Wer zum ersten Mal ein Foto vom Taylor-Gletscher sieht, tippt auf Bildbearbeitung. Aus der Abbruchkante quillt eine tiefrote Flüssigkeit, läuft über blendend weißes Eis und ergießt sich in den dauerhaft zugefrorenen Lake Bonney.Der Ausfluss ist etwa so hoch wie ein fünfstöckiges Haus. Blood Falls heißt das Ganze im Englischen, Blutfälle. Der Name ist erstaunlich wenig übertrieben.Seit 1911 stehen dort Menschen und rätseln. Ein Forschungsteam um die Mikrobiologin Angela Zoumplis von der University of California in San Diego hat jetzt im Fachjournal Nature Geoscience eine Antwort vorgelegt, die unheimlicher ist als die Frage.Unter dem Gletscher liegt ein Stück Ozean. Eingeschlossen, seit der Homo erectus die ersten Schritte durch Afrika machte.

Blutfälle Antarktis: Erst tippte man auf Algen

Entdeckt hat das Phänomen der australisch-britische Geologe Thomas Griffith Taylor, Chefgeologe auf Robert Falcon Scotts Terra-Nova-Expedition. Der Gletscher trägt heute seinen Namen.Die erste Erklärung lief auf Rotalgen hinaus, so wie beim Blutschnee im Hochgebirge. Falsch, aber immerhin naheliegend.Die Farbe stammt von Eisen. Was dort austritt, ist eine hochkonzentrierte Salzlake mit gewaltigen Mengen gelösten zweiwertigen Eisens – unsichtbar, solange sie unter dem Eis eingeschlossen bleibt.Erst beim Kontakt mit Sauerstoff passiert, was auch an jedem Gartenzaun passiert. Das Eisen rostet. Nur eben in Sekunden und in Wasserfall-Format.