KommentarDer Drohnenangriff am Flughafen Leipzig kam mit Ansage. Europa muss endlich die Zeichen sehenRussland lässt den Konflikt mit dem Westen seit einiger Zeit eskalieren. Dass Drohnen dabei eine Rolle spielen, ist bekannt. Dennoch wird die Bedrohung weitherum ignoriert. Das ist gefährlich.08.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEine Drohne mit Sprengstoff auf dem Flughafen Leipzig zeigt die Bedrohung: Polizisten suchen auf dem Gelände nach Spuren, im Hintergrund Antonow-Flugzeuge der Ukraine.Sebastian Willnow / DPADie Drohnen tauchten vor einem Jahr überall in Europa auf. Zuerst war es der Flughafen in Kopenhagen, der den Betrieb einstellte. Später tauchten sie an weiteren Orten auf und legten Flughäfen in Dänemark, Norwegen und Deutschland lahm. Um was für Drohnen es sich handelte oder wer sie steuerte, war unklar. Es gab sogar Zweifel, ob es die Drohnen, die angeblich gesichtet wurden, tatsächlich in allen Fällen gegeben hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese Ungewissheit ist perfekt für hybride Aktionen. Die Grenze zwischen echter Bedrohung und Hysterie verwischt. Anschuldigungen gegen Russland können leicht als haltlos abgetan werden. Zwar waren die Störungen des Flugverkehrs und die Verunsicherung real. Doch nach einigen Tagen war die Aufregung wieder vorbei. Die Drohnen gingen vergessen.Das war ein Fehler. Denn die Bedrohung ist nicht verschwunden. Nun ist sie in Leipzig wieder aufgetaucht.Vorfall passt zu anderen russischen AktionenDie Drohne, welche in der Nacht auf Mittwoch auf dem Flughafen Leipzig sichergestellt wurde, ist echt. Und sie war mit Sprengstoff ausgestattet. Dass mit der Drohne ein Anschlag verübt werden sollte, ist anzunehmen.Das Vorgehen passt in das Muster der russischen Aktionen, die sich gegen die westliche Hilfe an die Ukraine richten. Der Flughafen in Leipzig ist sowohl für die Ukraine als auch für die Nato von strategischer Bedeutung. Ob hinter dem Vorfall tatsächlich Russland steht, ist aber unklar.Doch die Frage der Täterschaft ist gar nicht entscheidend. Wer in der Grauzone zwischen Frieden und Krieg auf klare Belege und zweifelsfreie Zuschreibungen wartet, kommt zu spät. Verdeckte Operationen sind darauf ausgelegt, nicht eindeutig zugeordnet werden zu können.Entscheidend ist: Die Bedrohung durch Drohnen ist real. Der Vorfall in Leipzig ist keine Überraschung. Und er wird auch kein Einzelfall bleiben.Russland hat bereits in den vergangenen Monaten begonnen, den Konflikt mit dem Westen eskalieren zu lassen. Im Baltikum und in Polen kam es mehrfach zu Brandanschlägen. Im vergangenen Herbst richtete sich ein Anschlag gegen das polnische Bahnnetz. Und kurz vor Silvester versuchten mutmasslich staatliche Hacker des Kremls, in Polen einen Stromausfall zu provozieren – eine klare Eskalation im Cyberraum.Dass Drohnen ein geeignetes Mittel für Sabotageaktionen sind, wurde spätestens im vergangenen Herbst klar. Die Vorfälle an zahlreichen Flughäfen zeigten, wie hilflos die Sicherheitskräfte gegenüber der Bedrohung aus der Luft waren – und es vermutlich noch einige Zeit bleiben werden.Selbst der Flughafen Leipzig war in der Vergangenheit bereits einmal Schauplatz eines mutmasslich russischen Anschlags. Vor zwei Jahren verursachte eine Paketbombe dort einen Brand im Warenlager des Logistikunternehmens DHL.Friedliche Zeiten kommen nicht so bald zurückLänder wie Deutschland oder die Schweiz übersehen diese Zeichen des Konflikts mit Russland gerne. Zum einen ereignen sich viele der Sabotageaktionen im Norden und im Osten Europas. Die eigene Betroffenheit fehlt. Zum anderen zerfällt die Bedrohung in viele geografisch verteilte Einzelereignisse. Sie erscheint deshalb kleiner, als sie tatsächlich ist.Diese Ignoranz ist verheerend. Ohne gesamtheitliche Sicht auf die verdeckten Aktionen Moskaus fehlt in Westeuropa das Bewusstsein für die Bedrohung. Das erleichtert den russischen Geheimdiensten ihre Arbeit.Der Drohnenvorfall in Leipzig muss eine Lehre sein. Zwar lassen sich solche Aktionen nie komplett verhindern. Doch es braucht eine vernetzte Sicht auf den Konflikt Russlands mit dem Westen. Nur wer die einzelnen Ereignisse und Entwicklungen im grösseren Zusammenhang sieht, kann wachsam sein und Vorsichtsmassnahmen treffen.Die Politik ist gefordert, mit Weitblick zu handeln. In Europa werden die friedlichen Zeiten, wie sie vor 2022 herrschten, nicht so rasch zurückkommen. Das bedeutet nicht zwingend einen russischen Grossangriff auf den Westen. Doch der Konflikt unterhalb der Kriegsschwelle läuft bereits – und wird sich vermutlich noch verschärfen.Passend zum Artikel
Drohnenangriff in Leipzig: Europa muss die Bedrohung ernst nehmen
Russland lässt den Konflikt mit dem Westen eskalieren. Drohnen spielen dabei eine wichtige Rolle. Dennoch wird die Bedrohung weitherum ignoriert. Das ist gefährlich.










