Die Bäckerei Eifler ist eine der bekanntesten Brötchenmarken in Frankfurt. Kunden finden das Angebot des Traditionshauses unter anderem am Börsenplatz, am Roßmarkt, an der Schweizer Straße und im Hauptbahnhof. 95 Filialen betreibt das Familienunternehmen, in dem mittlerweile die vierte Generation in Verantwortung ist, eigenen Angaben zufolge in Frankfurt und in der Umgebung. Die Läden werden von einer zentralen Produktionsstätte in der Carl-Benz-Straße im Stadtteil Fechenheim aus beliefert.Nun ist das 1921 gegründete Frankfurter Unternehmen in einer Bäckereikette mit dem Namen Brotwert aufgegangen, die im Besitz des norwegischen Finanzinvestors FSN Capital ist und zu der bereits zwei weitere Traditionsbäckereien gehören. Brotwert übernimmt, finanziell unterstützt von FSN, die Mehrheit der Bäckerei Eifler. Bereits 2022 erwarb der Investor den Ludwigshafener Bäcker Görtz. 2025 übernahm der Fonds die 1928 gegründete Bäckerei Pappert, die ihren Sitz im osthessischen Eichenzell im Landkreis Fulda hat und unter anderem viele Filialen im Raum Hanau betreibt.Jedes Jahr drei bis vier Prozent Bäckereibetriebe wenigerKünftig führt die Brotwert-Gruppe rund 500 Filialen in Nordbayern sowie im Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Gebiet und gehört damit nach eigenen Angaben zu den „umsatz- und ertragreichsten Bäckereigruppen Deutschlands“. Gerhard Eifler und sein Sohn Michael sollen laut Mitteilung von FSN Capital Geschäftsführer bleiben. Beide waren am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im Falle von Pappert und Görtz wurden die regionalen Marken erhalten.„Wir haben kein Problem damit, solange die Betriebe in der Innung bleiben und ordentlich geführt werden“, sagt Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckereiinnungsverbands Südwest, zu dem Vorgang. Der Verband vertritt rund 1000 Bäckereibetriebe in Hessen und Baden-Württemberg, davon 300 in Hessen, mit „fallender Tendenz“, wie er sagt. Jedes Jahr gingen drei bis vier Prozent der Handwerksbetriebe vom Markt, das Volumen werde dann auf andere Unternehmen verteilt. Betriebe wie Eifler seien über Jahre gewachsen und auf Effizienz getrimmt.„Das Investorenmodell ist nicht neu“, sagt Hendrik Hallier, Geschäftsführer der Frankfurter Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Kleine Betriebe müssten nach und nach aufgeben. Richtig handwerklich arbeiteten nur noch die wenigsten. Hallier geht davon aus, dass die Übernahme durch die Brotwert-Gruppe nicht ohne eine strategische Neuaufstellung und Einschnitte in der Produktion vonstattengehen wird. Über kurz oder lang werde eine der drei Produktionsstätten schließen. Entfernungen spielten heute keine Rolle mehr. Die Bäckerei Schäfer Dein Bäcker GmbH liefere von Limburg aus bis nach Köln.Steigende Kosten und wachsende BürokratieDie Entwicklung in der Branche verdeutlichen auch die Zahlen des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks. Danach sank die Zahl der Handwerksbäckereien im alten Bundesgebiet in den vergangenen sechs Jahrzehnten von rund 55.000 auf inzwischen nur noch 8659 Betriebe mit rund 35.000 Filialen. Eifler setzt über ein Franchise-System auf Privatunternehmen, oft Familien, die eine Filiale in Eigenregie führen, ohne Eigenkapital.In Frankfurt gab es 1975 noch rund 300 Backbetriebe, inzwischen sind es weniger als zwei Dutzend. Statt kleiner Läden, in denen der Chef noch selbst hinter der Verkaufstheke steht, setzen sich große Ketten durch, die zentral beliefert werden, neben klassischen Filialen auch in Supermärkten Verkaufsstellen eröffnen und ihre Größenvorteile, vor allem beim Einkauf, ausnutzen.Die Konsolidierung hat auch mit den steigenden Kosten beim Einkauf von Rohstoffen, für Energie und Personal zu tun. „Es steckt ein enormer Aufwand und eine Logistik dahinter“, sagt Innungsverbandschef Körber. Betriebe kämpften täglich mit gestiegenen Kosten und wachsender Bürokratie. Neu seien Abgaben für den Grünen Punkt, die jetzt die Bäckereien abführen müssten. Den Nachwuchs schrecke das ab. „Wenn die Kinder sehen, was die Eltern leisten müssen“, so Körber, winkten viele ab.Zudem haben Supermärkte und Selbstbedienungsbäcker in den vergangenen Jahren den klassischen Bäckereien Konkurrenz gemacht. Der Zentralverband sieht dabei eine Benachteiligung der Handwerksbäckereien gegenüber den Supermärkten, weil kleine Betriebe häufig die gleichen Vorgaben erfüllen müssten wie Industrieunternehmen. Das, kritisiert der Zentralverband, belaste kleine Betriebe im Vergleich stärker, weil sie anders als Industrieunternehmen keine Rechts- oder Verwaltungsabteilung hätten, die die Umsetzung der Vorgaben für sie übernehme.Umgekehrt warten Bäckereien inzwischen mit einem breit differenzierten Angebot auf, zu dem neben klassischem Brot, Brötchen und Gebäck auch Snacks gehören. Das gilt auch für den nun mehrheitlich einem Finanzinvestor gehörenden Bäcker Eifler. Dort gibt es neben klassischen Brotsorten heute auch Salami-Stullen, Fladenbrote mit Salat und Schinken, Schnitzel- und Frikadellenbrötchen. Von dieser Entwicklung dürfte Josef Eifler, als er 1921 eine Bäckerei mit Café und Weinstube in der Eckenheimer Landstraße 86 in Frankfurt eröffnete, wenig geahnt haben.
Eifler-Übernahme: Warum es eigenständige Bäckereien schwer haben
Die Übernahme der Frankfurter Bäckereikette Eifler folgt einem Trend: Die Zahl der eigenständigen Betriebe geht seit Jahren zurück. Gewerkschaftsvertreter erwarten Einschnitte in der Produktion.






