Die Partei muss sich mit einem Konflikt im Landesverband Nordrhein-Westfalen herumschlagen. Der eskaliert nun ausgerechnet vor drei wichtigen Wahlen in Ostdeutschland.04.08.2026, 12.04 Uhr3 LeseminutenAlice Weidel muss sich derzeit viel mit dem Landesverband in Nordrhein-Westfalen beschäftigen.Christian Mang / ReutersEin AfD-Politiker aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Parteichefin Alice Weidel beleidigt. Der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Loose bezeichnete Alice Weidel vor laufender Kamera als «Alice Merkel» und rückte sie damit in die Nähe der ehemaligen deutschen Kanzlerin Angela Merkel.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Merkel gilt in der AfD als der Inbegriff allen Übels. Gleichzeitig stünde die AfD ohne die Migrationspolitik von Merkel kaum da, wo sie heute steht. Vor elf Jahren entschied Merkel sich dafür, de facto unbegrenzt Asylmigranten in Deutschland aufzunehmen. In diesem Zeitraum konnte die AfD ihre Zustimmungswerte extrem steigern. Derzeit würden laut Umfragen rund 28 Prozent der Deutschen die AfD wählen, 2015 waren es nur drei Prozent.«Angriff auf die persönliche Ehre»Die AfD war damals die einzige halbwegs relevante Partei, die sich klar von Merkels Kurs abgrenzte. Umso schwerer wiegt eine Schmähung, die Weidel auch nur irgendwie mit Merkel in Verbindung bringt. Aus dem diesem Grund hat der Bundesvorstand der AfD nun ein Parteiordnungsverfahren gegen Loose beschlossen. Der Vorstand sprach in dem Zusammenhang von einem Angriff auf die persönliche Ehre Weidels. Loose könnte nun abgemahnt werden, rein theoretisch wäre auch ein Parteiausschluss nicht ausgeschlossen. In der politischen Praxis liegen die Hürden dafür aber hoch.Dennoch forderte nun der AfD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen genau das: «Wer unsere Parteichefin wie der Abgeordnete Loose öffentlich mit Frau Merkel gleichsetzt und sie mehrfach als ‚Alice Merkel’ tituliert, kann keinen Platz mehr in der AfD haben», sagte er der «Bild»-Zeitung.Martin Vincentz führt den Landesverband Nordrhein-Westfalen.Revierfoto / ImagoIhren Ursprung hat die Eskalation in einem Streit über die Landesliste der AfD in Nordrhein-Westfalen. Diese Listen sind im deutschen Wahlsystem für Politiker der einfachste Weg, um einen Sitz im Parlament zu erhalten. Je weiter vorne ein Politiker dort platziert ist, desto wahrscheinlicher wird der Einzug ins Parlament. Die Listen sind ein Machtinstrument und entscheiden massgeblich darüber, wer in der Partei etwas wird.Der AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat dieses Machtinstrument möglicherweise überstrapaziert. Dessen Chef Martin Vincentz soll im Juli bei einer internen Wahl dafür gesorgt haben, dass ein erheblicher Teil der Liste mit Kandidaten besetzt wird, die ihm gewogen sind. Würde im Landesverband Harmonie herrschen, wäre das keine grosse Sache. Doch der Landesverband ist gespalten: Auf der einen Seite steht das Lager von Vincentz, der für AfD-Verhältnisse eher moderat wirkt. Auf der anderen Seite haben sich Hardliner positioniert, wie der AfD-Mann Matthias Helferich, der sehr weit rechts zu verorten ist.Wahl rückgängig machen?Kürzlich verlangte der Bundesvorstand vom Landesverband Nordrhein-Westfalen, die Abstimmung über die Landesliste komplett neu aufzusetzen. Das moderate Lager von Vincentz und Loose weigerte sich und Loose liess sich zu der Merkel-Analogie hinreissen.Der Merkel-Vergleich geht auf eine Aussage der Ex-Kanzlerin aus dem Jahr 2020 zurück. Damals forderte sie, die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich rückgängig zu machen, der mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt worden war. Merkel konnte sich damals durchsetzen. Allerdings stellte das Bundesverfassungsgericht später fest, dass sie mit dieser Einlassung ihre Kompetenzen als Kanzlerin überschritten habe.In Summe sprach der Bundesvorstand zwölf Ordnungsverfahren gegen AfD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen aus. Der zerstrittene Landesverband im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen ist für Weidel aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen stehen im September Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern an. Laut den Umfragen ist die AfD dort auf Rekordkurs, aber innerparteilicher Streit wird von den Wählern nicht goutiert.Zum anderen könnte die AfD-Probleme mit ihrer Landeslisten für Nordrhein-Westfalen bekommen, wo nächstes Jahr gewählt wird. Im äussersten Fall kann eine Liste wegen Unregelmässigkeiten nicht zur Wahl zugelassen. Das war der AfD im Jahr 2023 in Bremen passiert.Passend zum Artikel