PfadnavigationHomeICONISTFamilieFerien mit KindernWas Eltern im Urlaub wirklich brauchenVon Gabriele ReichartStand: 13:40 UhrLesedauer: 4 MinutenWandern mit der Familie in Österreich, sieht idyllisch aus, kann anstrengend werdenQuelle: Kärnten Werbung GmbH |/Tine und Martin SteinthalerWer Kinder hat, hat Urlaub besonders nötig. Doch Verreisen mit Kleinkindern ist das Gegenteil von erholsam. Eltern müssen umdenken – und unbedingt Zeit alleine verbringen, rät die Expertin.Sonne, Freiheit, Erholung. Darauf freut sich jeder. Doch Eltern wissen: Urlaub mit Kindern ist nicht mehr der Urlaub, den sie einmal kannten. Für viele bedeutet er vor allem eines: rund um die Uhr präsent sein. Keine Kita, keine Schule, keine Großeltern, keine gewohnten Pausen. Statt Auszeiten gibt es einen verdichteten Alltag an einem fremden Ort. Routinen fehlen, die Infrastruktur ist anders, manches leichter, manches komplizierter.Dabei wären Ruhe und eine Pause vom Alltag gerade für Eltern so wichtig. Also sehnen sie sich nach der Idee von Urlaub, weil sie hoffen, dass Erholung automatisch entsteht, sobald man woanders ist. Die Illusion: Die Kinder spielen am Strand, man selbst liest in Ruhe ein Buch unter dem Sonnenschirm.Und dann kommt das echte Leben dazwischen. Das Kind ist von der Reise müde. Der Papa genervt vom Getümmel am Flughafen. Die Ferienwohnung sieht anders aus als auf den Fotos. Es fehlt dies und jenes. Wer schläft wo und wie?Diese kleinen Störfeuer gehören zum Leben und zu Ferien mit Kindern dazu. Egal, wohin Sie reisen. Egal, wie viel Geld Sie investieren. Was Sie aber tun können: den Störfeuern nicht erlauben, Ihren wohlverdienten Urlaub zu vermiesen.Lesen Sie auchAus meiner täglichen Beratungsarbeit weiß ich, welche eigenen Bedürfnisse Eltern im Urlaub am häufigsten vernachlässigen.Lesen Sie auchEltern verbringen in den Ferien deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern als sonst. Das ist wunderschön und gleichzeitig für viele anstrengend. Wer das Gefühl hat, ständig verfügbar sein und für alles Verantwortung tragen zu müssen, riskiert Erschöpfung.Deshalb dürfen auch Eltern im Urlaub für sich sorgen. Zeit allein, ein Spaziergang, eine halbe Stunde mit einem Buch oder einfach Ruhe wirken oft wie ein Mini-Charger. Kein Luxus, sondern notwendig. Fragen Sie sich deshalb: Was brauche ich gerade? Ruhe? Bewegung? Austausch? Zeit zu zweit?Wer die eigenen Bedürfnisse kennt und ernst nimmt, ist zufriedener, gelassener und oft auch präsenter für die Familie.Und wenn Ihr Kind lieber bei Ihnen bleiben will?Manche Kinder trauen sich nicht in den Kinderclub. Sie möchten im Urlaub am liebsten alles gemeinsam mit Ihnen erleben und brauchen viel Nähe. Nehmen Sie dieses Bedürfnis ernst. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wenn es alt genug ist.Dann machen Sie gemeinsam einen Plan. Was könnte Ihr Kind eine halbe Stunde alleine tun? Wo könnten Sie sich hinsetzen, damit es Sie sehen kann? Was braucht es, damit diese Pause für beide gelingt? Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, eigene Ideen zu entwickeln, und beginnen Sie mit überschaubaren Auszeiten. Freuen Sie sich über jeden noch so kleinen Versuch.Ein Vater berichtete mir: Sein Sohn blieb in Sichtweite und baute Sandburgen, während er zehn Meter weiter in der Sonne ein Buch las. Am Abend erzählte der Sohn zu Hause stolz am Tisch, wie lange Papa „ganz alleine“ gelesen hatte.Und wenn Sie selbst strahlend erzählen, wie gut Ihnen diese kleine Auszeit getan hat, spürt Ihr Kind: Ich habe das möglich gemacht. Ich kann gut alleine sein, weil Mama und Papa in der Nähe sind. Genau dieses Gefühl bleibt. Es ist mehr wert als jede Stunde im Kinderclub, denn der ist nun einmal nicht für jedes Kind das Richtige.Lesen Sie auchUnd: Gemeinsam verbrachte Zeit ist nicht automatisch Zeit mit Qualität. Es geht um Momente, in denen Sie und Ihr Kind sich wirklich begegnen.Setzen Sie sich realistische Erwartungen an den Urlaub. Es wird mal regnen. Es wird Streit geben. Es wird Langeweile geben. Und das ist okay.Wer mit dem Anspruch startet, jetzt müsse alles perfekt sein, erlebt Frust. Wer Höhen und Tiefen zulässt, reagiert gelassener und genießt mehr echte Nähe. Seien Sie nachgiebig mit anderen. Und mit sich selbst.Teilen Sie Verantwortung, um Entlastung zu erleben. Wechseln Sie sich beim Aufstehen, Spielen oder Kochen ab. Auch gemeinsames Reisen mit anderen Familien kann entlasten, allerdings nur, wenn alle ihre Bedürfnisse ehrlich einbringen. Sonst wird daraus schnell eine zusätzliche Belastung.Urlaub ist nicht die Zeit, ein ideales Familienleben zu erschaffen. Wenn am Ende eines Tages alle satt, sicher und irgendwie ein bisschen zufrieden sind, dann war es ein guter Tag. Niemand braucht im Urlaub ein Dauerprogramm. Auch kein harmonisches Bilderbuchleben. Was Eltern wirklich brauchen, ist Luft zum Atmen. Gabriele Reichart ist Diplom-Sozialpädagogin, Erzieherin und Gründerin der Eltern Akademie. Mit über 35 Jahren Erfahrung begleitet sie Eltern dabei, Erziehung entspannter zu gestalten. Dieser Artikel ist ein bearbeiteter Auszug aus ihrem Buch „Urlaub mit Kind – Erholung und Spaß für ALLE, so klappt's“.
Familie: Warum Eltern im Urlaub unbedingt Zeit ohne ihre Kinder brauchen - WELT
Wer Kinder hat, hat Urlaub besonders nötig. Doch Verreisen mit Kleinkindern ist das Gegenteil von erholsam. Eltern müssen umdenken – und unbedingt Zeit alleine verbringen, rät die Expertin.







