Es ist halb eins am Freitag, als Matthias Lilienthal, der Intendant der Berliner Volksbühne, zum Mikrofon greift. Er steht barfuß vor seinem Theater am Rand des Schwimmbeckens, das er hat errichten lassen und über das seit zwei Wochen die ganze Stadt spricht . Er sagt: „Das Volksbad ist das neue Wunder von Mitte.“

Nun also ein Wunder. Zuvor hat Matthias Lilienthal das Volksbad ein politisches Statement gegen die verfallende Infrastruktur in dieser Stadt bezeichnet und er tut es auch jetzt wieder. Der Pool sei ein Statement in einer Stadt, in der es selbstverständlich sei, in Autobahnbrücken 720 Millionen zu investieren, aber nicht, Schulen zu erhalten und Theater anständig auszustatten. Der dezimierte Kulturetat ist auch Thema: „Die Volksbühne muss mit 1,25 Millionen sparen, das sind 5,5 Prozent des Etats, während die Sparmaßnahmen bei allen anderen Häusern drei Prozent betragen.“ Nur das Gorki sei ähnlich belastet.

Der Intendant der Volksbühne Matthias Lilienthal eröffnet das Volksbad.

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

Lilienthal nennt Frank Castorf, an dessen Wirken an der Volksbühne er mit dem Volksbad anknüpfe, er nennt Christoph Schlingensief. „Ich weiß, dass er gerade im Himmel sitzt und sagt: So eine Scheiße, dass ich nicht dabei bin.“ Neben Matthias Lilienthal steht die Bezirksbürgermeisterin von Mitte Stefanie Remmlinger vom Bündnis 90/Die Grünen und ist total begeistert: „Vielen Dank, dass ihr gezeigt habt, wie mit Kunst immer noch Debatten losgestoßen werden können.“