Es ist erst seine zweite Woche als Bundesverkehrsminister, aber Steffen Bilger, 47, ist schon mittendrin. Jetzt hat er sich zum Stand der Sanierung bei der Deutschen Bahn geäußert und damit eines der Hauptprobleme herausgegriffen. Er werde sich das Thema Korridorsanierungen sehr genau anschauen, sagte der CDU-Politiker in Bonn. Wenn das Konzept erhalten bleibe, müsse es beim Zeitplan und den Ergebnissen besser funktionieren. Sein Gefühl, fügte er noch an, sei, dass die Erwartungen bisher nicht erreicht worden seien.Damit hat er recht. Die Deutsche Bahn hat sich schon seit Längerem dazu entschieden, Problemstrecken vollständig und über Monate zu sperren und dann aus einer Hand zu sanieren. Das läuft dann unter dem Titel „Korridorsanierung“. Zuvor wurde bei laufendem Betrieb gebaut, also quasi „unter dem rollenden Rad“. Das dauerte zwar länger und war möglicherweise teurer, dafür lief der Verkehr weiter. Das neue Konzept sollte effizienter sein, Geld sparen und schneller gehen. Damit sollte auch der Bauwirtschaft geholfen werden, die sich besser darauf einstellen kann. Zudem sollte die Akzeptanz bei den Reisenden erhöht werden, nach dem Motto: Erst wird es ganz schlimm, dann aber schnell besser. Dabei geht es immerhin um rund 40 besonders wichtige Strecken. In die Sanierung sollen viele Milliarden fließen.Der neue Bundesverkerhsminister Steffen Bilger ist seit Ende Juli im Amt. Thilo Schmuelgen/REUTERSDoch das funktionierte nicht. Zuletzt gab es erhebliche Probleme etwa auf der wichtigen Strecke von Nürnberg nach Regensburg. Diese wurde für viele Wochen für eine Generalsanierung gesperrt, die Reisenden mussten Verzögerungen hinnehmen und auf einen Schienenersatzverkehr umsteigen. Nur wenige Tage, bevor die Strecke endlich wieder freigeben werden sollte, musste die Infrago, die Infrastrukturgesellschaft der Bahn, die Sperrung für drei Wochen verlängern, was für sehr viel Unmut sorgte. Auf der Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg sind normalerweise mehr als 350 Fern-, Regional- und Güterzüge am Tag unterwegs. Auch bei der Sanierung der wichtigen Strecke zwischen Hamburg und Berlin und bei der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim lief nicht alles glatt.Am Ende sind Verbesserungen nicht wie erhofft spürbarFür Kritik sorgte immer wieder, dass die Umleitungsstrecken nicht gut funktionierten, die Bauarbeiten nicht im Zeitplan blieben und die Verbesserung am Ende nicht so spürbar sei wie gehofft. Auch Evelyn Palla, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, hatte schon eine Prüfung des Konzepts angekündigt. „Korridorsanierungen werden wir künftig anders planen und umsetzen“, sagte sie Anfang Juli. Sie fügte damals an: „Wir müssen künftig Fristen und Kosten einhalten. Wie alle das zu Recht von uns erwarten. Und wie es auch unser eigener Anspruch sein muss.“Was genau geschehen soll, ist aber bislang offen. Der Druck auf die Deutsche Bahn ist zumindest durch die Äußerungen von Bilger gestiegen. Geplant ist offenbar, bis zum Herbst das Konzept der Korridorsanierungen zu überprüfen und neu zu justieren. Vollständig will die Bahn diese Art der Sanierung aber nicht aufgeben.Bilger und Palla hatten sich bereits in der vergangenen Woche für ein Gespräch getroffen. Die Deutsche Bahn hatte überraschende Halbjahreszahlen vorgelegt und erstmals wieder einen Gewinn ausgewiesen. Im Juli waren aber erneut lediglich 52,6 Prozent der Fernzüge der Bahn ohne größere Verzögerungen unterwegs. Als Grund wurden Störungen von Anlagen, zahlreiche Baustellen und die Hitzewelle angegeben.