In Baden-Württemberg sägen die Arbeitgeber an der 35-Stunden-Woche. Die Metall-Tarifrunde im kommenden Herbst dürfte kontrovers werden.
Wer sägt da an der 35-Stunden-Woche?
Joerg Boethling/imago
D ie Chefs in diesem Land werden immer dreister. Sie begehen nicht nur reihenweise Betrug am Mindestlohngesetz – der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schätzt die dadurch entgangenen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf 64 Milliarden Euro. Nun wird auch noch an den Arbeitszeiten gerüttelt. „In den guten Zeiten konnte sich Deutschland die 35-Stunden-Woche leisten. Aktuell können wir das nicht mehr“, forderte der Unternehmer Nikolas Stihl in einem Interview.
Ein Sommerloch-Aufreger? Nicht ganz. Der Aufsichtsratschef des gleichnamigen Forst- und Gartengeräteherstellers ist nicht der erste, der längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich fordert. Vor einigen Wochen kam damit schon die Mercedes-Chefetage um die Ecke. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um eine abgestimmte Aktion der Arbeitgeber handelt: Im Oktober starten die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, der wichtigsten Industriebranche Deutschlands. Und Baden-Württemberg ist in der Branche traditionell der Pilotbezirk: Der Tarifvertrag, der dort ausgehandelt wird, findet meist auch im Rest der Republik Anwendung.













