«The Odyssey» und «Spider-Man: Brand New Day» steuern auf die Milliardenmarke zu: Das Kino sendet ein auffälliges LebenszeichenBemerkenswert ist nicht nur der Kassenerfolg der Blockbuster: Beide Filme lösen Debatten aus, dominieren die sozialen Netzwerke und ziehen eine junge Generation zurück in die Kinos.04.08.2026, 17.30 Uhr4 LeseminutenOdysseus (Matt Damon) verliert auf seinen Abenteuern immer mehr seiner Männer.ImagoBeide Filme stehen kurz vor der Milliardenmarke – und dürften sie bereits in den kommenden Tagen knacken: Sowohl «The Odyssey» von Christopher Nolan als auch der neue Superheldenfilm «Spider-Man: Brand New Day» sind auf Rekordeinspielkurs. Der Spinnenmann hat allein an seinem ersten Kinowochenende weltweit mehr als 927 Millionen Dollar umgesetzt. Das bedeutet den zweitbesten Kinostart der Geschichte, ertragreicher war bisher nur «Avengers: Endgame» (2019).Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«The Odyssey» läuft rund zwei Wochen länger im Kino als «Spider-Man», hatte also mehr Zeit. Und profitierte von den teureren Imax-Tickets. Der Monumentalfilm mit Star-Cast ist auf gutem Weg, der finanziell erfolgreichste Film seines Regisseurs zu werden. Nur die beiden Batman-Adaptionen «The Dark Knight» (2008) und «The Dark Knight Rises» (2012) stehen noch knapp besser da. Gewiss schwingt da der Hype um Nolan mit, der sich nach seinem Oscar-Gewinn 2024 für «Oppenheimer» verstärkt hat.«Ich würde mich schämen»Doch der Film hat es vor allem wegen seines Inhalts geschafft, im Gespräch zu bleiben. Links liegen lässt ihn kaum jemand, nicht einmal seine Gegner. Elon Musk, im Vorfeld über die vermeintliche Wokeness in Nolans Adaption empört, hat ein Gegenprojekt angekündigt. Mithilfe seines KI-Assistenten Grok will der reichste Mann der Welt bis Ende Jahr eine eigene, «geschichtstreue Fassung» von Homers Werk veröffentlichen, wie immer das bei einer Dichtung aussehen mag.Die Altphilologin Emily Wilson, deren Übersetzung eine der wichtigsten Vorlagen für Nolans Drehbuch war, hat kürzlich «The Odyssey» im «London Review of Books» verrissen. Sie vermisse die emotionale und intellektuelle Tiefe von Homers Epos. Verwirrend und unausgegoren sei der Film, Sex fehle ganz, und das gezeigte Essen sehe schrecklich aus: «Ich würde mich schämen, auch nur einen Teil davon geschrieben zu haben», so Wilsons hartes Fazit. Die amerikanische Autorin Joyce Carol Oates eilte Nolan zur Seite und schalt die Übersetzerin wegen ihrer «kruden und unkollegialen» Worte.Bereits im Vorfeld hatte sich im Netz kübelweise Häme über den Film ergossen: wegen unzeitgemässer Kostüme, einem Trojanischen Pferd, das aussah wie vom Fliessband, und der Besetzung mit der schwarzen Lupita Nyong’o als «weissarmige» Helena. Aber hier galt auch das altbekannte Motto: Es gibt keine schlechte Werbung.Seit der Veröffentlichung des Films ist das Niveau der Debatten gestiegen. Inzwischen wird diskutiert, ob der antike Odysseus überhaupt eine schuldbeladene Figur sein könne, inwiefern sich bei Nolan christliche Einflüsse finden oder welche Rolle Vergils «Aeneis» spielt. Und ein für PR-Verhältnisse überraschend fundiertes Video geht derzeit viral – darin unterhält sich der Regisseur mit der chinesischen Podcasterin Zhong Shu über das Wesen der Filmkritik oder das Ende von Zivilisationen.Auch der neue «Spider-Man» schlägt ernste Grundtöne an: Peter Parker (Tom Holland) ist am Anfang einsam und isoliert. Das Schlimmste, was dem freundlichen Spinnenmann aus der Nachbarschaft passieren kann: Niemand kennt ihn mehr, seine alten Freunde haben ihn ebenso vergessen wie seine geliebte MJ (Zendaya). Eine tiefe, existenzielle Verlorenheit verbindet den modernen mit dem antiken Superhelden.Spider-Man (Tom Holland) hadert im neuen Film mit seinen Spinnenkräften.Sony Pictures / APEin GenerationenwechselDer derzeitige Doppelerfolg erinnert an den Kinosommer vor drei Jahren. Damals nannte sich das Phänomen «Barbenheimer», der Begriff bezieht sich auf die zeitgleiche Veröffentlichung von Greta Gerwigs witzig-emanzipatorischem «Barbie» und Nolans nach dem Atombombenvater «Oppenheimer» benannten Historienfilm. Beide zusammen liessen die Kassen klingeln (mehr als 2,4 Milliarden Dollar) und wurden zum vielzitierten Pop-Phänomen. Ebenso wie heute spielte auch damals die Hitze eine Rolle, das Publikum flüchtete gerne zu «Barbenheimer» in die kühlen Säle.Ein solches Kofferwort fehlt zwar im August 2026, aber der zweifache Erfolg zeigt einmal mehr, dass das Kino noch nicht tot ist. Angedeutet hatte sich diese Entwicklung bereits einige Wochen zuvor, ebenfalls mit einem Doppelschlag: Die Indie-Horror-Produktionen «Backrooms» und «Obsession» erwiesen sich als riesige Überraschungserfolge mit einem gemeinsamen Einspielergebnis von mehr als 850 Millionen Dollar. Beide Projekte, gedreht von Youtube-erfahrenen Regisseuren, verdanken ihre Entstehung und ihren Erfolg massgeblich den sozialen Netzwerken wie Instagram und Tiktok.Der Trend ist eindeutig: Junge Menschen zieht es wieder mehr in die Kinos. Während nach Umfragen in den USA 2025 gerade einmal jeder zweite Amerikaner überhaupt den Fuss in ein Kino gesetzt hat, zählt ausgerechnet die Gen Z derzeit zu den eifrigsten Kinogängern. Und zu deren Vorbildern zählt das Paar, das sowohl in «The Odyssey» als auch in «Spider-Man: Brand New Day» mitspielt: Zendaya und Tom Holland. Sie verkörpern die zeitgemässe Form des Hollywood-Stars: Ihre Strahlkraft entfaltet sich auch und vor allem im digitalen Alltag ihrer Fans. Das macht sie zu Galionsfiguren für ein Kino, das seine grössten Erfolge heute nicht trotz, sondern auch dank dem Internet feiert.Passend zum Artikel
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Bemerkenswert ist nicht nur der Kassenerfolg der Blockbuster: Beide Filme lösen Debatten aus, dominieren die sozialen Netzwerke und ziehen eine junge Generation zurück in die Kinos.















