Pflege in Deutschland wird immer teurer, für Betroffene, für den Staat. Die Pflegeversicherung kämpft mit einem Milliardendefizit. Die Politik kann sich seit Monaten nicht auf eine Reform einigen. Immer mehr Menschen benötigen Pflege, immer weniger können sich um sie kümmern. Das deutsche System steckt in einer tiefen Krise.Wie organisieren andere Staaten die Pflege? Ein Blick in andere Länder zeigt, wovon die deutsche Debatte profitieren könnte – und wo auch anderswo die Grenzen des Machbaren erreicht sind.

Schweden: Pflege ist eine Aufgabe der Gemeinde

In Schweden gibt es keine Pflegeversicherung wie in Deutschland. Zuständig für die Versorgung sind die rund 290 Gemeinden. Sie organisieren die Leistungen und bezahlen sie. Finanziert wird das System zu 95 Prozent aus allgemeinen Steuermitteln und nur zu fünf Prozent aus privaten Quellen.

Mit rund 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Schweden weit mehr für Pflege aus als der EU-Durchschnitt von 1,3 Prozent. Eigenleistungen sind auf einen jährlichen Höchstbetrag gedeckelt, der im EU-Vergleich auf niedrigem Niveau liegt. Dauerhafte häusliche Hilfe kann in vielen Fällen sogar kostenlos in Anspruch genommen werden.

Auch deswegen sind in Schweden die Steuern höher als in Deutschland und Sparzwänge in den Kommunen seit Jahren ein immer wieder diskutiertes Thema.