«Für 2026 erwarten wir kein weiteres Rekordjahr»: Welche Touristen diesen Sommer fehlen – und wer trotzdem in die Schweiz kommtDer Iran-Krieg vermiest den Schweizer Top-Destinationen das Geschäftsjahr. Hoffnung gibt es trotzdem.09.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEin Bild, wie man es diesen Sommer weniger sehen wird? Vietnamesische Touristinnen am Berner Tourismus-Hotspot Iseltwald, Juli 2022.KeystoneEin neuer Krieg, ein drohender Kerosinmangel und der ewig starke Franken: Für die Schweizer Tourismusbranche, normalerweise vom Erfolg verwöhnt, ist die Zeit der Unbeschwertheit vorbei. Neuste Umfragen von Schweiz Tourismus zeigen, wie viel Einfluss die geopolitischen Wirrungen auf den heimischen Tourismus haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am meisten Sorgen bereiten der Branche das Fehlen der Touristen aus Asien und den Golfstaaten. Konflikte und konjunkturelle Ängste bremsen die Nachfrage für die Hochsaison im Juli und August. Zwar signalisieren die Niederlassungen von Schweiz Tourismus in Dubai und Riad eine langsame Besserung, wie es in der Mitteilung vom Montag heisst. Trotzdem rechnet die Organisation im Vergleich zum Vorjahr mit 30 Prozent weniger Gästen aus dem arabischen Raum.Ähnlich düster ist das Bild bei den asiatischen Gästen mit einem Rückgang von 18 Prozent. Vor allem aus Indien bleiben die Touristen aus, weil fast die Hälfte der Flüge nach Europa über die Flughäfen im Nahen Osten führt und diese gestrichen wurden. Einzig die chinesischen Touristen kehren nach der langen pandemiebedingten Baisse langsam zurück. Illusionen macht sich bei Schweiz Tourismus dennoch niemand: «Der Buchungsrückstand für Asien und die Golfstaaten als Ganzes wird für das Jahr 2026 nicht mehr aufzuholen sein.»Bergbahnen spüren den Rückgang deutlichDabei liegt die Schweiz als Reiseland eigentlich im Trend. Jüngst folgte ein Höchststand dem andern: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Hotellerie knapp 44 Millionen Logiernächte. Es war das dritte Rekordjahr in Folge.«Für 2026 erwarten wir kein weiteres Rekordjahr», schreibt Schweiz Tourismus auf Anfrage. Und Jürg Stettler, Professor für Tourismus an der Hochschule Luzern, rechnet gar mit einem Minus. Wie tief der Einschnitt ausfällt, sei abhängig von der weiteren Entwicklung des Iran-Konflikts, der Inflation und der Börsenkurse.Gleichzeitig geht Stettler von einer schnellen Normalisierung aus, sollte sich die Lage in Iran entspannen. Der Einbruch sei rein krisenbedingt. «Die Reisebedürfnisse haben sich ja nicht geändert», sagt er.Doch noch ist eine Normalisierung nicht absehbar, und solange der Krieg anhält, spüren das die heimischen Top-Destinationen. Bestes Beispiel sind die Titlis-Bahnen in Engelberg: Ende Mai feierte man die Eröffnung des «Titlis Tower» als spektakulärer Touristenattraktion. Zuvor musste das Unternehmen wegen des ausbleibenden Fernost-Geschäfts eine Gewinnwarnung herausgeben.Ähnlich präsentiert sich die Lage bei den Jungfraubahnen, denen die Gäste aus Indien und Südostasien ebenfalls fehlen. Von Januar bis Ende April schrumpfte die Besucherzahl auf dem Jungfraujoch um 12 Prozent. Zwar hofft das Unternehmen nun vermehrt auf europäische Gäste, die Medienstelle schreibt aber auch: «Je nach Dauer und Intensität des Konflikts werden die Entwicklungen negative Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis 2026 haben.»Treue AmerikanerLässt sich der Tourismussommer trotz diesen Ausfällen retten? Die Zahlen der Logiernächte für den Monat April geben Hoffnung: Während die ausländischen Gäste ein Minus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichneten, wuchs der Heimmarkt Schweiz um 5,1 Prozent. Die wichtigsten Gäste kommen derzeit aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und Frankreich.Auch die Amerikaner sind treue Schweiz-Reisende. Sie kompensieren die Rückgänge der Touristen aus Kanada. Laut der Mitteilung dürfte Nordamerika rund 2 Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben, während Schwellenländer wie Brasilien sogar Wachstumsraten verzeichnen.Den Tourismusexperten Jürg Stettler überrascht das nicht. Getrieben von der robusten Wirtschaft habe die Zahl der amerikanischen Gäste seit der Pandemie stark zugenommen. «Für die Amerikaner sind die Börsenkurse wichtiger als die Arbeitslosenquote oder die Inflationsrate oder die geopolitische Lage.»Campingplätze boomenDie Verschiebungen zeigen sich aber nicht nur bei der Herkunft der Gäste, sondern auch bei der Wahl der Unterkunft. Der Markt spaltet sich zusehends, wie Schweiz Tourismus schreibt. Während sich das Premiumsegment mit den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels schneller als erwartet erholt, haben Betriebe im Drei-Sterne-Segment weiterhin zu kämpfen.Wer aufs Geld schaut, sucht Alternativen – und wird des Öfteren bei der Parahotellerie fündig: Der TCS meldet bei seinen Campingplätzen ein Buchungsplus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Reka (plus 9 Prozent) und die Jugendherbergen (plus 4 Prozent) profitieren stark. Laut Schweiz Tourismus ist das Image der Schweiz «als politisch stabile und sichere Destination» hier ein grosser Vorteil.Bleibt noch der starke Franken, der klassische Spielverderber im heimischen Tourismus. Seine negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb würden derzeit überschätzt, schreibt Schweiz Tourismus. Weil die Preise im Ausland inflationsbedingt stärker gestiegen sind als im Inland, hat der Schweizer Preisschock an Schrecken verloren.Passend zum Artikel
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Der Iran-Krieg vermiest den Schweizer Top-Destinationen das Geschäftsjahr. Hoffnung gibt es trotzdem.










