Der andere BlickCornelius WelpLehrer sind enorm wichtig. Deshalb sollten sie in Deutschland keine Beamten seinDer Status als Staatsdiener auf Lebenszeit verschleiert nicht nur die Kosten, sondern entwertet auch ihre Leistung.10.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIn Deutschland sind mehr als 700 000 Lehrer BeamtePeter Schneider, KeystoneSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Cornelius Welp, Wirtschaftsredaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wenn in dieser Woche in vier deutschen Bundesländern die Sommerferien enden, beginnt für Tausende Lehrerinnen und Lehrer ein Alltag, der es in sich hat. Sie müssen vermitteln, bewerten, erziehen, schlichten, motivieren, beschwichtigen, unterhalten und noch einiges mehr. Das ist fordernd, aber gerade im rohstoffarmen Deutschland ganz besonders wichtig. Genau deshalb sollten deutsche Lehrer künftig keine Beamten mehr sein.Das sind sie derzeit fast immer. Mit 713 000 Mitgliedern bilden sie die mit Abstand grösste Berufsgruppe unter den knapp zwei Millionen lebenslangen Staatsdienern in Deutschland. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Allein 6000 kamen hinzu, als das Land Berlin ab 2023 zuvor nur angestellte Lehrkräfte ins Beamtenverhältnis übernahm.Die zuständigen Politiker in den Bundesländern verkaufen solche Schritte als Wertschätzung von Bildung und Investition in die Zukunft. Dabei ist genau das Gegenteil richtig: Verbeamtungen dienen dazu, finanzielle Lasten auf die jüngeren Generationen abzuwälzen, setzen falsche Anreize und entwerten Leistungen.Ihr Ende ist dennoch nicht absehbar. Anfang des Jahres verpuffte ein Vorschlag aus Sachsen, Lehrer bundesweit nicht mehr auf Lebenszeit in den Staatsdienst zu übernehmen, Verbandsfunktionäre beschimpften den Vorstoss als «überhaupt nicht durchdacht». Das gilt aber vor allem für ihre eigenen Argumente.Vor allem die Pensionen belasten die BudgetsIrreführend ist zum Beispiel eine Rechnung, die belegen soll, dass bei etwa gleichem Nettogehalt die Verbeamtung für den Staat die günstigere Form der Beschäftigung ist. Zwar fallen dann zunächst keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung an. Dafür belasten die üppigen Pensionen die Budgets Jahre später umso stärker.Andere Argumente sind beeindruckend schlicht. So stimmt es zwar, dass sich bestehende Arbeitsverhältnisse nicht mehr umwandeln lassen. Dass ein sinnvoller Wandel Zeit braucht, kann aber kein Grund dafür sein, niemals mit ihm zu beginnen.Ob Lehrer ähnlich wie Polizisten und Finanzbeamte hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, ist formal äusserst zweifelhaft. Es ist aber auch inhaltlich kaum erstrebenswert. Die eigene Weisungsgebundenheit ist kaum eine Voraussetzung dafür, Schüler zu möglichst mündigen Bürgern zu erziehen.Auch wenn ein Ende der Verbeamtungen erst langfristig zu niedrigeren Kosten führt, würde es sich unmittelbar auszahlen. Denn es würde Transparenz schaffen und die Praxis beenden, Lasten in die Zukunft zu verschieben.Wie diese an den Schulen aussieht, ist unsicher. Derzeit herrscht an vielen akuter Personalmangel, aber mit der Geburtenrate sinken auch die Schülerzahlen. Schon ab 2031 dürfte sich die Lage an den Grundschulen entspannt haben. Wenn der Trend anhält, wären die beamteten Kollegien irgendwann so überbesetzt, dass kein Platz für Nachwuchskräfte mehr da wäre. Das war schon einmal so: Wer in den 1980er Jahren eine westdeutsche Schule besuchte, hat die Folgen der vorangegangenen «Lehrerschwemme» deutlich zu spüren bekommen.Angestellte Lehrer könnten bei sinkendem Bedarf ihren Job verlieren, womöglich müssten sie sich dann sogar eine ganz andere Aufgabe suchen. Das müssen Millionen andere Beschäftigte aber auch. Auf dieses Leben voller Unsicherheit bereiten Ausbilder in staatlich alimentierter Sorglosigkeit wohl kaum am besten vor.Es braucht mehr als Besoldung und BeihilfeDie Länder machen es sich ohnehin zu bequem, wenn sie angehende Lehrkräfte vor allem mit der Aussicht auf Besoldung, Pensionsanwartschaft und Beihilfe locken. Wenn diese Privilegien wegfallen, müssten andere, bessere Anreize her, um junge Menschen für den Beruf zu gewinnen. Schulgebäude, die nicht mehr schwanken oder schimmeln, wären schon einmal ein Anfang, von dem auch die Schüler profitieren würden.Wenn sich die Bezahlung zudem etwas mehr an der Leistung als an den Dienstjahren orientiert, würde das letztlich auch das immer noch weitverbreitete und schon heute meist unzutreffende Klischee vom Lehrer als tüdeliger Halbtagskraft vertreiben. Mehr Anerkennung wäre die Folge. Die meisten Lehrer hätten sie verdient.Passend zum Artikel
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