Vielleicht fangen wir am besten von vorne an, vor 200 Millionen Jahren, als sich die Pazifische Kontinentalplatte unter die Nordamerikanische Platte schob und sich der Kalkstein durch den Druck und die Hitze der Tektonik in Marmor verwandelte, bis er sich schließlich in eine Höhe schob, in die er eigentlich nicht hingehört. Und wie es eben oft so ist, wenn sich Dinge woanders hinbewegen, geht etwas kaputt; und im besten Fall entsteht dadurch etwas Neues, Unerwartetes, oft irre Schönes: 1200 Meter über dem Meer wurde der Marmor anfällig für das Regenwasser, das durch den Waldboden sickerte und sich in Kohlensäure verwandelte. Und als es sich ein paar Millionen Jahre lang seinen Weg durch die feinen Risse im Stein gebahnt hatte, hatte es eine einzigartige Tropfsteinhöhle aus Marmor geschaffen: die Oregon Caves.Entdeckt hatte die Caves der Bärenjäger Elijah Davidson, als er im November 1874 seinem Hund Bruno hinterherlief und sich in der Höhle verirrte. Seitdem gehören sie zu den wichtigsten Touristenattraktionen Oregons. Ob die Besucher der Höhle so guttun, ist eine andere Frage, sie taten es nicht immer: Schon in den 1890er-Jahren versuchten private Investoren die Höhlen als Touristenattraktion zu vermarkten. Um den Zugang bequemer zu machen, sprengten sie enge Gänge mit Dynamit frei, räumten störende Stalaktiten aus dem Weg und malten Pfeile an die Wände. Nun gehören auch diese Sünden zu den seltsamen Attraktionen des Parks, wie die „Graffiti“, mit denen sich die Besucher damals verewigten wie in einem marmornen Gästebuch. Heute weisen die Ranger des National Park Service bei ihren Touren auf die Inschriften hin wie auf ein Mahnmal für den unverantwortlichen Umgang mit der empfindlichen Natur. Und die Besucher müssen versichern, dass sie keine Kleidung tragen, mit der sie jemals eine andere Höhle betreten haben, um zu verhindern, dass sie das White-Nose-Syndrom einschleppen, eine verheerende Pilzerkrankung, der in Nordamerika schon Millionen von Fledermäusen zum Opfer gefallen sind. Denn wie gesagt: Manchmal, wenn sich Dinge woanders hinbewegen, entsteht auch schreckliche Zerstörung.
Das andere Amerika: Reise durch Oregon
Schon immer hat Oregon einen besonderen Menschenschlag angezogen. Das prägt den Bundesstaat bis heute – vom preisgekrönten Wein bis zu ausgefallenen Unterkünften.







