Zoë Saldaña am Locarno Film Festival: «Deshalb erlaube ich mir, im Weltraum zu sein»Die 48-Jährige ist eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Gegenwart, Filme mit ihr erzielen Milliardengewinne. In Locarno spricht sie über ihre Herkunft, russische Füsse und warum sie die Frage nach der Inklusion besonders nervt.11.08.2026, 16.37 Uhr5 LeseminutenZoë Saldaña hatte einen kurzen Gesprächsauftritt am Locarno Film Festival.Jean-Christophe Bott / KeystoneIhre Beteiligung lässt die Kinokassen klingeln: Die Filme, in denen Zoë Saldaña mitgewirkt hat, spielten zusammengerechnet mehr als 15 Milliarden Dollar ein. Das hat weder eine andere Schauspielerin noch ein Schauspieler geschafft. Hauptverantwortlich dafür sind zwei der grössten Franchise-Maschinen der Gegenwart: Die «Avatar»-Reihe von James Cameron, in der Saldaña in den Körper der blauen Alienfrau Neytiri schlüpft, und ihre Rolle der Kämpferin Gamora als Teil der «Guardians of the Galaxy» aus dem Universum der Marvel-Superhelden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Während Saldaña bei den Science-Fiction-Blockbustern meist hinter der Maske und den bombastischen Spezialeffekten zu verschwinden droht, kommen ihre eindringliche Präsenz und Bandbreite in Indie-Dramen voll zum Tragen. Für ihre Rolle als Anwältin und Familienaktivistin im Trans-Musical «Emilia Pérez» erhielt sie 2025 den Oscar als beste Nebendarstellerin. Zweimal, 2023 und 2025, landete sie auf der «Time»-Liste der hundert einflussreichsten Persönlichkeiten.Eigentlich müsste so ein Superstar auf der ganz grossen Bühne geehrt werden, in Locarno also auf der Piazza Grande. Doch die Schauspielerin wählte eine kleinere Plattform für ihren Auftritt – auch, um das Rampenlicht nicht von ihrem Mann Marco Perego wegzulenken, der als Produzent in der Sektion Locarno Pro tätig war. So nahm Saldaña an einem gleissend hellen Montagmittag den Special Honorary Pardo aus den Händen der Festivalpräsidentin Maja Hoffmann in dem kleineren Publikumsforum Spazio entgegen.Dreimal spielte Saldaña bereits Neytiri, eine Angehörige der Na'vi vom Mond Pandora.20th Century StudiosMit 13 Oscar-Nominationen ging «Emilia Pérez» ins Rennen, am Ende blieb es bei zwei Trophäen: Für den besten Song und die beste Nebenrolle an Zoë Saldaña.PDNur russische Frauen haben die richtigen FüsseHäufig sind öffentliche Gespräche mit Stars routiniert, im schlimmsten Fall langweilig: Die Befragten geben wenig von sich preis, flüchten sich in eine Rolle und versuchen den Erwartungen des Publikums zu entsprechen. Die Unterhaltung zwischen Saldaña und dem Filmkritiker John Bleasdale in Locarno war energetisch, witzig, unterhaltsam. Und der Rummel um sie doch lauter, als die 48-Jährige erwartet hatte: «Hätte ich das gewusst, hätte ich mir etwas anderes angezogen», kommentierte sie das anfängliche Blitzlichtgewitter.Geboren wurde Saldaña 1978 in New York, die Eltern sind puerto-ricanischer und dominikanischer Herkunft. Darüber habe sie sich als Kind kaum Gedanken gemacht, man war eben, wer man war. Sie lebten in einem Wohnblock zusammen mit 52 Familien, die 52 unterschiedliche Gründe hatten, in die USA zu migrieren. Als der Vater bei einem Autounfall starb, schickte die Mutter Zoë und ihre beiden Schwestern in die Dominikanische Republik. «Es war eine gute Entscheidung, auch wenn es nicht einfach war, aus der kulturell reichen Umgebung von Queens auf eine recht homogene Insel zu kommen. Alles war sehr patriarchal, wie es viele Latinos leider immer noch sind.»Jahrelang liess sie sich dort zur Balletttänzerin ausbilden, doch sie hatte «die falschen Füsse» dazu: «Die ganze Zeit wird einem gesagt, nur russische Frauen würden mit dem Geschenk des richtigen Fussgewölbes geboren.» Lange empfand sie es als Versagen, niemals professionelle Tänzerin geworden zu sein. Doch durch das Ballett lernte sie Disziplin, was man nicht zuletzt an ihrer schnurgeraden Körperhaltung merkt. Selten ist wohl jemand wegen einer herumschwirrenden Wespe eleganter vom Podium aufgesprungen als Saldaña.In «Emilia Perez» (2024) tanzt und singt Saldaña