Grimsel-Lobby fordert Ausgleich zwischen Stadt und LandDie Promotoren des Tunnels zwischen Meiringen und Oberwald wehren sich auch mit regionalpolitischen Argumenten gegen die Kritik an ihrem Projekt.12.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIn der Grimselregion gibt es bereits viele Stollen – das ist gemäss den Befürwortern des Bahntunnels ein Vorteil.Arnulf Hettrich / ImagoKein anderes Bahnprojekt stösst in der Branche des öffentlichen Verkehrs auf derart starke Ablehnung wie der Grimseltunnel. Jüngst kritisierte Peter König, der langjährige Leiter des Rechtsdiensts des Bundesamts für Verkehr (BAV), das Vorgehen der Grimselbahn AG scharf. Diese hatte bereits im Juli den Auftrag für die Planung und den Bau des Tunnels vergeben, obwohl die Politik dessen Realisierung noch gar nicht beschlossen hat. König sprach in einer Beschwerde an den Bund von einer unlauteren PR-Aktion, die jeglicher Bau- und Planungslogik widerspreche. Zudem bezweifelte er, dass die geschätzten Kosten von rund 550 Millionen Franken realistisch seien. Mit dem Tunnel würde eine weitere hochdefizitäre Regionallinie geschaffen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bekannte GeologieIn einem aktualisierten Faktenblatt wehren sich die Promotoren des Grimseltunnels nun gegen die Vorwürfe. Bundesrat und Parlament stehe es frei, die Kosten zu bewerten, Prioritäten zu setzen und den Tunnelbau zu genehmigen oder abzulehnen. Die Röhre zwischen Innertkirchen und Oberwald soll parallel zu einer Stromleitung gebaut werden.Die Grimsel-Lobby betont, dass die Kostenrisiken gering seien. Die Geologie in der Region sei dank dem rund 150 Kilometer langen, umfangreichen Tunnelsystem der Kraftwerke Oberhasli (KWO) sowie für die Gasleitung von Deutschland nach Italien so gut bekannt wie kaum irgendwo sonst. Der Fels sei stabil, grössere Wassereintritte seien nicht zu befürchten. Der Untergrund bestehe aus kompaktem, stabilem Granit und Gneis, weshalb aufwendige Sicherungsarbeiten mit Beton oder Stahl entfielen. Die Anforderungen seien bekannt und entsprechend in die Kalkulation eingeflossen.Der Bau des Grimseltunnels soll im sogenannten Allianzverfahren erfolgen. Die Promotoren verweisen auf die Vorteile dieses Vorgehens, das beim Grimseltunnel erstmals in der Schweiz zur Anwendung kommen soll. Der frühe Einbezug aller beteiligten Unternehmen – vom Planer über den Baumeister bis hin zum Ausrüster – gewährleiste eine hohe Kostensicherheit. Die Firmen würden gemeinsam offerieren und denselben Vertrag unterzeichnen. Alle Involvierten müssten effizient arbeiten und die Folgen mittragen. Würden die vereinbarten Zielkosten überschritten, beteiligten sich die Partner gemeinsam zur Hälfte daran. Umgekehrt profitierten sie von einem Bonus, wenn die Kosten unterschritten würden.Jährlich 2 Millionen Franken SubventionenDie Subventionen für den Betrieb des Grimseltunnels erachten die Initianten ebenfalls als verkraftbar. Sie verweisen auf eine Schätzung des bernischen Amts für öffentlichen Verkehr. Laut dieser müssten die Kantone Bern und Wallis sowie der Bund pro Jahr insgesamt 2,2 Millionen Franken an Abgeltungszahlungen leisten – dies entspreche lediglich 0,5 Prozent der Subventionen für den bestellten Regionalverkehr im Kanton Bern.Wenig ist auch im aktualisierten Faktenblatt zum Angebotskonzept für den Grimseltunnel zu lesen. Vage ist die Rede von einem zusammenhängenden Schmalspurnetz von rund 850 Kilometern Länge, mit Interlaken und Luzern auf der Nordseite sowie Zermatt, Andermatt, St. Moritz auf der Südseite.Dafür argumentieren die Promotoren regionalpolitisch. Wäre die Zahl der Passagiere das einzige Kriterium, gäbe es heute keine Bahnen in dünn besiedelten Gebieten und Bergregionen. Letztgenannte trügen entscheidend dazu bei, die Schweiz mit sauberem Strom zu versorgen, obwohl sie am wirtschaftlichen Erfolg nur am Rande partizipierten. «Staatspolitisch ist der Ausgleich zwischen Stadt und Land, Berg und Tal ein Muss.» Der Grimseltunnel sei ein Vorzeigebeispiel für diese bewährte Kohäsionsstrategie.Der Grimseltunnel ist Teil des nächsten Ausbauschritts für die Bahn, den Verkehrsminister Albert Rösti im Juni in die Vernehmlassung geschickt hat. Die Botschaft zuhanden des Parlaments will der Bundesrat im kommenden Jahr verabschieden.Passend zum Artikel