Nur wenige Tage im Amt – und schon muss Präsident de la Espriella eine Katastrophe bewältigenDas schwere Erdbeben in Kolumbien fordert mindestens 169 Tote und ist eine erste Prüfung für die neue Rechtsregierung. Diese kann indes auf ihre Verbündeten in der Region und in Washington zählen.11.08.2026, 14.45 Uhr4 LeseminutenBewohner der Grossstadt Cali wühlen sich durch die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes.Camilo Rodriguez / ReutersEinen schlimmeren Start hätte sich Abelardo de la Espriella wohl kaum vorstellen können. Im Juni hatte der Rechts-aussen-Kandidat die kolumbianische Präsidentschaftswahl knapp vor dem Links-aussen-Kandidaten Iván Cepeda gewonnen, am vergangenen Freitag trat er sein Amt offiziell an.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenige Tage später ist der neue Staatschef voll im Krisenmodus: Am Montagmorgen bebte die Erde im Westen des Landes mehrere Minuten lang. Das Erdbeben erreichte eine Stärke von 7,4, es war das heftigste in Kolumbien seit 1979. Und es folgte nur wenige Wochen nach einem ähnlich starken Beben im Nachbarland Venezuela.In seinen ersten hundert Tagen wollte de la Espriella eine Politik der «harten Hand» gegen Drogenbanden umsetzen, die die öffentliche Sicherheit in Kolumbien gefährden. Er hatte vor, Mega-Gefängnisse nach dem Vorbild El Salvadors zu bauen und Kokaanbauflächen zu zerstören. Die Wirtschaft wollte er mit Steuersenkungen und einer Verschlankung des Staatsapparats ankurbeln. Doch nun gilt der Fokus des Präsidenten erst einmal der Bewältigung der Naturkatastrophe.Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella (links) und sein Vizepräsident José Manuel Restrepo sind bereits im Krisenmodus.Sebastian Barros / APPatienten werden nach dem Erdbeben aus einem Spital in Cali evakuiert.Santiago Saldarriaga / APAuftritt in der linken HochburgEr flog nach Quibdó, der Hauptstadt des stark vom Erdbeben betroffenen Departements Chocó, wo auch das Epizentrum lag. Es ist kein Heimspiel für de la Espriella: «El tigre», wie er sich selbst nennt, hatte in dieser Hochburg der Linken nicht einmal 20 Prozent der Stimmen geholt. Doch das liess er sich nicht anmerken, das Erdbeben hat die politischen Gräben im tief gespaltenen Land vorerst zum Verschwinden gebracht.Im weissen Hemd, mit Sonnenbrille und einer Baseballkappe der kolumbianischen Marine trat de la Espriella in Quibdó auf und versprach: «Die nationale Regierung steht an der Seite des chocoanischen Volkes.» In der «Ära des Tigers» werde diese Region eine wichtige Rolle spielen – nicht wie in den vergangenen Jahren, in denen der Zentralismus dazu geführt habe, dass Chocó sich selbst überlassen gewesen sei.Mindestens 169 Personen sind bei dem Erdbeben ums Leben gekommen, die Zahl dürfte noch stark steigen. Mehr als 1000 Personen sind verletzt. Besonders viele Tote gab es in der Stadt Pereira im «eje cafetero», der Kaffeeanbauregion westlich der Hauptstadt Bogotá. Mindestens ein Gebäude am Hauptplatz von Pereira wurde zerstört.In der benachbarten Stadt Manizales stürzte ein Turm der Kathedrale um. Auch in Cali, der drittgrössten Stadt des Landes, die rund 160 Kilometer südlich des Epizentrums liegt, kollabierten Dutzende von Gebäuden. Mehrere Flughäfen in der Gegend mussten ihren Betrieb einstellen.Ein Turm der Kathedrale von Manizales ist umgekippt. John Jairo Bonilla / EPARetter suchen in Cali nach Überlebenden.Ernesto Guzmán Hr. / EPADer Journalist und Meteorologe Luis Felipe Molina aus Manizales erzählt der BBC, wie er das Erdbeben erlebt hat. «Man konnte Glas brechen hören, Menschen schrien. Es war eine schreckliche und grauenerregende Erfahrung.» Molina war während des Bebens daheim. Fast alle seine Bücher fielen um, doch das Haus hielt stand. Wegen früherer Beben hat die Stadt sehr strikte Bauvorschriften – sonst wären die Opferzahlen wohl noch weit höher.El Gobierno Nacional está con el pueblo chocoano.Ya se han dispuesto los recursos económicos inmediatos y la ayuda humanitaria para respaldar a las más de 1.400 familias y personas damnificadas. Los heridos y quienes requieren atención médica prioritaria, están siendo… pic.twitter.com/7HmhZxdIwA— Abelardo De La Espriella (@ABDELAESPRIELLA) August 11, 2026
Erst kurz im Amt – und schon muss Präsident de la Espriella eine Katastrophe bewältigen
Das schwere Erdbeben in Kolumbien fordert mindestens 169 Tote und ist eine erste Prüfung für die neue Rechtsregierung. Diese kann indes auf ihre Verbündeten in der Region und in Washington zählen.










