Weil das extreme Niedrigwasser im Rhein und in anderen Flüssen die Binnenschifffahrt massiv einschränkt, haben mehrere Bundesländer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw vorübergehend gelockert. Die Ausnahmen gelten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland und sind jeweils befristet bis Ende August. Logistiker, Verbände und selbst der Bundesverband Güterkraftverkehr bezweifeln allerdings, dass die Maßnahme nennenswerte Entlastung bringt. Umweltverbände, Gewerkschaften und Politiker haben weitere Bedenken.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) kündigte die Lockerung nach einer Niedrigwasser-Konferenz mit Unternehmen und Verbänden als Teil eines Maßnahmenbündels an. Neben den Sonntagsfahrten sollen weniger vermeidbare Baustellen auf Autobahnen, zusätzliche Kapazitäten im Schienengüterverkehr und verschobene Wasserstraßensanierungen helfen, die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Die Ausnahmegenehmigung des NRW-Verkehrsministeriums erlaubt ausdrücklich nur Transporte und Leerfahrten, die unmittelbar mit den Folgen des Niedrigwassers am Rhein zusammenhängen. Großraum- und Schwertransporte bleiben ausgeschlossen.

Die Zahlen, die der Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nennt, lesen sich allerdings ernüchternd: Nach Berechnungen des Verbands entspricht bereits ein Rückgang der Frachtkapazität auf dem Rhein um 25 Prozent rund 120.000 zusätzlichen Lkw-Ladungen. DIHK-Bereichsleiter Dirk Binding stellt klar: „Diese Kapazitäten haben wir weder bei den Lkw noch bei den Fahrern.“ Ein einzelnes voll beladenes Binnenschiff transportiert 2000 bis 3000 Tonnen, ein Sattelzug schafft gerade einmal 25 Tonnen. Um ein einziges Schiff zu ersetzen, wären also 80 bis 120 Lkw nötig.