PfadnavigationHomePolitikAuslandNach Ansturm auf Enklave„Es ist wie in einer Apokalypse“ – Anwohner von Ceuta klagen über Müll und Gefahr durch MigrantenVon Sandra HackenbergStand: 05:19 UhrLesedauer: 4 MinutenSchlafende Migranten aus Marokko am Strand von CeutaQuelle: AP Photo/Bernat ArmanguePolizei und Militär suchen nach Migranten, um sie zurück nach Marokko zu bringen, während diese sich in den Hügeln um Ceuta verstecken. Das birgt diverse Gefahren für Anwohner. Unterdessen profitieren hochmotorisierte Schleuser weiter von der Situation auf der spanischen Enklave.Nach dem massenhaften Grenzdurchbruch in die spanische Exklave Ceuta versuchen zahlreiche marokkanische Migranten offenbar weiterhin, einer Rückführung zu entgehen. Während Sicherheitskräfte die Umgebung durchsuchen, verstecken sich viele nach örtlichen Medienberichten in den bewaldeten Hügeln rund um die Stadt. Nach Angaben spanischer Behörden waren innerhalb weniger Tage rund 60.000 Menschen von Marokko nach Ceuta gelangt. Die kleine Exklave steht seitdem unter erheblichem Druck. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung „ABC“ halten sich zahlreiche Migranten in den Wäldern und an den Stränden rund um Ceuta verborgen, um einer Rückführung nach Marokko zu entgehen. An einzelnen Stellen hätten sich Gruppen von etwa 20 jungen Männern niedergelassen, darunter auch 14- und 15-Jährige. Sie hätten sich mit Ästen und anderem Naturmaterial provisorische Verstecke errichtet.Erfahren Sie alle Entwicklungen von Ceuta in unserem Live-Ticker.Mehrere Migranten erklärten der Zeitung, sie hielten sich versteckt, weil sie eine Rückführung nach Marokko fürchteten und dass sie lieber tagelang ohne ausreichende Versorgung in den Bergen ausharren, als nach Marokko zurückzukehren. Militär und Polizei kontrollieren unterdessen Straßen und Waldgebiete, um sie aufzuspüren. Die Migranten berichteten, sie verlassen ihre Verstecke nur, um Lebensmittel zu besorgen oder sich am Strand zu waschen. Lebensmittel und Kleidung würden sie in Müllsäcken transportieren.Anwohner klagen unterdessen, dass sich in den Waldgebieten rund um Ceuta Müll ansammelt. Nach Angaben der spanischen Lokalzeitung „El Faro de Ceuta“ bleiben an den Lagerplätzen der Migranten Verpackungen, Essensreste und anderer Abfall zurück.Lesen Sie auchAuch Bewohner des Stadtteils La Colina schilderten gegenüber „El Faro de Ceuta“, dass sich Migranten in den umliegenden Hügeln versteckten. Zu den Problemen gehören auch mehrere Einbruchsversuche in Häuser in der Gegend. „Sie haben bereits versucht, in drei Häuser einzudringen“, sagte ein Anwohner und behauptete, dass sich einige Migranten an den Hauswänden positioniert hätten und vertrieben werden mussten. Die Anwohner kritisierten, dass sich die Sicherheitskräfte bei ihren Kontrollen vor allem auf das Stadtgebiet konzentrieren würden. Zudem berichteten sie von einzelnen Versuchen, leer stehende Gebäude zu besetzen. Ein spanischer Geschäftsinhaber sagte gegenüber dem Fernsehsender RTVE, die Behörden seien „nicht in der Lage“, das Chaos unter Kontrolle zu bringen, und dass Migranten jetzt in öffentlichen Brunnen baden und auf den Straßen schlafen. „Es ist wie in einer Apokalypse. Überall Menschenmassen. Man sieht so viele Menschen herumirren.“Anwohner fürchten Waldbrände durch Lagerfeuer von MigrantenMit Sorge blicken viele Bewohner außerdem auf die trockenen Waldgebiete: Sie befürchten, dass Koch- oder Lagerfeuer der Migranten angesichts der hohen Temperaturen und des Windes Brände auslösen könnten.Unterdessen profitieren Schleuserorganisationen offenbar weiter von den Migranten in Ceuta. Nach Berichten der spanischen Regionalzeitung „Europa Sur“ hat die spanische Polizei in der Region Campo de Gibraltar mehrere Migranten aufgegriffen, die offenbar per Schnellboot über die Meerenge von Gibraltar von Ceuta auf das spanische Festland gelangt waren. Die Behörden sprechen von einer erneuten Aktivität der sogenannten Mittelmeer-Route zwischen Ceuta und der Provinz Cádiz. Bei den Überfahrten setzen die Schleuser kleine motorisierte Boote und andere Wasserfahrzeuge ein. Die spanische Polizei hat in der Vergangenheit mehrfach Netzwerke zerschlagen, die Migranten illegal von Ceuta auf die Iberische Halbinsel brachten.Demonstrationen gegen Pedro Sánchez in MadridDie Entwicklungen auf Ceuta verschärfen die politische Situation in Spanien. Am Montag demonstrierten Hunderte Menschen vor der marokkanischen Botschaft in Madrid. Die Teilnehmer warfen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez vor, die spanischen Grenzen nicht ausreichend zu schützen und gegenüber Marokko zu nachgiebig aufzutreten. Auf Transparenten und in Sprechchören wurde unter anderem betont, Spanien sei ein christliches und kein muslimisches Land. Zudem wurde ein härteres Vorgehen gegen illegale Migration gefordert.Spaniens Ministerpräsident bekam von den Demonstrationen in Madrid ohnehin nichts mit. Wie spanische Medien berichten, hat Sánchez bereits seine Sommerferien auf Lanzarote angetreten. Wie in den Vorjahren verbringt er seinen Urlaub in der Staatsresidenz La Mareta, zu der er mit dem Regierungsflugzeug Falcon der spanischen Luftwaffe geflogen ist. Kurz vor seiner Abreise irritierte Spaniens Ministerpräsident noch auf Instagram mit einem Beitrag, in dem er seine Spotify-Playlist unter dem Titel „Soundtrack meines Sommers“ vorstellte. Kritiker warfen Sánchez daraufhin vor, die Situation in Ceuta nicht ernst zu nehmen.