SZ-Magazin Herr Drucker, seit der Antibabypille ist kein Medikament mehr derart eingeschlagen wie Ozempic oder Wegovy. Jeden Monat geben Millionen Menschen das Wort »Abnehmspritze« in die Internet-Suchanfragen ein. Hatten Sie die leiseste Ahnung davon, wie groß Ihre Entdeckung war, als Sie 1984 ein Hormon namens GLP-1 im Labor identifizierten?Daniel J. Drucker: Überhaupt nicht. Wir wollten die Produktion von Insulin im Körper näher untersuchen, weil wir hofften, es könnte bei der Behandlung von Diabetes 2 hilfreich sein. Aber eigentlich interessierte sich niemand sonderlich dafür, weil es ja bereits Medikamente für diesen Typ Diabetes gab. Auch ein paar Jahre später, als sich allmählich andeutete, dass es hier zusätzlich um Gewichtsverlust gehen könnte, hat sich kein Journalist bei mir gemeldet. Nicht einmal 2014, als das erste Medikament dafür zugelassen wurde. Jeder lügt, der heute behauptet, früh geahnt zu haben, wie bedeutsam GLP-1 einmal sein würde.
Abnehmen: »Man kann nicht einfach sagen: Lasst uns alle Ozempic nehmen!«
Die Forschung des Endokrinologen Daniel J. Drucker führte zur Entwicklung der Abnehmspritze. Im Interview spricht er darüber, warum ihn der Erfolg des Medikaments nicht reich gemacht hat – und wieso er noch immer das Darmhormon untersucht, mit dem alles begann.








