Hinter der HeadlineDie Zulieferer der Rechenzentren sprechen vom ungebrochenen Ansturm auf ihre Produkte. Grösster Gewinner an der Börse waren zuletzt jedoch ausgerechnet die bisherigen KI-Verlierer der Softwarebranche. Der Grund liegt in der Mechanik des Finanzmarkts.Die Kernaussage von Infineon-CEO Jochen Hanebeck spricht für einen anhaltenden KI-Boom an der Börse. «Der Aufschwung ist in vollem Gang», sagte Hanebeck bei der Vorstellung des Berichts zum dritten Quartal am Mittwochmorgen. «Der massive Bau von KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage nach Chips.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Fertigung elektrischer Generatoren bei Siemens Energy in Mühlheim.ZVGKeine Spur von einem Nachlassen der atemberaubenden Investitionen der US-Tech-Konzerne also. Aktienanleger setzen seit Jahren so stark auf dieses Thema wie auf kein anderes, obwohl sich andererseits bereits Risse im finanziellen Fundament für die KI-Investitionen zeigen.«Wir haben mehr Kundennachfrage, als wir beliefern können», sagt der Infineon-CEO zu den KI-Rechenzentren. Die Umsatzprognose für dieses Geschäft hob er von 1,5 Mrd. auf 1,6 Mrd. € an. Für 2027 werde der Wert deutlich über der bisherigen Prognose von 2,5 Mrd. € liegen. Konkretes dazu will er im November verkünden.Im dritten Quartal erzielte Infineon einen Umsatz von 4,2 Mrd. €. Das Segmentergebnis von 797 Mio. € enttäuschte die Erwartung der bei Bloomberg erfassten Analysten von 807 Mio. €. Die Segmentergebnis-Marge von 19,1% unterschritt die Erwartung von 19,5%, wofür Finanzchef Sven Schneider Belastungen bei Autochips als Grund nannte. Aufgrund der verfehlten Erwartung fiel der Infineon-Aktienkurs am Mittwochmorgen um 4%.Der KI-Investitionsboom stützt jedoch weiter. Schneider verwandte sogar einen Superlativ mit Bezug auf die Nachfrage nach Chips für Rechenzentren: «Wir haben hier den grössten Wachstumstreiber der Unternehmensgeschichte», sagte er. The Market sieht Infineon insbesondere nach dem Kursrückgang seit Anfang Juni als chancenreiches Investment für risikoaffine Anleger, die mit den starken Kursschwankungen der Chipwerte umgehen können.Siemens Energy: «Wir investieren wie irre»Vom anhaltenden KI-Boom profitiert auch Siemens Energy. Der Dax-Konzern verzeichnete einen starken Zuwachs beim Auftragseingang, vor allem aufgrund der Rekordaufträge bei Gasturbinen. Diese Technologie wird gerade in den USA auch zur Stromversorgung von Rechenzentren eingesetzt. 20% des Auftragseingangs bei Gasturbinen stammten zuletzt von Rechenzentren-Betreibern, sagte CEO Christian Bruch bei der Telefonkonferenz zum dritten Quartal: «Rechenzentren sind ein wichtiges Segment. Wir glauben auch, dass es so bleibt.» Auch Transformatoren des Konzerns werden in Rechenzentren eingesetzt.Siemens Energy erzielte im dritten Quartal 11,4 Mrd. € Umsatz. Das Ergebnis vor Sondereffekten hat sich mehr als verdreifacht auf 1,6 Mrd. € und lag deutlich über der Analystenerwartung von 1,4 Mrd. €. Die Sparte Gas Services trug 645 Mio. € zum Ergebnis vor Sondereffekten bei und überflügelte die Analystenerwartung von 579 Mio. €.Die Sparten Gas Services und Stromnetze profitieren beide von der Elektrifizierung der Wirtschaft und dem Wandel zur Elektromobilität. Daher erwägt das Management, die dritte Sparte Transformation of Industry abzuspalten. Die von der Elektrifizierung angetriebenen