Der abgelehnte Asylbewerber Farhad N. rast in eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi, ermordet eine Mutter und ihr Kind. Auch im Gefängnis ist er auffällig, zum Prozess erscheint er in Fussfesseln.06.08.2026, 12.22 Uhr3 LeseminutenDas Tatfahrzeug am 13. Februar 2025 in München.ImagoEinen Tag vor der Münchner Sicherheitskonferenz und wenige Tage vor der Wahl zum deutschen Parlament im Jahr 2025 verübte der Afghane Farhad N. in München einen Anschlag, der offenbar islamistisch motiviert war. Mit seinem Kleinwagen fuhr er in eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi. Er tötete dabei eine aus Algerien stammende Frau und ihre kleine Tochter, ausserdem verletzte er Dutzende Menschen, einige von ihnen schwer.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Oberlandesgericht München hat den 25-Jährigen am Donnerstag zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Damit ist eine mögliche Freilassung auf Bewährung nach 15 Jahren Haft unwahrscheinlich. Das Gericht folgt somit der Forderung der Bundesanwaltschaft. Die Verteidigung hatte versucht, eine seelische Störung des Täters geltend zu machen und eine geringere Strafe gefordert. Ein Gutachter attestierte eine mittelgradige Persönlichkeitsstörung.Im Jahr 2016 illegal eingereistVor Gericht zeigte der Täter keine Reue, stattdessen zeigte er den erhobenen rechten Zeigefinger. Eine Geste, die auch bei Islamisten beliebt ist. Im Gefängnis soll er laut der «Süddeutschen Zeitung» Randale gemacht und Mitarbeiter der Haftanstalt mit dem Tode bedroht haben. Nach diesem Vorfall musste er bei den Gerichtsverhandlungen Fussfesseln tragen.Am Vormittag des 13. Februar 2025 hatte sich der Täter mit seinem Kleinwagen der Verdi-Demonstration von hinten genähert. Wenig später fuhr er in den Demonstrationszug. Polizisten konnten ihn am Tatort festnehmen. Kurz nach der Tat soll er «Allahu Akbar» gerufen und gebetet haben. Laut eigener Aussage verübte er die Tat «wegen Allah».Farhad N. kam im Jahr 2016 nach Deutschland. Im Jahr 2020 wurde sein Asylantrag abgelehnt. Er hatte behauptet, er sei in Afghanistan von einer mörderischen Bande verfolgt worden. Das Verwaltungsgericht München glaubte ihm nicht. Abgeschoben wurde er aber nicht, sondern erhielt eine Duldung, später dann eine Aufenthaltserlaubnis. Dass er nicht ausgeschafft wurde, hatte offenbar auch damit zu tun, dass Deutschland die Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt hatte, schreibt der «Spiegel». Die damalige deutsche Regierung begründete diesen Schritt mit der Machtübernahme der islamistischen Taliban.Gewerkschaft stützt WillkommenskulturLaut Medienberichten arbeitete Farhad N. als Ladendetektiv und war im Netzwerk Instagram aktiv, wo er Beiträge zum Thema Fitness publizierte. Offenbar war er stark dem islamischen Glauben zugewandt. Im Internet bekundete er Sympathien für islamistische Ideologen.Die Angehörigen seiner Opfer liessen in einem Statement nach der Tat ausrichten, dass der Anschlag nicht politisch instrumentalisiert werden solle. Die Opfer standen der Gewerkschaft Verdi nah, die sich stets für die Aufnahme von Asylbewerbern eingesetzt hat. Ausschaffungen sieht die Gewerkschaft kritisch. Kürzlich setzte sie sich gegen ein Abschiebeterminal ein, das am Flughafen München gebaut wird.Die zeitliche Nähe des Anschlags zur Münchner Sicherheitskonferenz und der Parlamentswahl in Deutschland ist auffällig. Damals stand der Verdacht im Raum, dass ausländische Geheimdienste den Attentäter angestachelt hätten. Dafür gibt es keine belastbaren Hinweise. Fakt ist aber, dass Deutschland relativ kurz vor der Wahl von mehreren Attentätern heimgesucht wurde.Im Dezember 2024 raste ein Mann aus Saudiarabien mit einem Mietwagen über den Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Er ermordete sechs Menschen und verletzte etwa 300 Besucher des Markts. Im Januar 2025 attackierte ein Afghane in Aschaffenburg eine Kindergruppe mit einem Messer. Er erstach einen Buben und einen Mann, der helfen wollte.Die Stadt München war mehrmals Schauplatz von Anschlägen. Im Jahr 2016 tötete dort ein iranischstämmiger Deutscher neun Menschen in einem Einkaufszentrum. Im Jahr 2024 erschoss die Polizei einen Mann, der sich mit einem Gewehr dem israelischen Generalkonsulat genähert und das Feuer auf die Beamten eröffnet hatte.Die Anschlagsgefahr in Deutschland bleibt weiter hoch, wie auch das Attentat auf den Christopher Street Day vor wenigen Tagen in Berlin zeigt.Passend zum Artikel