auch,PDZum Film kam sie über die TV-Serie «Law & Order», dann folgten Rollen in «Pirates of the Caribbean» und der Neuauflage von «Star Trek». Eine Sache habe sie ihre ganze Karriere lang vermeiden wollen: wegen ihrer Hautfarbe gecastet zu werden. «Ich möchte ausgewählt werden, weil ich über aussergewöhnliche Fähigkeiten oder Ausbildung verfüge.» Top-Regisseure wie Steven Spielberg oder James Cameron hätten sie als Künstlerin ernst genommen, jenseits aller Zuschreibungen. Cameron verehrt sie als Geschichtenerzähler, seit sie sieben Jahre alt war.Gar keine Lust hat sie darauf, auf identitätspolitische Debatten reduziert zu werden: «Was mich sehr frustriert, ist, wenn ich die einzige Person of Color oder die einzige Frau auf einer öffentlichen Bühne bin. Das kommt ziemlich häufig vor. Ich warte dann darauf, dass ich endlich zu meinem Handwerk befragt werde, und stattdessen bekomme ich zu hören: ‹Was müssen wir Ihrer Meinung nach tun, damit Filme inklusiver werden?› Sorry, aber man fragt nicht die einzige Person einer marginalisierten Gruppe danach. Man fragt die anderen achtzig im Raum.»Ihr einziger Auftritt in der «Pirates of the Caribbean»-Reihe: 2003 als Piratin Anamaria, die sich mit Jack Sparrow (Johnny Depp) verbündet.ImagoDa ist man schnell beim Schriftsteller James Baldwin, der befand, nicht er habe ein Rassenproblem, sondern die Weissen. Überhaupt schwärmt Saldaña oft von Büchern: «Outliers: The Story of Success» von Malcolm Gladwell, das ihr half, ihr Leben zu strukturieren. Und dann der Klassiker der dominikanischen Immigrantengemeinschaft, «The Brief Wondrous Life of Oscar Wao» von Pulitzerpreisträger Junot Díaz über einen einsamen Jungen, der Comics und Sci-Fi liebt. «Ich war Oscar Wao, ich bin es immer noch», sagt die Schauspielerin.Mit Aussenseitern könne sie sich grundsätzlich anfreunden: «Ich habe mehr als genug Erfahrung damit, mich isoliert und als anders, ja, man kann sagen: ‹ausserirdisch›, zu fühlen». Die Zukunft interessiere sie besonders, da die Vergangenheit für sie als Latina eher deprimierend sei: «Ich möchte diese ganzen historischen Stoffe über die Bürgerrechtsbewegung und anderen Aktivismus nicht selbst spielen. Ich glaube, dass es darüber bereits genug Filme gibt und tolle Schauspielerinnen, die sich dafür begeistern. Deshalb erlaube ich mir, im Weltraum zu sein. Ich liebe es, der Realität zu entfliehen.»«Gib mir diese Kamera!»Das tut sie auch im Beruf, im Wechsel zwischen Kino und TV. Allerdings habe erst ihr Manager ihre Vorstellung davon erweitert, was eine Schauspielerin sein könne: «Ich war, wie viele von uns, ein Snob! Lange dachten wir Schauspieler, nur der Film könne uns die Anerkennung geben, die wir brauchten.» Dabei seien es die Streamingdienste, die ihr die Möglichkeit gäben, kontinuierlich zu arbeiten, anstatt darauf warten zu müssen, dass das nächste Filmprojekt kommt.Derzeit ist Saldaña zusammen mit Nicole Kidman in der dritten Staffel von «Lioness» als CIA-Agentin zu sehen. Und der vierte Teil von «Avatar» soll noch gedreht werden, auch wenn sie darüber nichts verraten will. Was kann die Zukunft einer Schauspielerin bringen, die ohnehin alles erreicht hat?«Ich bin nicht ehrgeizig, ich habe keinen persönlichen Fünfjahresplan. Ich möchte mich als Mensch weiterentwickeln, Zeit mit meiner Familie verbringen und mehr Möglichkeiten für Latinos schaffen.» Zuerst wolle sie sich um ihre drei Kinder kümmern und ihren Mann beim Aufbau seiner Produktionsfirma unterstützen. Doch eines Tages werde es ihr sicher in den Fingern jucken, und sie werde nicht mehr länger anderen beim Regieführen zuschauen: «Dann werde ich sagen: ‹Gib mir diese Kamera!›»In der Serie «Lioness» auf Paramount+ leitet Joe eine Spezialeinheit der CIA.PDPassend zum Artikel
Oscar-Gewinnerin Zoë Saldaña über Erfolg, Herkunft und ihre Liebe zum Sci-Fi
Die 48-Jährige ist eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Gegenwart, Filme mit ihr erzielen Milliardengewinne. In Locarno spricht sie über ihre Herkunft, russische Füsse und warum sie die Frage nach der Inklusion besonders nervt.














