Das Projekt läuft nun schon seit einigen Monaten. Vielleicht sind inzwischen sogar Jahre daraus geworden. So genau lässt sich das nicht mehr sagen, zu vertraut ist der Anblick. Es entwickelt sich vielversprechend, das Projekt auf dem Gehweg der Mollstraße, Ecke Karl-Liebknecht-Straße in Berlins City Ost.Auf einer Fläche von schätzungsweise zehn Quadratmetern wurde es angelegt, umgeben von rot-weißen Absperrungen, wie sie im Straßenbau benutzt werden. Vermutlich wurden sie zum Schutz vor Vandalismus aufgebaut. Vandalismus ist in Berlin ein Problem. Ein Bäumchen wächst und gedeiht hinter dem Bauzaun; unberührte Natur im Betongrau der Großstadt.Im Vorübergehen regt das Ensemble zum Nachdenken und die Fantasie an. Wer hat das arrangiert? Lebt eine vom Aussterben bedrohte Ameisenart auf diesem Fleckchen Erde? Waren hier Künstler am Werk, was wollen sie uns damit sagen? Oder pennt da einfach nur die zuständige Behörde?

5000 Kleinstbaustellen in Berlin

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Baustelle, klar. Eine der vielen, auf denen sich nichts tut, die einsam und verlassen vor sich hingammeln. Berlin ist die Hauptstadt der Baustellen, der sinnlosen wie sinnvollen. Auf rund 100.000 summiert sich ihre Zahl.Bei etwa 5000 handelt es sich um sogenannte Kleinstbaustellen. Solche also, die wie die Installation in der Mollstraße nur wenig Platz beanspruchen. Häufig jedoch entfalten sie große Wirkung, meist negative. Für etliche liegt nicht einmal eine amtliche Genehmigung vor. Das hat unlängst eine Stichprobe in zwei Berliner Bezirken ergeben.