Als sich Bauer Joseph schon den Lauf des Gewehres in den Mund gesteckt hat, klingelt es an der Tür. So beginnt «Wirf einen Schatten», der feinsinnige neue Roman von Elena Fischer.09.08.2026, 05.30 Uhr1 LeseminutenDer Bauer Joseph hat mit dem Leben abgeschlossen. Es ist Heiligabend, 1963. Seit sechs Monaten hat er nichts mehr gehört von seiner Frau Lis, die den Hof mit ihrem gemeinsamen Sohn Samuel verliess. Unter der Tür hatte sie gesagt: «Dies ist nicht mein Leben. Tut mir leid.» Als er sich schon den Lauf des Gewehres in den Mund gesteckt hat, klingelt es an der Tür. Ein Päckchen. Von Ada, der Schwester von Lis, in die er ganz still und leise und heimlich seit langem verliebt ist. Und sie in ihn. Und später klingelt noch jemand anderes, eine junge, verzweifelte, unbekannte Frau. Birdie zwitschert in sein eigentlich abgehaktes Leben, gibt Joseph wieder eine Aufgabe. Elena Fischer hat nach ihrem fulminanten Debüt, dem Coming-of-Age Roman «Paradise Garden», ein behutsames, ­soghaftes, bewundernswert genau erzähltes Buch verfasst, das sich ganz tief in seine ­Figuren hineinschreibt und gekonnt mit den Zeitebenen spielt. Die Leichtigkeit und der Humor aber, die den ersten Roman bei aller inhaltlichen Schwere auszeichneten, fehlen leider.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.★★★★✩ Elena Fischer: Wirf einen Schatten. Diogenes 2026, 304 Seiten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»