Dafür hält eine andere Besuchergruppe Zürich die Treue.04.08.2026, 17.33 Uhr3 LeseminutenAm stärksten betroffen vom Touristen-Rückgang sind Fernmärkte, die stark von Flugverbindungen über den Nahen Osten abhängig sind.KEYSTONEDie geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben Auswirkungen für den Tourismus in der Region Zürich. Zu Jahresbeginn entwickelten sich die Logiernächte zunächst noch positiv, wie neue Zahlen zeigen, die Zürich Tourismus am Dienstag publiziert hat. So stiegen die Logiernächte im Februar um 3,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Mit der Eskalation der geopolitischen Lage im Nahen Osten drehte diese Entwicklung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Von März bis Juni gingen die Übernachtungen kontinuierlich zurück – im April mit minus 4,6 Prozent besonders deutlich. Insgesamt verzeichnete die Destination Zürich gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres ein Minus von 1,4 Prozent.Am stärksten betroffen waren Fernmärkte, die stark von Flugverbindungen über den Nahen Osten abhängig sind. Die Zahl der Übernachtungen aus Indien sank um 27,9 Prozent, aus Südostasien um 25,8 Prozent, aus den Golfstaaten um 14,1 Prozent und aus China um 2,4 Prozent. Stabil blieb dagegen Nordamerika, der wichtigste ausländische Herkunftsmarkt der Region.Besonders ins Gewicht fallen die Rückgänge aus den Golfstaaten, China und Südostasien, weil diese Gäste im Durchschnitt deutlich mehr Geld ausgeben als andere Reisende. Sie verbinden ihren Schweizbesuch oftmals mit einer Einkaufstour. In ihrem Fokus stehen oft Uhren und andere Luxusgüter.Erhebungen von Schweiz Tourismus zeigen, dass Gäste vom Golf oder aus China mit rund 400 Franken am Tag mehr als doppelt so viel Geld ausgeben wie Schweizer Gäste. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften deshalb noch stärker sein, als die reinen Übernachtungszahlen vermuten lassen.Treue Schweizer GästeAls stabile Stützen erwiesen sich die Schweiz und die europäischen Nachbarländer. Erstmals entfielen mehr als 40 Prozent aller Logiernächte auf Schweizer Gäste.Auch die europäischen Nahmärkte legten um 1,3 Prozent zu, wobei Österreich (+11,6 Prozent) und Spanien (+10,6 Prozent) besonders stark wuchsen. Auch Deutschland, Italien und die Niederlande verzeichneten leichte Zuwächse. Zürich Tourismus wertet dies als Beleg für die Widerstandsfähigkeit seiner breit diversifizierten Gästestruktur.Laut Thomas Wüthrich, Direktor von Zürich Tourismus, haben die Zürcher «bereits kurz nach der geopolitischen Eskalation die Marktbearbeitung angepasst und gezielt zusätzliche Mittel in die Schweiz und die europäischen Nahmärkte investiert.»Konkret sei in der Schweiz die PR verstärkt worden. In Europa habe man eine digitale Sommerkampagne gestartet, um damit kurzfristige Buchungen zu erzielen. Dazu habe man mit der Kampagne «Fly-Another-Day» Business-Gäste angesprochen, damit diese ihren Aufenthalt in Zürich verlängern.Generell haben die Zürcher Touristiker nach der Pandemie ihre Strategie angepasst. Sie bauten den Heimmarkt und den europäischen Nahmarkt aus. Gerade der inländische Markt nahm dabei jedes Jahr prozentual zu. Man habe die Schweiz als strategischen Markt erkannt und bearbeitet, dies mache sich nun bezahlt, teilt Zürich Tourismus mit.Derweil beschränken sich die Folgen der geopolitischen Unsicherheiten nicht auf die Hotellerie allein. Belastungen sind laut Zürichs Touristikern entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar, von der Gastronomie bis zum Detailhandel. Gemäss einer Umfrage aus dem Juli berichten 44 Prozent der 182 befragten Betriebe von einer rückläufigen Nachfrage in den vergangenen sechs Wochen.Die Gäste geben weniger ausVerändert hat sich auch das Verhalten der Gäste. 54 Prozent der Betriebe beobachten kurzfristigere Buchungen, 46 Prozent tiefere Ausgaben und 44 Prozent eine grössere Unsicherheit bei den Reisenden.Auffällig ist vor allem der zurückhaltende Konsum. Besonders spürbar ist diese Entwicklung laut Zürich Tourismus im Detailhandel sowie bei Kongressen und Veranstaltungen.Ob dies mit dem Ausbleiben der ausgabefreudigen Gäste vom Golf und China zu tun hat, wäre naheliegend, kann aber laut den Touristikern nicht definitiv belegt werden.Für die kommenden drei Monate erwarten die befragten Unternehmen mehrheitlich keine weitere Verschlechterung. Die Hälfte rechnet mit einer stabilen Nachfrage.Entscheidend für die Jahresbilanz dürften die Sommermonate Juli und August werden, die traditionell zu den stärksten des Jahres zählen.Passend zum Artikel