Der Preisdruck im Markt um Abnehmmittel bleibt hoch. Niemand weiß das besser als Mike Doustdar, Chef des dänischen Pharmaunternehmens Novo Nordisk. Auf dem amerikanischen Markt kosten die Abnehmspritzen Wegovy und Ozempic für Selbstzahler inzwischen monatlich zwischen 199 und 399 US-Dollar – abhängig von ihrer Dosierung. Auch die seit Anfang des Jahres in den USA zugelassene Abnehmpille Wegovy ist ab einem Preis von 149 US-Dollar erhältlich. Da der amerikanische Präsident Donald Trump die Preise für Abnehmmedikamente für Selbstzahler senken will, haben sich Hersteller wie Novo Nordisk und Eli Lilly bereit erklärt, diese günstiger anzubieten. Während zuvor Preise weit über der Grenze von 1000 US-Dollar verlangt wurden, dämpft Trumps Politik die nun erzielten Umsätze erheblich.Trotzdem will Doustdar sein Versprechen, bei geringeren Umsätzen in den USA die Verkäufe insgesamt zu steigern, erreicht haben. So ist der bereinigte Nettoumsatz im zweiten Quartal um sechs Prozent auf rund 78,5 Milliarden Dänische Kronen (rund 10,5 Milliarden Euro) gestiegen. Davon entfallen rund 3,2 Milliarden Kronen auf die Wegovy-Pille. Während das US-Geschäft nur um vier Prozent zulegte, ist das internationale Geschäft um zehn Prozent gewachsen. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Novo Nordisk damit einen bereinigten Gesamterlös von rund 148,5 Milliarden Dänische Kronen (rund 20 Milliarden Euro). Vor diesem Hintergrund hat das Pharmaunternehmen seinen Ausblick für das Jahr 2026 angehoben: Erwartet wird nun ein bereinigtes Umsatz- und Gewinnwachstum zwischen null und minus sechs Prozent. Zuvor hatte Novo ein Minus zwischen vier und zwölf Prozent vorausgesagt.Das Unternehmen arbeite daran, das Geschäft zu stabilisieren und Investorenvertrauen zurückzugewinnen, sagte Fondsmanager Markus Manns von Union Investment, die in Novo Nordisk investiert. Zwar rechne Novo Nordisk noch immer mit einem leichten Umsatzrückgang für das Gesamtjahr. „Die Quartalszahlen haben allerdings bestätigt, dass die Zeit der regelmäßigen Gewinnwarnungen vorbei ist“, so Manns. Weniger positiv äußerten sich etwa Analysten der Schweizer Großbank UBS. Zwar habe Novo Nordisk die Prognose angehoben. Doch resultierte das mehr aus Sondereffekten wie dem Umstand, dass die Rabatte auf Diabetesmitteln in den USA geringer ausfielen als zuvor eingepreist. An der Börse fiel der Aktienkurs am Mittwoch um fünf Prozent auf rund 292 Dänische Kronen.Für Novo Nordisk kommt es nun darauf an, den Vorsprung, den das Unternehmen gegenüber dem Rivalen Eli Lilly noch bei der Abnehmpille hat, schnell auszubauen. Lilly hat am Mittwoch ebenfalls seine Prognose für 2026 angehoben und erwartet nun einen Umsatz bis zu 87 Milliarden US-Dollar. Das Konkurrenzprodukt Foundayo ist seit April 2026 auf dem US-Markt zugelassen, während die Wegovy-Pille bereits seit Januar an amerikanische Patienten ausgegeben wird. Laut Geschäftsführer Doustdar verzeichnet die Tablette auch sechs Monate nach der Markteinführung in den USA „weiterhin eine erfreuliche Nutzung“.Gemessen am Volumen, sei das Medikament der beste Start, den ein Produkt auf Basis des Hormons GLP-1 bisher in den Vereinigten Staaten hingelegt habe. Insgesamt sei die Wegovy-Pille inzwischen mehr als fünf Millionen Mal verschrieben worden. Im Vergleich zum Präparat Foundayo, das auf dem Wirkstoff Orforglipron basiert, zeigt die Wegovy-Pille auf Basis des Wirkstoffs Semaglutid in klinischen Studien eine stärkere Gewichtsabnahme