Ein neues Gadget aus dem Silicon Valley erweist sich als Überwachungsaccessoire: Sogenannte Smart Glasses gewähren Big-Tech-Konzernen Zugriff auf das persönliche Sichtfeld der Nutzer. Kamera und Mikrofon sind meistens in die Brillen integriert. Nur ein kaum bemerkbares LED-Licht am oberen Rand signalisiert, dass die Brille aufzeichnet. Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie sieht darin eine ernste Gefahr für die Privatsphäre und fordert mit einer Petition ein konsequentes Durchgreifen der zuständigen Behörden.
Smart Glasses verwandelten Menschen im Blickfeld unaufgefordert in Content für soziale Medien sowie in Trainingsmaterial für Künstliche Intelligenz, monieren die Bürgerrechtler. Solche „Spannerbrillen“ würden den analogen Raum zur Datenquelle machen.
Markus Beckedahl, Geschäftsführer des Zentrums, kritisiert: „Big Tech-Unternehmen wie Meta tun alles dafür, unser Leben online umfassend zu überwachen. Als nächsten Schritt wollen sie unser analoges Leben ebenfalls für ihre Geschäftsmodelle durchrastern.“ Er wolle nicht in einer Überwachungsdystopie leben, in der „die ganze Zeit überall heimlich eine Kamera auf mich gerichtet wird“.
Gesetzliche Handhabe und ein Präzedenzfall
Eine rechtliche Handhabe für ein Einschreiten ist aus Sicht der Digitalrechtler bereits gegeben. Als zuständige Aufsicht könne die Bundesnetzagentur bestimmte Modelle vom Markt nehmen. Das erlaube ihr Paragraf 8 des Gesetzes für den Datenschutz in der Telekommunikation und digitalen Diensten (TDDDG). Die Vorschrift untersagt Geräte, die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet und dazu geeignet sind, das Bild eines anderen unbemerkt aufzunehmen. Da moderne Kamerabrillen bis auf das winzige Warnlicht wie eine gewöhnliche Sehhilfe aussehen, ist eine Aufnahme nicht immer eindeutig erkennbar.














