Um die Sorgen in der Kulturszene vor einschneidenden Einsparungen zu befördern, benötigt es derzeit keine besonders hohen Summen: 60 000 Euro werden vom Kulturreferat bei der Tanz- und Theaterförderung für 2027 erst einmal zurückgehalten. Diese Zahl wurde der SZ noch vor der Sommerpause bekannt und vom Kulturreferat bestätigt. Das sind ungefähr sieben Prozent der Gelder, die für diesen Bereich zur Verfügung stehen. Angesichts eines gut neuneinhalb Milliarden Euro umfassenden Gesamthaushalts der Stadt München erscheint diese Summe eher winzig. Für die Künstlerinnen und Künstler der Freien Szene ist es indes viel Geld, ohne Förderung werden manchen Produktionen schlichtweg nicht entstehen, teils hängen Existenzen daran.Die Freie Szene galt schon unter Kulturreferent Anton Biebl als der Bereich, der möglichst von Einsparungen nicht getroffen werden sollte. Sein Nachfolger Marek Wiechers hat diesen Kurs fortgesetzt und dieser Absicht auch jüngst auf dem Kulturempfang des Oberbürgermeisters noch einmal Ausdruck verliehen. Doch wieso taucht eine solche Zahl dann auf?Konzert auf den Münchner Königsplatz:Nick Cave kommt nach MünchenNick Cave feiert bei seinen Konzerten die Kraft der Gemeinschaft, nachzuhören auf einem aktuellen Live-Album. Am 23. August spielt er auf dem Münchner Königsplatz.Und damit nicht genug: Im Eckdatenbeschluss zum Haushalt 2027, dem der Stadtrat vergangene Woche zugestimmt hat, findet sich die weitaus größere Summe von 17 Millionen Euro als „Reduktion der städtischen Förderung von Kunst und Kultur“. Sie ist nicht gesetzt, sondern erst einmal nur verbunden mit einem Prüfauftrag an das Kulturreferat, der bis Mai 2027 abgeschlossen sein soll. Aber dieser Betrag steht jetzt einmal da, in einem öffentlichen Dokument.Diese Zahlen einzuordnen, dazu ist Kulturreferent Wiechers sofort bereit. In einem Gespräch nimmt er sich Zeit, um einerseits die Ausgangslage zu erklären und andererseits zu verdeutlichen, dass er sich für sein Ressort einsetzen werde. Ändern möchte er, hier wird er explizit, dass sich die Kultur überproportional an den Einsparungen beteiligt.Die Ausgangslage ist unverändert – die Stadt muss sparenDie Ausgangslage ist dabei im Vergleich zu den Vorjahren unverändert, die Stadt München muss sparen. Aktuell fehlen für den Haushaltsplan 2027 noch 41 Millionen Euro, damit dieser überhaupt genehmigungsfähig ist. Es ist ein zähes Ringen, wie vergangene Woche beim Stadtratsbeschluss für die Eckdaten des Haushaltsplans offensichtlich wurde.Vor diesem Hintergrund betont Wiechers, dass er die Notwendigkeit respektiere und anerkenne, sich an den Konsolidierungsmaßnahmen zu beteiligen. „Wir müssen ja liefern“, sagt er. Als Verantwortlicher müsse er sich vorbereiten. Die Abteilungen wurden demnach angehalten, nach Einsparpotenzialen zu suchen.Hier kommt nun auch der Fördertopf für die Tanz- und Theaterprojekte ins Spiel. „Ich kann jetzt keine Mittel abschließend binden für eine Förderung im nächsten Jahr und mich dann in die Schwierigkeit bringen, dass ich eigentlich 2027 einen geforderten Einsparbetrag nicht leisten kann, weil das Geld bereits verausgabt ist“, erklärt Wiechers. Es sei ein „Grund der Vorsorge“, die 60 000 Euro erst einmal zurückzuhalten. Das will der Kulturreferent aber nicht als veränderte Zielsetzung seines Ressorts verstanden wissen.„Ich kann heute noch nicht genau sagen, wie hoch tatsächlich die erforderliche Einsparsumme im Kulturreferat 2027 sein wird, und ob wir das erreichen, was wir in den vergangenen Jahren immer versucht und weitestgehend geschafft haben. Nämlich, den Zuschussbereich in der Gesamtheit möglichst wenig bis gar nicht zu belasten.