PfadnavigationHomeWissenschaftAbnehmenWarum Ozempic bei jedem Zehnten kaum anschlägtStand: 07:33 UhrLesedauer: 3 MinutenAdipositas betrifft weltweit Millionen MenschenQuelle: Getty Images/Iuliia BurmistrovaWährend manche mit Ozempic schnell Erfolge erzielen, profitieren andere deutlich weniger. Forscher der Stanford University haben eine Ursache dafür gefunden – die nichts mit Ernährung oder Disziplin zu tun hat.Für viele Menschen ist Ozempic ein Erfolg. Die Blutzuckerwerte sinken, das Gewicht geht zurück, die Therapie schlägt an. Andere profitieren deutlich weniger von dem Medikament. Forscher haben nun einen Grund dafür gefunden: Bei einigen Menschen reagiert der Körper offenbar schlechter auf das Hormon, das die Arznei nachahmt.Ein internationales Forschungsteam um Wissenschaftler der Stanford University hat genetische Varianten identifiziert, die die Wirkung sogenannter GLP-1-Medikamente abschwächen könnten. Zu dieser Medikamentengruppe gehören unter anderem Ozempic und Wegovy. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Genome Medicine“ veröffentlicht.Im Mittelpunkt der Studie steht ein Enzym namens PAM. Es hilft dem Körper dabei, verschiedene Hormone zu aktivieren – darunter auch GLP-1. Dieses Darmhormon spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutzuckers. Es fördert die Ausschüttung von Insulin, bremst die Magenentleerung und beeinflusst das Sättigungsgefühl.Lesen Sie auchDie Forscher untersuchten zwei genetische Varianten, die die Aktivität des Enzyms verringern. Schätzungsweise jeder zehnte Mensch trägt mindestens eine dieser Veränderungen in seinem Erbgut. Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Varianten mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden sind.Für die aktuelle Studie analysierte das Team Daten aus mehreren klinischen Untersuchungen mit insgesamt mehr als 1100 Menschen mit Diabetes. Dabei zeigte sich, dass Träger der Varianten auf GLP-1-Medikamente schlechter ansprachen als Menschen ohne die genetischen Veränderungen. Ihre Langzeitblutzuckerwerte verbesserten sich weniger stark.Lesen Sie auchBesonders deutlich war der Unterschied bei einer der Varianten. Nach sechs Monaten Therapie erreichten rund 25 Prozent der Menschen ohne die Veränderung die empfohlenen Blutzuckerziele. Bei Trägern der Variante waren es nur etwa 12 Prozent. „In einigen der Studien haben wir gesehen, dass Menschen mit diesen Varianten ihren Blutzucker nach sechs Monaten Behandlung nicht so effektiv senken konnten“, sagt Studienautorin Anna Gloyn von der Stanford University.Lesen Sie auchÜberraschend war dabei ein anderer Befund. Die Forscher hatten zunächst vermutet, dass Betroffene zu wenig GLP-1 produzieren. Das Gegenteil war der Fall. Menschen mit den Genvarianten wiesen sogar höhere GLP-1-Spiegel auf als andere Teilnehmer. „Was wir tatsächlich gesehen haben, war das Gegenteil von dem, was wir erwartet hatten“, sagt Gloyn. „Sie hatten höhere GLP-1-Spiegel.“Trotzdem zeigte das Hormon bei ihnen offenbar eine geringere Wirkung. Die Wissenschaftler sprechen deshalb von einer möglichen „GLP-1-Resistenz“. Ähnlich wie bei einer Insulinresistenz scheint der Körper weniger empfindlich auf das Signal zu reagieren. „Trotz der höheren GLP-1-Spiegel fanden wir keinen Hinweis auf eine stärkere biologische Wirkung“, sagt Gloyn. „Mehr GLP-1 war nötig, um denselben biologischen Effekt zu erzielen.“Warum das so ist, können die Forscher bislang nicht genau erklären. Experimente mit Mäusen deuten darauf hin, dass das Problem nicht am GLP-1-Rezeptor selbst liegt. Die Ursache könnte vielmehr in nachgeschalteten Signalwegen verborgen sein.Niemand sollte aufgrund der Ergebnisse seine Medikamente absetzen oder wechseln. Die Studie könnte jedoch helfen zu verstehen, warum manche Menschen deutlich besser auf GLP-1-Medikamente ansprechen als andere.„Wenn ich Patienten in der Diabetes-Sprechstunde behandle, sehe ich enorme Unterschiede darin, wie Menschen auf diese Medikamente ansprechen“, sagt Erstautor Mahesh Umapathysivam von der Universität Adelaide. „Dies ist ein erster Schritt, um genetische Informationen künftig für Therapieentscheidungen zu nutzen.“Langfristig könnte daraus ein Schritt hin zur personalisierten Diabetesmedizin werden. Denkbar wäre, dass Ärzte eines Tages mithilfe genetischer Tests vorhersagen können, welche Therapie für einen Patienten besonders gut geeignet ist. Noch ist es dafür zu früh. Die Ergebnisse zeigen zunächst einen Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten und der Wirkung der Medikamente.Sie liefern aber eine mögliche Erklärung für ein Rätsel, das viele Ärzte aus dem Alltag kennen: Warum dieselbe Spritze bei manchen Menschen sehr gut wirkt – und bei anderen deutlich weniger.lkl