Die USA sind zu Recht nervös – das Vertrauen in die amerikanischen Staatsschulden ist gesunkenDer amerikanische Finanzminister stützt die japanische Währung und will verhindern, dass der grösste ausländische Halter seine US-Treasuries auf den Markt wirft. Sonst könnte es teuer werden.05.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDer amerikanische Finanzminister und ehemalige Hedge-Fund-Manager Scott Bessent – hier fotografiert Ende Juli während eines Fernsehinterviews in Washington – versucht die Zweifel der Marktteilnehmer zu zerstreuen.ImagoEs wäre ein regelrechtes Erdbeben, wenn sich das ändern würde. Amerikanische Staatsanleihen, die sogenannten Treasuries, sind in der Finanzwelt breit gefragt – sie sind so etwas wie der Goldstandard für eine liquide, sichere Anlage. Von der immer noch grössten Wirtschaftsmacht der Welt garantiert, sind sie jederzeit verfügbar und handelbar. Ende 2025 waren davon Papiere im schwer vorstellbaren Wert von 30 700 Milliarden Dollar im Umlauf, was rund 95 Prozent des Bruttoinlandprodukts der USA entspricht. Die Bruttoschulden der Regierung sind mit über 120 Prozent sogar noch höher, doch ein Teil wird nicht gehandelt und unter anderem vom Fed, der amerikanischen Zentralbank, gehalten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weltweit gefragt – aber weniger als früherWeil Treasuries ein so breit akzeptiertes, sicheres und liquides Finanzinstrument sind, werden sie weltweit nachgefragt. Das verschafft den USA traditionell das Privileg, sich vergleichsweise günstig verschulden zu können. Bis zur grossen Finanzkrise 2008/09 war der Anteil der ausländischen Gläubiger zunehmend und machte über die Hälfte aus. Doch der Trend hat sich gekehrt, und seither ist das relative Interesse der Ausländer an den US-Treasuries gesunken. Ende vergangenen Jahres machten Ausländer nach den Berechnungen des Research Service des US-Kongresses nur noch 31 Prozent der Gläubiger aus.Die Gründe für diesen Rückgang sind sowohl finanzieller wie auch geopolitischer Natur und haben mit gesunkenem Vertrauen zu tun.Finanziell erscheinen die Treasuries nicht mehr so über jeden Zweifel erhaben wie früher. Die Verschuldung der USA steigt in einem Ausmass, das auf Dauer nicht nachhaltig ist. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Wert der gehandelten Treasuries nominal versiebenfacht. Korrigiert man um die Inflation, sind es immer noch viereinhalbmal so viel Schulden wie vor zwei Jahrzehnten und doppelt so viele wie 2012.Regelrechte Schuldenschübe verursachten die grosse Finanzkrise und die Pandemie, wobei die verheerende Dynamik danach nie gebrochen werden konnte. Zum schwindenden Vertrauen der ausländischen Anleger dürften zudem Aussagen beigetragen haben, wonach die Administration Trump an der Stärke einer Weltwährung nur noch bedingt interessiert ist und sich zumindest zeitweise gar mit dem Gedanken trug, ausländische Halter von Treasuries zusätzlich zur Kasse zu bitten.Dass es inzwischen primär inländische Finanzmarktteilnehmer sind, die die steigende Flut von Treasuries absorbieren, hat aber auch geopolitische Gründe.China distanziert sich – Japan ist wieder Nummer einsLange Zeit bestand so etwas wie eine nahezu symbiotische Finanzbeziehung zwischen den USA und China. Die USA verschuldeten sich, um mehr chinesische Güter nachzufragen und zu konsumieren, als sie sich eigentlich leisten konnten. China finanzierte dies Amerika, indem es US-Staatsschulden kaufte. Doch spätestens mit Trumps erstem Handelskrieg hat sich das geändert und wurde von geopolitischen Spannungen überdeckt.Zudem sieht sich die chinesische Führung in letzter Zeit selber gezwungen, ihre Staatsverschuldung stark zu erhöhen. Statt fleissig weiter Treasuries zu kaufen, hat der chinesische Staat seinen Bestand an amerikanischen Staatsschulden reduziert. Chinas Anteil an den ausländischen Gläubigern ist von einem Höchststand von 26,3 Prozent im Jahr 2010 auf nur noch 7,4 Prozent Ende 2025 gesunken.Wohl primär dank den stark gestiegenen Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank gehört nun auch die Schweiz zu den zehn grössten ausländischen Gläubigern des US-Treasury. Ihren Anteil hat sie von 1,6 Prozent 2007 auf 3,2 Prozent Ende vergangenen Jahres erhöht und damit verdoppelt.Der grösste ausländische Gläubiger ist aber wieder Japan. Doch auch dessen Anteil ist von 29,6 Prozent vor der Finanzkrise 2006 auf bloss noch 12,8 Prozent gesunken. An Bedeutung gewonnen hat das befreundete