Plötzlich wollen prominente Teile von CDU und SPD die abschlagsfreie Rente erhalten. Doch von ihr profitieren nicht die, die es eher nötig hätten.
D ie Debatte um die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren, die inzwischen eine Rente mit 64,5 ist, bekommt eine ungeahnte Dynamik. Den Beginn machten in der vergangenen Woche die fünf ostdeutschen MinisterpräsidentInnen. Ein äußerst seltener Vorgang: Von Schwerins SPD-Regierungschefin Manuela Schwesig bis zu ihrem CDU-Kollegen Michael Kretschmer in Dresden rückten alle fünf vom geplanten Ende der abschlagsfreien Rente ab, was die Rentenkommission im Frühsommer empfahl und die Bundesregierung auch umsetzen will.
Dass Schwesig mit ihrem Hang zum passgenauen Populismus und Opportunismus – als Russlandverbindungen noch okay waren, boxte sie ihre Gas-Stiftung durch, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ließ sie Ukrainefahnen hissen – jetzt damit um die Ecke kommt, war zu erwarten. Im September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Man tritt der Ministerpräsidentin nicht zu nahe mit der Vermutung, dass sie sich für das Thema Rente öffentlich eher weniger interessieren würde, wenn gerade keine Wahlen bevorstünden.
Und natürlich spielte sie die ostdeutsche Karte: In der DDR habe man früher angefangen zu arbeiten, deshalb gebiete es der „Respekt vor der Lebensleistung“, dass die Rente mit 63 erhalten bleibt. Was zu der Frage führt, wie lange eigentlich noch, 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, der Faktor „Ost“ bei sozialpolitischen Themen eine besondere Rolle spielen soll. Diejenigen, die heute in Rente gehen, sind in den frühen sechziger Jahre geboren und haben damit den größten Teil ihres Berufslebens in der Bundesrepublik zugebracht.












