Erdbeben in Kolumbien : Zwei Monate altes Baby aus Trümmern gerettet12.08.2026, 14:57Lesezeit: 2 Min.Der Vater hatte den Säugling mit seinem Körper vor dem einstürzenden Wohnhaus geschützt. Nach dem schwersten Erdbeben Kolumbiens in diesem Jahrhundert steigt aber auch die Zahl der Todesopfer weiter.Mehr als zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien sorgen Nachrichten aus Cali für einen seltenen Moment der Hoffnung. Rettungskräfte haben den zwei Monate alten Salomón und seinen Vater lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes geborgen. Der Vater soll das Baby mit seinem Körper geschützt haben, als das fünfstöckige Gebäude einstürzte. Salomóns Mutter wurde Berichten zufolge etwas später lebend geborgen. Damit konnte die Familie wieder vereint werden.Diese und andere Erfolgsmeldungen, etwa die Rettung einer Frau aus den Trümmern eines Hauses in der schwer betroffenen Stadt Pereira nach siebenstündigen Bergungsarbeiten, treiben die Suchmannschaften an, ihre Arbeit trotz der hohen Zahl an Toten fortzusetzen. Rettungsteams arbeiten unaufhörlich mit Spürhunden, Spezialgerät und teilweise mit bloßen Händen. Instabile Gebäudeteile und zahlreiche Nachbeben erschweren die Suche. In Cali konnten Feuerwehrleute nach eigenen Angaben am Dienstag mehrere Erwachsene und Kinder aus eingestürzten Gebäuden retten.Bislang mehr als 250 TodesopferDennoch wird die Bilanz der Katastrophe immer dramatischer. Nach jüngsten Angaben belief sich die Zahl der Todesopfer am Dienstagabend bereits auf mehr als 250 Personen. Tausende wurden verletzt. Die meisten Opfer fallen auf Cali und Pereira sowie weitere Städte im westlichen Kolumbien. Weiterhin gelten zahlreiche Personen als vermisst. Mit jeder Stunde sinken die Chancen, weitere Verschüttete lebend zu finden.Das Beben am Montagmorgen war mit einer Stärke von 7,4 das stärkste in diesem Jahrhundert registrierte Erdbeben in Kolumbien. Das Epizentrum lag in der Nähe des Ortes San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes. Die Erschütterungen waren aber auch in Bogotá und anderen Landesteilen sowie in den benachbarten Ländern zu spüren.Zahlreiche Gemeinden von Versorgung abgeschnittenWährend die Rettungsarbeiten fortgesetzt werden, beginnt für die Überlebenden die nächste Phase der Katastrophe. In Cali und Pereira müssen Verletzte versorgt und Menschen untergebracht werden, deren Häuser nicht mehr bewohnbar sind. Zahlreiche Krankenhäuser in dem Katastrophengebiet wurden ebenfalls beeinträchtigt. Hilfsorganisationen prüfen bereits den Bedarf an medizinischer Versorgung.Besonders schwierig ist die Lage in Chocó rund um das Epizentrum, wo etliche Gemeinden von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten sind. Dort erschweren schlechte Verkehrsverbindungen und eine ohnehin schwache Infrastruktur den Zugang zu den betroffenen Gemeinden. Die Versorgung mit Wasser, Strom und Lebensmitteln sowie die Einrichtung von Notunterkünften dürften in den kommenden Tagen zu den wichtigsten Aufgaben gehören.Die Regierung des erst wenige Tage zuvor vereidigten Präsidenten Abelardo de la Espriella hat den nationalen Notstand ausgerufen und die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen gebündelt. Die USA sagten rund 15 Millionen Dollar Soforthilfe zu. Mexiko und El Salvador stellen Personal und Hilfsgüter bereit. Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen haben ebenfalls Unterstützung angekündigt.