Wie unterschiedlich Köchinnen und Köche doch sind, wird mir immer wieder beim Essen klar. Ich behaupte jetzt mal: Ihr Charakter prägt auch ihre Teller. Es gibt die Lauten und die Leisen, die Wechselhaften und die Beständigen, die Durchdenker und die Intuitiven, die Nerds und die Lässigen. Gerade wenn es Richtung Sterneküche geht, schlagen diese Eigenschaften besonders deutlich durch, dachte ich mir, als ich kürzlich auf das Menü im Facil eingeladen wurde.

Intellektueller Anspruch über jeden Gang

Das Facil gehört zum The Mandala Hotel, Berlins einzigem privat geführten Fünf-Sterne-Hotel. Alle anderen Luxushäuser wurden längst von Ketten oder Konzernen einverleibt. Oben im fünften Stock dieses unabhängigen Hauses, mit Blick auf die Glas-Stahl-Architektur des Potsdamer Platzes, befindet sich das Facil, eines von Berlins vier Zwei-Sterne-Restaurants.

Im Coda, dem zweifach besternten Dessert Dining, sind präzise Nerds am Werk. Tim Raues Teller sind beständig laut und lässig. Im Horváth wiederum herrscht Sebastian Frank mit seinem intellektuellen Anspruch über jeden Gang. Und hier oben im Facil – ja, was eigentlich? Hier ist es die Handschrift von Michael Kempf und seinem Küchenchef Joachim Gerner, die die Küche prägt.