzbrille in jedem Fall nötigOhne eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille konnte ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung seien keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen, betonte Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Im Vorfeld gab es einen Ansturm auf die speziellen Brillen in Geschäften.Sternschnuppen als ZugabeZum Schauspiel der Sonnenfinsternis war noch eine Zugabe vorgesehen: Ein Sternschnuppenstrom. Die Perseiden sollten ausgerechnet in derselben Nacht ihren Höhepunkt erreichen, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechneten. Die besten Beobachtungszeiten sollten die Stunden von 23.00 Uhr abends bis 4.00 Uhr morgens sein.Die totale Sonnenfinsternis lockte Finsternis-Enthusiasten aus zahlreichen Ländern nach Spanien. RTVE zeigte in Soria rund 200 Kilometer nordöstlich von Madrid unter anderem eine 80-köpfige Reisegruppe aus Finnland. «Für uns alle ist es die erste totale Sonnenfinsternis», sagte Teilnehmer Ari. Ebenfalls nach Soria war eine dänische Gruppe von 140 Menschen gekommen. Sie hatte die Reise bereits vor zwei Jahren gebucht.Auftakt einer außergewöhnlichen SerieDie spanische Regierung hatte sich monatelang auf das Jahrhundertereignis vorbereitet. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt, mehr als 33.000 Beamte von Polizei und Guardia Civil waren im Rahmen eines nationalen Sicherheitsplans im Einsatz. Zugleich bereiteten die hohe Waldbrandgefahr und die Trockenheit den Einsatzkräften Sorgen.Diese totale Sonnenfinsternis war zugleich der Auftakt einer außergewöhnlichen Serie astronomischer Ereignisse. Bis 2028 werden in Spanien insgesamt drei große Sonnenfinsternisse zu sehen sein - ein Umstand, den Astronomen als weltweit außergewöhnlich bezeichnen.Auf ein weiteres Ereignis am Himmel muss man in Deutschland nur gut zwei Wochen warten: Am 28. August ist hierzulande eine partielle Mondfinsternis zu sehen. Dabei tritt der Mond nur teilweise in den Kernschatten der Erde ein und erscheint stellenweise verdunkelt. Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland folgt am 2. August 2027.dpa-infocom GmbH