“ Er fügt aber hinzu, dass er den bisherigen Weg möglichst aufrechterhalten wolle. „Ich habe da auch große Fürsprache und Verständnis aufseiten der Politik.“ Und er erklärt: Solle der Zuschussbereich freigehalten werden können, dann „ist das Budget ja da“, sagt er. „Und dann würden wir es selbstverständlich in weitere Projekte geben.“Die politische Unterstützung, die er dafür braucht, ist das eine: „Es braucht ein Grundbekenntnis, eine Grundentscheidung dazu, dass ich einen Theaterbetrieb, eine Kulturinstitution XY in der grundsätzlichen Ausrichtung, in der grundsätzlichen Relevanz so weiterführen möchte“ sagt Wiechers. „Die ist auf meiner Seite natürlich vorhanden.“ Aber auch seitens der Stadtpolitik spüre er „eine große Unterstützung“.Das andere ist, dass der Kulturreferent weitere Hebel betätigen möchte. Er habe „die Hoffnung, dass wir von der Grundsystematik etwas verändern“, sagt er. Da wäre etwa die Berechnungsgrundlage. Hier sieht Wiechers eine Ungleichbehandlung mancher Kulturinstitutionen wie beispielsweise der Kammerspiele. Ein Großteil des Betriebskostenzuschusses sind hier Personalkosten. Das heißt, die Personalkosten werden anders als bei anderen Institutionen oder Bereichen als Sachleistungen gewertet – und fließen damit in die prozentualen Berechnungen für die Einsparsumme ein.„Das ist ein Umstand, den ich ändern will.“Sprich: Sieben Prozent von Personalkosten plus Sachkosten einzusparen ist erheblich mehr, als sieben Prozent von lediglich den Sachkosten. Diese Ungleichbehandlung, die auch an anderen Stellen existiert, möchte Marek Wiechers ändern – was unmittelbar die Gesamtsumme der Einsparung erheblich reduzieren würde.Ebenso betont er, dass der Anteil des Kulturreferats an der Konsolidierung hoch ist. „Wir haben in den vergangenen Jahren jeweils zwischen sieben und acht Prozent der stadtweiten Einsparsumme erbracht, das sind in Summe seit 2020 an die 100 Millionen Euro“, rechnet er vor. „Der Anteil der Kultur am städtischen Gesamthaushalt liegt bei drei Prozent. Das heißt, dass wir einen Anteil an der städtischen Gesamteinsparsumme in dieser Größenordnung jeweils geschultert haben, ist eine Beteiligung an den Notwendigkeiten über Proporz.“ Diese Diskussion ist nicht neu, Wiechers führt sie fort: „Das ist ein Umstand, den ich ändern will.“Was die 17 Millionen Euro aus dem Eckdatenbeschluss betrifft – eine Einsparsumme, die aus dem Gutachten der Beratungsfirma PD stammt –, zeigt sich der Kulturreferent im Gespräch unbeeindruckt. „Den Zuschussbereich im Kulturreferat als eine rein freiwillige disponible Leistung einer Kommune zu bewerten, die deshalb wegfallen könnte, ist tatsächlich holzschnittartig und an den gesellschaftspolitischen Realitäten nicht gespiegelt. Und so ordne ich den grundsätzlich auch ein“, sagt er. „Trotzdem werde ich selbstverständlich diesem politischen und tatsächlichen Wunsch nachkommen, dass wir uns noch mal dezidierter Gedanken machen bis zum nächsten Frühsommer, welche Synergien möglicherweise denkbar wären.“Wobei Wiechers nicht annimmt, dass dadurch ein höherer einstelliger oder gar zweistelliger Millionenbetrag erreicht werden kann. Einsparungen indes wird es geben. Wie hoch sie ausfallen und an welcher Stelle, ist noch bis zum Haushaltsbeschluss für 2027 im Dezember offen.
Was bedeuten die ersten Einschnitte im Münchner Kulturetat 2027
Erste Zahlen sorgen in der Freien Szene für Beunruhigung. Kulturreferent Marek Wiechers spricht von einem „Grund der Vorsorge“. Er möchte ändern, dass sich sein Ressort überproportional an den Einsparungen beteiligt.






