Spätestens am Erdüberlastungstag stellt sich die Frage: Wer ist die Lenor-Tante, die neben dir auf dich einredet?
S elbst als deutsche Durchschnittstrottelin weiß man, dass Ressourcen endlich sind oder, wie mal eine meiner unzufriedeneren Leserinnen meinte: Schade, dass für diesen Mist ein Baum sterben musste.
Je mehr ich mich der eigenen Kompostierbarkeit nähere, desto intensiver beschäftigt mich das Thema, dabei war ich mal eine unbeschwerte Sachensammlerin für eine schier endlose Zukunft. Bücher! Blusen!! Bratpfannen!!! Und das ist jetzt nur ein Buchstabe meines Museums.
Ja, Bäume auch, ich muss ja den Schaden, der durch meine Texte entsteht, irgendwie büßen. Leute mit richtigen Gärten haben keine Vorstellung davon, wie viel unternehmungslustige junge Eichen und Birken es nach einer kommoden Existenz in meinen unbeobachteten Beeten drängt. Und dann wird man sie nicht wieder los, die aufdringlichen Gesellen, jedenfalls nicht, ohne zum Sägenmörder zu werden.
Egal. Das Gewissen, das durch eine schändliche Reklame meiner Jugendzeit geisterte, hat den Job gewechselt und säuselt sich nun bei jeder Entscheidung durch mein Leben: Lieber die Gurke zu Ende fahren, bis sie auseinanderfällt, oder auf ein E-Auto umsatteln? Ist es ökologisch sinnvoll, das Frosch-Biotop zu wässern, oder schädigt das den Grundwasserspiegel? Wie oft darf man fliegen, ohne für alle Zeit in der Hölle zu schmoren? Passt noch ein Buch ins Regal? Wie viel Dinge braucht man wirklich? Ist Streaming überhaupt vertretbar oder fährt man besser ins Kino, vierzig Kilometer entfernt und natürlich nur per Gurke zu erreichen?