Grossbritannien, das mit 9,3 Prozent vor China zum zweitwichtigsten Halter von US-Treasuries aufgestiegen ist. Der viertgrösste Gläubiger ist bemerkenswerterweise Kanada (5,1 Prozent).Was den US-Finanzminister beunruhigtDie gesunkene ausländische Nachfrage bei steigendem Angebot führt nun dazu, dass die USA tendenziell höhere Zinsen bieten müssen, um ihre zu einem guten Teil kurzfristig laufenden Schuldpapiere am Markt absetzen zu können. Dabei bewegen sich die Renditen bereits auf einem Höchststand.Sie sind mit dem von der extrem expansiven staatlichen Ausgabenpolitik der Pandemie ausgelösten Inflationsanstieg auf gegen 5 Prozent gestiegen. Und so verschlingt der Schuldendienst in den USA bereits mehr Mittel als die Armee. Das muss den Finanzminister Scott Bessent beunruhigen.Der Finanzminister hat es sich notiert, und ein Reuters-Fotograf hat es dokumentiert: «To Do: Buy Japanese Yen $ 5–10 bil» (Zu erledigen: Kaufe japanische Yen für 5 bis 10 Milliarden Dollar).Daniel Heuer / ReutersDas Letzte, was Bessent da noch passieren könnte, ist ein Japan, das zur Stützung seiner geschwächten Währung beginnt, in grossem Stil Treasuries auf den Markt zu werfen. Lieber lässt der US-Finanzminister da mit Devisenmarktinterventionen stützend eingreifen, was er auch gleich einem Fotografen marktgerecht ankünden liess. Der Freundschaftsdienst an Japan ist allerdings nur rhetorisch einer.Zu den Problemen des amerikanischen Finanzministers gehört nämlich auch, dass sich die Erwartungen der Marktteilnehmer verschlechtert haben. Mit dem Iran-Krieg fürchten sich die Anleger offensichtlich vor einer längerfristig höheren Inflation und weiter steigenden Staatsverschuldung und verlangen deshalb auch für länger laufende Papiere höhere Zinsen. Auch das ist ein Zeichen erodierenden Vertrauens.Während ursprünglich die kurzfristigen Renditen über die längerfristigen schnellten, sind nun diejenigen für Papiere mit 30-jähriger Laufzeit auf über 5 Prozent angestiegen. Auch die für amerikanische Hausbesitzer wichtige Rendite der Treasuries mit 10-jähriger Laufzeit nähert sich der 5-Prozent-Schwelle. Kein Wunder, fordert Donald Trump ständig Zinssenkungen. Bessent muss beruhigen.Zwei Gegenmittel und mangelnde EinsichtDoch die Märkte lassen sich selten lange täuschen. Um die aus dem Ruder laufenden Kosten für die Staatsverschuldung besser unter Kontrolle zu bringen, müssten die USA wirtschaftspolitisch gegensteuern. Der amerikanischen Zentralbank müsste es erstens gelingen, die Inflationserwartungen zu senken, und die Regierung sollte zweitens ihre viel zu hohen Defizite senken und aufzeigen, wie sie auf einen nachhaltigen Verschuldungspfad zurückfinden will.Zudem gälte es, mit einer auf die Pflege von Allianzen und finanzpolitischen Interessen ausgerichteten Geopolitik den erlittenen Vertrauensverlust wettzumachen. Ein paar schnell verpuffende Devisenmarktinterventionen, die mit längerer Dauer zudem sehr kostspielig werden könnten, werden dazu nicht genügen.Nimmt man die Erfahrungen von Japan, Kanada und der Schweiz mit Trumps Zollpolitik zum Massstab, scheint allerdings die Pflege von Goodwill nicht zu den Prioritäten von Donald Trump zu gehören – es fehlt an Einsicht.Hoffen aufs InlandDie gegenwärtige US-Administration scheint vielmehr aufs Inland zu setzen. Das für die Emittenten gute Geschäft mit Dollar-Stablecoins, welche zum grössten Teil mit US-Treasuries hinterlegt werden sollen, kann zusätzliche Nachfrage sichern und so die Renditen dämpfen. Dazu kommt die grosse Hoffnung auf den Segen der künstlichen Intelligenz (KI). Sollte diese dem Land zu einem einzigartigen Produktivitäts- und Wachstumsschub verhelfen, würde das wohl disinflationär wirken und auch die Staatsverschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung wieder in solidere Dimensionen senken.Doch Hoffnung allein macht noch keine solide Politik. Sollten sich die Erwartungen an die Effekte von KI und Stablecoins als überzogen erweisen oder sollte das ausländische Vertrauen in die Treasuries weiter erodieren, könnte es für die US-Regierung schnell teuer werden. Spätestens dann wird Bessent sich zur Beruhigung der Anleger mehr einfallen lassen müssen, als den Yen zu stützen.Passend zum Artikel
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Der amerikanische Finanzminister stützt die japanische Währung und will verhindern, dass der grösste ausländische Halter seine US-Treasuries auf den Markt wirft. Sonst könnte es teuer werden.












