(SZ) Ohne jeden Zweifel: Alexander Dobrindt hat Karriere gemacht. Vom zweitschlechtesten Verkehrsminister der Republik ist er aufgestiegen zum unbestreitbar besten Innenminister im Kabinett Merz, in dem es allerdings auch nur einen Innenminister gibt. Was Dobrindt wirklich gut beherrscht, ist die Erweckung des Eindrucks, er sei ein ebenso seriöser wie besorgter Mann, wenn es um Sicherheit im weiteren Sinne geht. Zu diesem Eindruck gehört seine Art zu sprechen: Die Wörter in seinen Sätzen kommen oft mit einer kleinen Verzögerung, die nicht groß genug ist, als dass man die Sprechweise „abgehackt“ nennen könnte. Aber wenn er „ein-e ganz-e (Pause) Meng-e krimi-nell-er (Pause) E-ner-gie“ sagt, signalisiert sein mit retardierter Geschwindigkeit vorgetragener Redefluss: Achtung, hier spricht einer, der weiß, was los ist. Als jüngst „eine frem-de (Pause) Macht“ eine Sprengstoffdrohne in Leipzig aussetzte, sprach Dobrindt nicht nur wichtig, sondern er hatte auch noch seinen Urlaub dafür unterbrochen.Der Politikerurlaub ist ein Mysterium von hohen Graden. Sich für bedeutend Haltende und damit irgendwie Gefährdete lassen ihre Sprecher nie sagen, wo sie Urlaub machen. Kanzler Merz zum Beispiel ist irgendwo, hat aber am Tegernsee ein Haus. Kanzler Kohl war immer am Wolfgangsee. Kanzler Schröder war einmal in der Toskana, weil es vor einem Vierteljahrhundert noch schick war, in der Toskana zu sein. Von Angela Merkel wusste man, dass sie immer Ende Juli die Bayreuther Festspiele eröffnete und dann in Südtirol herumwanderte, wo man heute nicht mehr hinfahren kann, weil die Provinz nicht mehr Alto Adige, sondern Alto Overturisme heißt. Zu jedem Kanzlerurlaub gehört auch die Forderung, der Kanzler möge seinen Urlaub ab- oder unterbrechen, weil daheim die Hütte brenne. Im August 2024 zum Beispiel forderte der erstaunlicherweise immer noch amtierende CSU-Generalsekretär Martin Huber den damaligen Kanzler Scholz auf, wegen der Haushaltskrise sofort seinen Urlaub abzubrechen. Gerade eben warf die Grüne Katharina Dröge, auch Alarm-Kathi genannt, dem Kanzler Merz vor, er könne doch nicht angesichts der Geschehnisse in Leipzig jetzt einfach Urlaub machen.Befände sich Donald Trump gemeinsam mit Alice Weidel im Langzeiturlaub, ginge es der Welt besserNun spricht einiges dafür, dass in bestimmten Krisen die Anwesenheit bestimmter Politiker und Politikerinnen eher schädlich als nützlich ist. Befände sich Donald Trump gemeinsam mit Alice Weidel im Langzeiturlaub, ginge es der Welt und Deutschland eindeutig besser. Natürlich haben sich Kanzler und Ministerinnen ebenso Urlaub verdient wie andere Werktätige. Unter ihnen gibt es heldenhafte Ostentativunterbrecher (Dobrindt) ebenso wie zum Unterbrechen aufgeforderte Nichtunterbrecher. Die Auffordernden sind allerdings meistens Leute, die selbst von niemandem zur Urlaubsunterbrechung aufgefordert würden.
Nur wer seinen Urlaub abbrechen darf, ist wirklich wichtig in der Politik
Das Streiflicht: Nur wer seinen Urlaub abbrechen darf, ist wirklich wichtig in der Politik








