In ihrem Spielfilm „Everytime“ erzählt Sandra Wollner von Verlust. Dabei arbeitet sie formal präzise mit vielen Auslassungen, Leerstellen und Überraschungen.

Es braucht nur eine Unachtsamkeit, einen falschen Schritt, und das Leben ist vorbei. Ein freier Fall in den Abgrund im warmen Licht der Morgendämmerung. Jessi (Carla Hüttermann) und ihr Freund Lux (Tristán López) wollten die Nacht nach einem Rave nicht enden lassen. Eine gemeinsame Afterhour auf einem Dach, irgendwo in Berlin. Die Stadt erwacht erst langsam. Drogen sind im Spiel, eine ausgelassene Verliebtheit, Handyfotos werden gemacht.

Wenige Stunden später sollte Jessi mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester nach Teneriffa in den Urlaub fliegen. Ihr Tod passiert still und beiläufig. Am rot aufschimmernden Horizont leuchtet die Sonne, eine gleichgültige Beobachterin, als wäre nichts geschehen.

Die österreichische Regisseurin Sandra Wollner und ihr Kameramann Gergory Oke, der bereits für Charlotte Wells’ „Aftersun“ (2022) traumwandlerische Bilder entwarf, inszenieren diesen Moment in unerbittlicher Schönheit. Ein langer Schwenk über die Dächer Berlins. Jessi und Lux sind auf die Entfernung erst gar nicht zu erkennen. Nur langsam erscheinen sie durch den extrem ausgedehnten Kamerazoom immer deutlicher im Bild.