von bis zu 14 Prozent des Körpergewichts. Das Lilly-Produkt schafft im Durchschnitt eine Reduktion von rund elf Prozent nach 72 Wochen. Allerdings sind dessen Abnehmspritzen Mounjaro und Zepbound in ihrer Wirksamkeit weiterhin unangefochten.Wegovy-Pille: 300.000 englische Patienten nach drei WochenDass die EU-Kommission der Wegovy-Pille Mitte Juni grünes Licht erteilt hat, ist für das dänische Unternehmen ein wichtiger Erfolg. Wegweisend dafür, wie der europäische Markt das Abnehmpräparat annehmen wird, könnte dabei das Beispiel Großbritannien sein. Dort hat Novo Nordisk vor rund drei Wochen seine Tablette eingeführt. Nach Schätzung des Unternehmens haben seitdem rund 300.000 englische Patienten mit der Einnahme der Wegogy-Pille begonnen.Fondsmanager Markus Manns gibt jedoch zu bedenken, dass Eli Lilly ab diesem Quartal für ihre Abnehmtablette Foundayo deutlich mehr werben will. „Investoren werden daher stark darauf schauen, inwieweit Novo Nordisk als derzeitiger Marktführer bei Übergewichtstabletten seinen Marktanteil verteidigen kann.“ Er zeigt sich leicht enttäuscht, dass die Erwartungen bei der Wegovy-Pille „nach einem phänomenalen Launch Anfang dieses Jahres“ im zweiten Quartal nicht mehr übertroffen werden konnten.Doustdar kündigte an, dass sie die Tablette als Nächstes in Deutschland auf den Markt bringen wollen – schon im September. Dort haben sich die Bedingungen für Pharmaunternehmen jüngst verschlechtert, da die Bundesregierung im Zuge der Krankenkassenreform höhere Herstellerabschläge eingeführt hat. Gleichzeitig will Trump künftig die Arzneimittel in den USA den günstigeren europäischen Preisen angleichen, was zusätzlich negative Effekte bringen könnte. „Wir sind uns der Regeln natürlich sehr wohl bewusst“, sagte Doustdar. Schon jetzt habe man in den USA die Preise für die Pille anpassen müssen. „Und dafür zahlen wir in unserer diesjährigen Bilanz.“Doch bringt Trumps Preispolitik nicht nur Nachteile. Seit Juli erhalten Patienten, die 65 Jahre oder älter sind und über das staatliche System Medicare versichert sind, für ausgewählte GLP-1-Medikamente eine feste monatliche Zuzahlung von 50 Dollar. Das Programm läuft zunächst 18 Monate. Doustdar zeigte sich erfreut. „Auch wenn es noch früh ist, sind wir von der starken Teilnahme an dem Programm ermutigt.“ Laut Fondsmanager Manns hofften Investoren, dass das US-Programm den Übergewichtsmarkt weiter beschleunigen wird.Abseits der Produkte Wegovy und Ozempic kommt Novo Nordisk mit der Entwicklung neuer Abnehmmedikamente, wie zum Beispiel dem Nachfolgekandidaten Cagrisema, der Semaglutid mit einer Amylin-Komponente kombiniert, nur schleppend voran. Ein anderes Beispiel ist der Wirkstoff Ziltivekimab, der bei chronisch Erkrankten das Risiko für schwere Notfälle des Herz-Kreislauf-Systems reduzieren soll. Die Phase-III-Studie Zeus scheiterte jüngst. „Aber das gehört nun einmal zum Wesen dieser Branche dazu“, sagt er. „Wer Rückschläge und Misserfolge nicht mag, sollte nicht in die Pharmabranche einsteigen.“ An der Strategie würde das nichts ändern. Im zweiten Quartal habe Novo Nordisk mehr als 26 Milliarden Dänische Kronen in Forschung und Entwicklung investiert.
Novo Nordisk: Wegovy-Pille kommt im September nach Deutschland
Das dänische Unternehmen spricht von einer „erfreulichen Nutzung“ seiner Abnehmpille Wegovy in den USA. Nun soll das Medikament auch den europäischen Markt erobern. Aber Konkurrent Eli Lilly ist dicht auf den Fersen.







