BYD bringt Mini-Elektroauto Racco nach Japan und macht den Japanern Konkurrenz in einem ureigenen MarktKei-Cars galten als unangreifbare Domäne japanischer Hersteller. Mit dem Racco knackt BYD diese Festung – und liefert damit womöglich ein Vorbild für den globalen Markt für elektrische Kleinwagen.Martin Kölling, Tokio07.08.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenDen elektrischen Racco hat BYD als Fahrzeug für den japanischen Kei-Car-Markt entwickelt.PDChinas Elektroautoriese BYD will mit einem Mini-Elektroauto in Japan gross herauskommen. «Die kleine EV-Revolution beginnt», verspricht der Konzern für ein Modell, das den Chinesen endlich den Durchbruch in Japan bringen soll – und, so eine Spekulation, als Vorlage für Mini-EV in anderen Märkten dienen könnte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Racco», auf Japanisch «Otter», nennt BYD den speziell für Japan entwickelten Wagen. Seit Ende Juli fordert er in einem urjapanischen Segment die heimische Konkurrenz heraus. Kei-Cars heissen diese sehr speziellen und sehr preiswerten Fahrzeuge, die in Japan rund 40 Prozent des Automarkts ausmachen – und auch im Ausland viele Fans haben. In Japan sind Kei-Cars auch steuerlich begünstigt.Maximal 3,4 Meter lang, 1,48 Meter breit und 2 Meter hoch darf so ein Kei-Car sein. Die Motoren sind zudem auf höchstens 47 kW (64 PS) Leistung limitiert, der Preis für die Viersitzer dagegen ist attraktiv: Benziner kosten in der Regel zwischen 1,2 und 2 Millionen Yen (6600 bis 11 000 Euro), in Luxusversionen auch ein- bis zweitausend Euro mehr.BYD attackiert das Segment mit einem PreisschockBYD schickt sein Modell ebenfalls zu einem Kampfpreis auf den Markt. Die Variante mit der kleinen Batterie, die laut Hersteller für 210 Kilometer reichen soll, beginnt bei umgerechnet 11 600 Euro. Die Luxusversion mit Ledersitzen und 320 Kilometern Reichweite steht mit einem Listenpreis von 13 800 Euro im Katalog. Und nun will auch noch der chinesische Hersteller Chery mit einem eigenen Kei-Car nachziehen.Um das japanische Kei-Car-Format zu erreichen, darf der Wagen maximal 3,40 Meter lang sein. Deshalb hat auch der BYD Racco ein steiles Heck.PDDas ist ein doppelter Schock für Japans Hersteller. Bisher wähnten sich Suzuki, Honda, Nissan, Toyotas Marke Daihatsu und Mitsubishi Motors in der Gewissheit: Kein ausländischer Hersteller würde die Kosten auf sich nehmen, ein Modell nur für den japanischen Kei-Car-Markt zu entwickeln. Doch schon der Racco wird zu einer echten Herausforderung, besonders für den japanischen EV-Pionier Nissan.Newsletter «Weg & Ziel»Fortbewegung damals, heute und in Zukunft: Historie, Neuheiten und Trends aus der Welt der Mobilität.Jetzt kostenlos abonnierenDer hat in den vier Jahren seit dem Start seines Sakura im Mai 2022 nach eigenen Angaben mehr als 100 000 Einheiten verkauft, Partner Mitsubishi Motors nach Schätzungen weitere 30 000. Doch der Wagen ist mit einem Startpreis von 14 300 Euro teurer als der BYD. Zudem hat seine Batterie nur eine Kapazität von 20 Kilowattstunden, während BYD 22,5 kWh im Basismodell und 35 kWh in der Klasse darüber bietet.Einzig die variablen EV-Subventionen, die im Inland produzierte Elektroautos bevorzugen, retten die Japaner: Die Racco-Kundschaft erhält nur die Grundförderung von 150 000 Yen, Sakura-Käufer die maximalen 580 000 Yen. Damit liegen beide Hersteller im Endeffekt preislich etwa gleichauf.Innen ist der Racco luftig gestaltet wie ein Van. Dies ergibt sich aus den Kei-Car-Abmessungen.PDVon Japan aus in die Welt?Doch BYD scheint es in seinem bisher schwierigsten Markt wissen zu wollen. Seit 2022 in Japan vertreten, verkaufte das Unternehmen 2025 nur 3870 Autos. Um das Markenimage aufzupolieren, hat BYD die bekannte Schauspielerin Alice Hirose als Markenbotschafterin des Racco angeheuert.Das ist eine kaum verhohlene Kampfansage an den Kei-Car-Marktführer Suzuki. Der Kleinwagenhersteller, der im vergangenen Quartal mit einer Gewinnmarge von 9,3 Prozent profitabler als Toyota war, hatte vor ein paar Jahren Alice Hiroses jüngere Schwester Suzu für seinen automobilen Dauerbrenner Wagon-R werben lassen.Wenn sich BYD in Japan bewährt, könnte der Konzern dem Rivalen im Mini-Segment nach Übersee folgen. Honda hat sein Modell «N-One e» als «Honda Super-N» in Grossbritannien auf den Markt gebracht, leicht verbreitert, mit grösseren Rädern und einem Turbomodus. Auf Knopfdruck springt die Motorleistung von 47 auf 70 kW, und dies ab umgerechnet 22 200 Euro.Suzuki bringt im Herbst einen elektrischen Kleinwagen auf den Markt, der 2027 auch in Europa eintreffen soll. Gereift im japanischen Markt mit seiner qualitätsbewussten Kundschaft, könnten asiatische Kei-Cars zu ernsthaften Herausforderern im europäischen Kleinwagensegment werden.In Japan sind selbst die Mini-Kunden längst daran gewöhnt, dass ihr Auto Tempo, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und die Spur hält sowie selbständig bremst. Viele Modelle bieten mit ihrer Kastenbrotform zudem ein Raumgefühl, von dem Kunden europäischer Kompaktstromer nur träumen können. Der Erstling von BYD beispielsweise ist bei 1,475 Metern Breite immerhin 1,8 Meter hoch. Trotz BYD-Batterien im Unterboden könnten Chauffeure darin noch mit Zylinderhut Platz nehmen.Passend zum Artikel