Es sind Zahlen, die selbst erfahrene Sozialpolitiker kurz verstummen lassen – 3.364 Euro. So hoch liegt inzwischen der bundesdurchschnittliche Eigenanteil, den Bewohner eines Pflegeheims im ersten Jahr ihres Aufenthalts selbst bezahlen müssen. Das jeden Monat. Erneut ein Rekord, wieder mehr als im Vorjahr und zu Jahresbeginn. Für viele Familien bedeutet diese Zahl längst keine abstrakte Statistik mehr, sondern den Moment, in dem Ersparnisse aufgebraucht, Immobilien verkauft oder Kinder finanziell einspringen müssen.

Und Deutschland altert, Mecklenburg-Vorpommern sogar noch ein Stück schneller. Kaum ein anderes Bundesland spürt die Folgen des demografischen Wandels so unmittelbar wie der Nordosten. Rund 445.000 Menschen im Land sind inzwischen 65 Jahre oder älter. Mehr als 85 Prozent der Pflegebedürftigen werden laut Barmer-Pflegereport und Sozialministerium zu Hause versorgt, meist von Angehörigen. Gleichzeitig fehlen Pflegekräfte, steigen die Kosten und geraten die Pflegekassen immer stärker unter Druck.

Die eigentliche Krise spielt sich dabei nicht in den Schlagzeilen ab, sondern am Küchentisch in den eigenen vier Wänden. Dort, wo Ehepartner Formulare ausfüllen. Dort, wo Töchter oder Söhne beschließen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, um den Vater oder die Mutter zu versorgen. Dort, wo Familien überlegen müssen, ob sie sich einen Heimplatz überhaupt leisten können.