KommentarEin Datenklau schadet dem Finanzplatz Liechtenstein. Der Fall zeigt, dass IT-Sicherheit ein Standortvorteil istVertrauliche Informationen über Stiftungen und Trusts sind in die Hände von Dritten gelangt. Der Staat hat eine zentrale Datenbank nicht genug geschützt – mit Folgen.03.08.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenLiechtenstein konnte Informationen zu den Personen hinter den Stiftungen und Treuhandgesellschaften nicht schützen. Im Bild der Sitz des Fürstenhauses, das Schloss in Vaduz.ImagoDer Angriff hat Folgen für das ganze Fürstentum. Unbekannte haben vergangene Woche Daten entwendet, die für Liechtenstein von grösster Bedeutung sind. Noch am Samstagabend hat die Regierung einen Krisenstab einberufen, nachdem eine erste Untersuchung den Datendiebstahl bestätigt hatte. Die Leitung haben die Regierungschefin und der Justizminister persönlich übernommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das zeigt die Tragweite des Angriffs. Dass vertrauliche Daten in die Hände von Dritten gelangt sind und womöglich öffentlich werden, schadet dem Finanzplatz Liechtenstein. Der Standort lebt vom Vertrauen seiner Kunden. Dieses ist nun angeschlagen.Vom Datenabfluss betroffen ist das sogenannte «Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen» mit rund 31 000 Datensätzen. Darin enthalten sind Angaben über die Personen, die hinter Firmen, Vereinen, aber auch hinter Stiftungen oder Trusts stehen. Betroffen sind deshalb auch vermögende Kunden des Finanzplatzes Liechtenstein.Nicht alle Informationen aus dem Verzeichnis sind öffentlich. Die Betroffenen können laut Gesetz ihre Angaben sperren lassen, wenn ihnen sonst zum Beispiel Entführung, Erpressung oder Einschüchterung droht. Nun sind solche Daten in die Hände von Dritten gelangt. Das kann für einzelne Betroffene eine Gefahr für Leib und Leben darstellen.Der Fall zeigt: Datenschutz ist keine abstrakte bürokratische Angelegenheit. IT-Sicherheit schützt im Extremfall die körperliche Integrität der betroffenen Personen.Deshalb steht der Staat in der Verantwortung, wenn er Daten sammelt, diese auch zu schützen. Liechtenstein hat das betroffene zentrale Register erst 2021 eingeführt, um damit besser gegen Geldwäscherei, organisierte Kriminalität und Terrorfinanzierung vorgehen zu können.Ob die liechtensteinischen Behörden genug in die IT-Sicherheit investiert haben, wird die Aufarbeitung des Vorfalls zeigen. Was bisher über den zeitlichen Ablauf bekannt ist, lässt daran zumindest zweifeln. So soll der Zugriff auf die Daten bereits in der Nacht auf Donnerstag stattgefunden haben. Doch erst am Samstagnachmittag – zweieinhalb Tage später – wurde der Angriff bestätigt.Der Fall verdeutlicht deshalb noch einen zweiten Punkt: Die Vertraulichkeit von staatlichen Daten ist ein Standortfaktor. Wenn Behörden heikle Informationen über ihre Bürger und ihre Unternehmen nicht schützen können, verliert der Standort Vertrauen. Für einen Finanzplatz und Treuhandstandort wie Liechtenstein ist das verheerend.Banken sind sich dessen bewusst. Sie haben bereits vor Jahren gelernt, sich vor Cyberkriminalität zu schützen – auch weil sie Opfer von Angriffen wurden. Es erstaunt deshalb nicht, dass Schweizer Privatbanken zu den ersten Finanzinstituten gehörten, die das Thema der quantensicheren Verschlüsselung angingen. Denn die Vertraulichkeit der Kundendaten ist ihr höchstes Gut.Den Behörden hingegen fehlt oft das nötige Risikobewusstsein. Dabei hat ein Land ebenfalls strategische Daten, die es um jeden Preis schützen muss – genauso wie ein Unternehmen. Bei militärischen und diplomatischen Informationen ist das offensichtlich. Bei Daten über die wichtigsten Branchen ist das Bewusstsein weniger ausgeprägt.Wer hinter dem Angriff auf die Daten in Liechtenstein steht, ist noch nicht öffentlich bekannt. Es kann eine kriminelle Erpresserbande mit finanziellen Motiven gewesen sein – oder ein einzelner Hacker, der aus Neugier eine Sicherheitslücke ausprobiert hat. Es kann aber auch ein fremder Staat gewesen sein, der an bestimmten Informationen interessiert ist – oder mit der Publikation des gesamten Datensatzes dem Fürstentum Liechtenstein schaden will.Egal, wer es war – ein Effekt bleibt gleich: Der Angriff schadet dem Vertrauen in Liechtensteins Finanzplatz. Das kann wirtschaftliche Folgen haben. Staaten müssen dieses Cyberrisiko stärker berücksichtigen.Passend zum Artikel
Datenklau schadet dem Finanzplatz Liechtenstein – Vertrauen ist angeschlagen
Vertrauliche Informationen über Stiftungen und Trusts sind in die Hände von Dritten gelangt. Liechtenstein hat eine zentrale Datenbank nicht genug geschützt.