Bereiche und der Industriebereich würden um Kapital konkurrieren, sagt CEO Bruch. «Wir investieren wie irre, um weiter zu wachsen», fügte er hinzu. «Wenn wir sehen, dass wir nicht alle Bereiche gleich bedienen können, müssen wir etwas machen.» Derzeit liefen darüber Gespräche mit Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern. Zum Zeitplan sagte Bruch nichts konkretes.Die noch im Turnaround befindliche Windturbinensparte Siemens Gamesa erzielte 75 Mio. € Ergebnis vor Sondereffekten, nach 438 Mio. € Verlust im Vorjahreszeitraum. «Da ist noch viel Arbeit vor uns, um das Geschäft zu einem nachhaltigen Erfolg zu machen», sagt Bruch. Eine europäische Konsolidierung der Windturbinenhersteller sieht er zumindest kurzfristig nicht: «Soweit sind wir noch nicht.» The Market hält Siemens Energy weiterhin für attraktiv.Der Gewinner an der Börse heisst zuletzt: SoftwareAngesichts der ungebremsten KI-Investitionen wäre zu erwarten, dass vermeintliche Verlierer des Trends weiter unter Druck stehen. Doch dem ist nicht so. Seit Mitte Juli gehören die Softwareaktien SAP und Atoss Software zu den fünf grössten Kursgewinnern im 105 Mitglieder umfassenden HDax-Index. Beide legten rund 20% zu. Ebenso stark liefen der IT-Dienstleister Bechtle nach seiner Prognoseanhebung und der Rüstungskonzern Rheinmetall. Mehr als 30% Kursplus schaffte der Hersteller von Sicherheits- und Medizintechnik Drägerwerk.SAP, Atoss Software und der DaxMonatelang hatten Softwaretitel an der Börse zuvor an Wert verloren, weil viele Anleger fürchten, dass KI-Anwendungen die Standardprogramme zumindest teilweise überflüssig machen könnten. Trotz der jüngsten, leichten Kurserholung ist diese KI-Angst noch nicht aus dem Markt verschwunden, zeigen Daten der Deutschen Bank.Das Team um Aktienstrategie-Chef Maximilian Uleer und den für europäische Softwaretitel zuständigen Analysten Johannes Schaller rät nun nicht mehr dazu, europäische Softwareaktien überzugewichten. Diese Trading-Empfehlung hatte das Team im März ausgegeben, als die Short-Positionen auf den Sektor einen Höchststand erreicht hatten. «Seitdem sind die Short-Positionen wieder auf ein normales Niveau gesunken», konstatieren die Strategen.Softwareaktien: Der Druck der Shortseller lässt nachShortpositionen in % des Börsenwerts, Stand: 31. 7. 2026Deutsche Bank Research, Bloomberg«Der nächste Schritt aufwärts müsste durch langfristige Anleger kommen», urteilen die Deutsche-Bank-Strategen. Doch die Grossinvestoren halten sich offenbar weiter zurück.Der Tech-Investor Stefan Waldhauser stellt immerhin einen Wandel in den Narrativen über Softwareunternehmen fest. Unter KI-Experten und Anlegern habe das englische Schlagwort «Harness» Einzug gehalten, das wörtlich das Geschirr bezeichnet, mit dem Pferde vor eine Kutsche gespannt werden. Software könnte demnach genau die Verbindung sein, die Unternehmen benötigen, um künstliche Intelligenz vor ihren Karren zu spannen.Aus Sicht von The Market hat SAP gute Chancen, in der KI-Ära zu bestehen und Kunden die Nutzung von KI-Anwendungen zu ermöglichen. Für langfristig orientierte Anleger, die mit erneuten Kursrückschlägen leben können, ist die Aktie daher attraktiv. Und falls sich herausstellen sollte, dass das Tempo der KI-Investitionen doch zu hoch war, wären die Softwareaktien vom folgenden Kursrutsch vermutlich weniger stark betroffen als die grossen KI-Profiteure.