Es handelt sich um eine der bedeutendsten Kulturlandschaften Nordamerikas: die Lower Pecos Canyonlands im Westen von Texas. In den Felsüberhängen und Höhlen gibt es Hunderte archäologische Funde, darunter bis zu 6000 Jahre alte Felsmalereien. Für Wissenschaftler sind sie herausragende Forschungsstätten, für indigene Mexikaner und Amerikaner Teil ihres kulturellen Erbes. Seit Donald Trump die Grenzanlagen weiter ausbaut, sind auch diese Petroglyphen und Kultstätten gefährdet. Gleichzeitig will der Präsident Schutzvorschriften für Kulturdenkmäler im gesamten Land schwächen.In Texas oder Arizona passiert das bereits über den Hebel des Grenzschutzes, andernorts gestaltet sich die Deregulierung langwieriger. Mehrfach setzte das Heimatschutzministerium für den Ausbau der Grenzanlagen zu Mexiko Umwelt- und Denkmalschutzgesetze außer Kraft, darunter den Clean Water Act, den Archaeological and Historic Preservation Act und den Native American Graves Protection and Repatriation Act. Die neuesten Ausnahmeregelungen gelten für ein Gebiet vom Big Bend National Park bis zum Lake Amistad. Das Ministerium erklärte, dass es in der Gegend viele illegale Grenzübertritte gebe. Lokale Organisationen kritisierten diese Darstellung; das Gebiet sei zu unwirtlich für massenhafte ungeregelte Einwanderung.Mammutprojekt für den GrenzschutzDie 46 Milliarden Dollar teure „smart wall“, die Trump an der Grenze zu Mexiko mit neuester Überwachungstechnologie fertigstellen will, verändert die Landschaft tiefgreifend, auch wenn es nicht überall um eine physische Mauer geht. Ein Unternehmen aus North Dakota erhielt bereits einen Auftrag über 2,6 Milliarden Dollar, um eine etwa 266 Kilometer lange Fahrzeugbarriere zu errichten. Diese soll mitten durch die archäologische Zone Lower Pecos Canyonlands führen, in der die gefährdeten Fundstätten liegen. Laut dem Magazin „Hyperallergic“ könnten insgesamt 425 archäologische Stätten beeinträchtigt werden, darunter 84 mit bedeutenden Petroglyphen.Weil die Gesetze hier nicht mehr gelten, haben Archäologen oder Vertreter indigener Nationen keine institutionalisierten Möglichkeiten der Mitsprache mehr. Und obwohl das Ministerium betont, Kulturgüter schützen zu wollen, ist es schon zu Zwischenfällen gekommen. Erst im April hatte die Grenzschutzbehörde eingeräumt, dass ihre Bauarbeiter in Arizona das etwa tausend Jahre alte Las Playas Intaglio, eine große fischförmige Bodenzeichnung, zum Teil zerstört hatten.Gleichzeitig arbeitet die Regierung in Washington an einer Reform der Vorschriften, die den Schutz von historischen Stätten auch bundesweit neu regeln soll. Grundlage ist bislang der National Historic Preservation Act von 1966. Er verpflichtet Behörden, vor der Genehmigung die Folgen von Projekten für historische Orte zu prüfen und mit Fachleuten und Interessengruppen zu kommunizieren. Das soll Bauvorhaben nicht verhindern. Es führt aber häufig dazu, dass Gutachter die Auswirkungen untersuchen, Projekte verändert oder abgesagt werden. In der Nähe der Whitney Plantation in Louisiana wurde zum Beispiel vorletztes Jahr ein Getreideexportterminal nicht gebaut, weil es zu nah an der historischen Stätte gelegen hätte, die die Geschichte der Sklaverei dokumentiert.Historischer Fund: archäologische Ausgrabung einer der ältesten afroamerikanischen Kirchen der USA in Williamsburg, Virginia.APEin vom Advisory Council on Historic Preservation (ACHP) verabschiedeter Regelentwurf könnte nun die Anwendung des Gesetzes verändern, ohne dass dieses selbst vom Kongress geändert werden müsste. Die neue Verordnung ist noch nicht in Kraft, Trumps Unterstützer in dem Gremium haben sie aber ausgearbeitet und sie liegt zur Prüfung bei der Kontrollbehörde. Die Regierung hätte künftig größere Entscheidungsspielräume, die Mitsprache von Denkmalschutz und Interessengruppen wie indigenen Nationen würde eingeschränkt. Begründet wird dies mit dem Abbau von „red tape“, bürokratischen Hürden.Denkmalschützer warnen davor, dass die Regierung Unternehmen erlauben könnte, etwa Datencenter auf indigenen Grabstätten zu bauen oder an Orten wie dem Chaco Canyon in New Mexico Öl und Gas zu fördern. Auch dort gibt es Tausende archäologische Funde der Navajo, Pueblo und anderer indigener Nationen. Trump geht es aber nicht nur um „Drill, Baby, Drill“, sondern wohl auch um seine Bauvorhaben in Washington, die nach den geltenden Vorschriften geprüft werden müssen.Seit den Sechzigerjahren beruhte der Schutz historischer Stätten auf dem Grundsatz, dass wirtschaftliche Interessen und die kulturelle Bedeutung eines Ortes oder Gebäudes gegeneinander abgewogen werden sollten. Nun verfolgt Trump an der Grenze und im Rest des Landes ein anderes Ziel: Schutzregeln so zu schwächen, dass Wissenschaftler, Bürger und indigene Nationen weniger Mitsprachemöglichkeiten haben sollen.
Trumps Grenzwall bedroht 6000 Jahre alte Felsmalereien
An der Grenze zu Mexiko zerstören Bauarbeiter bereits Jahrtausende alte Kultstätten, weil für die Mauer keine Gesetze gelten. Nun weitet er den Kahlschlag aus: Der Denkmalschutz im ganzen Land soll ausgehebelt werden.










