Nach nur wenigen Tagen im Amt steht Steffen Bilger schon auf dem Trockenen. Die Donau fließt an ihm vorbei, aber auf deutlich niedrigem Niveau als sonst. Geröll und Sand sind an Stellen freigelegt, wo sich sonst der zweitgrößte Fluss Europas ausbreitet. Der Zufall will es, dass der CDU-Politiker schon Anfang der Woche einen symbolträchtigen Termin als neuer Bundesverkehrsminister absolviert. Eine Visite bei einem Teilabschnitt des Donauausbaus, ein Spatenstich für eine Schleuse in Passau. In Zeiten, in denen das Niedrigwasser in deutschen Flüssen – wieder einmal – zu ernsten Lieferengpässen für Unternehmen führt, bekommen Lokaltermine nationale Bedeutung. Ebenso wie eine Fachkonferenz mit Vertretern von Unternehmen und Verbänden, die Bilger wegen des Niedrigwassers für Donnerstag einberufen hat.Kenner der deutschen VerkehrskrisenDabei ist der 47 Jahre alte Jurist und bisherige parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion gerade einmal eine Woche im Dienst, nach einer eilig anberaumten Amtsübergabe mit seinem Vorgänger Patrick Schnieder. So etwas geschieht mitten in der Legislaturperiode selten, vor allem wenn für den bisherigen Amtsinhaber keine weitere Verwendung vorgesehen ist als die des ordentlichen Bundestagsabgeordneten. Dieser Ministerwechsel wird noch lange in Erinnerung bleiben. Das obligatorische Streichquartett beim Festakt musste dem ganzen Vorgang deshalb die Würde zurückgeben, die auf dem holprigen Weg zum Amtswechsel verloren gegangen war.Es gelang auch deshalb, weil im Mittelpunkt zwei Männer standen, die erkennbar keinen Groll gegeneinander hegen. Schnieder und Bilger haben die ersten Jahre ihres Abgeordnetendaseins seit 2009 gemeinsam im Verkehrsausschuss verbracht und sich dort schätzen gelernt. Ironischerweise hat es Bilger schon deutlich früher ins Bundesverkehrsministerium geschafft als sein Vorgänger: 2018 wurde er unter dem CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer Parlamentarischer Staatssekretär und war gleich mit mehreren Krisen befasst: Die Nachwehen des Dieselskandals, die Corona-Krise und das Debakel um die Pkw-Maut haben ihn damals schwer beschäftigt.Für das Zwischenmenschliche kann es sogar helfen, dass Bilger der vermeintliche Makel der zweiten Wahl anhaftet, nachdem Kanzler Friedrich Merz eigentlich einen Finanzpolitiker mit der Aufgabe betrauen wollte. Das bedeutet nämlich im Umkehrschluss: Bilger ist keiner, der an Stühlen sägt, auch wenn man getrost davon ausgehen darf, dass er sich als geeigneter Kandidat für diesen Posten sieht.Jedenfalls werden ihm viele Probleme bekannt vorkommen, nur drängender als zuvor: der miserable Zustand der Deutschen Bahn, der gigantische Finanzierungsbedarf von Infrastrukturvorhaben, die Langwierigkeit von Bauprojekten. Insofern hat Bilger tatsächlich keine Zeit zu verlieren.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger: Der Ad-hoc-Minister
Steffen Bilger hat als neuer Bundesverkehrsminister nicht nur mit Bahn und Straßen zu tun. Auch die Trockenheit wird zu einem Problem für ihn.









