PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungDas Met ehrt GallianoAntisemitismus mit Dresscode und FußnoteStand: 16:05 UhrLesedauer: 3 MinutenMet-Gala-Veranstalterin Anna Wintour und John Galliano 2018 in LondonQuelle: Dave Benett/Getty ImagesDas Metropolitan Museum in New York und damit auch die Met-Gala feiern John Galliano – und zeigen damit, wie selektiv das kulturelle Milieu moralisiert. Während es angeblich jede Form von Hass ächtet, wird Antisemitismus ausgerechnet jetzt salonfähig gemacht.John Galliano bekommt eine Met-Ausstellung. Das Costume Institute des Metropolitan Museum widmet ihm im Frühjahr 2027 eine große Werkschau, die Met Gala liefert traditionell den roten Teppich dazu mit einem Motto, das sich am Thema der Ausstellung orientiert. Nur zwei lebende Designer, Yves Saint Laurent und Rei Kawakubo, die Gründerin des japanischen Avantgarde-Labels Comme de Garçons, wurden zuvor mit einer solchen Einzelausstellung geehrt. Es ist nicht weniger als eine kulturelle Krönung. Wieso wird Galliano ausgerechnet jetzt diese Krone aufgesetzt – das fragt man sich mit völligem Unverständnis.Die judenfeindlichen Ausfälle von Galliano sind bekannt, 2011 wurde er in Frankreich wegen antisemitischer Beleidigungen verurteilt. In einer Videoaufnahme war zu sehen, wie er betrunken erklärt hat, Hitler zu lieben, und wie er Menschen in der Kneipe sagte, sie wären unter ihm vergast worden. Dior entließ ihn, Galliano entschuldigte sich, machte einen Entzug und beschäftigte sich mit jüdischer Geschichte. Kurze Zeit später wurde er Kreativdirektor bei Margiela, aktuell entwirft er Fast Fashion für Zara.Lesen Sie auch„Beste Neuigkeit seit Langem“, heißt es auf Instagram, zur Entscheidung, ihn nun zu ehren. Sie wird mit großer Begeisterung gefeiert und einhellig begrüßt. Keine Kritik. Und das von einer kulturellen Crowd, bei der es spätestens seit dem Tod von George Floyd in bestimmten Kreisen zur Selbstdarstellung dazu gehörte, sein Instagram-Profil schwarz zu färben und Unternehmen zu öffentlichen Bekenntnissen gedrängt wurden. Spätestens von da an war Rassismus kein individuelles Fehlverhalten mehr, sondern ein strukturelles Problem, bei dem jedes Schweigen als Beteiligung galt. Genau diese Szene entdeckt beim Judenhass plötzlich den Einzelnen. Die Entwicklung. Das Genie dahinter. Die Reue. Die Komplexität des Falls. Eine erstaunliche Großzügigkeit in einer Zeit, in der Antisemitismus zum Alltag gehört. Allein in New York waren im ersten Halbjahr 2026 rund 55 Prozent aller bestätigten Hassverbrechen antisemitisch. 178 antisemitische Hassverbrechen wurden allein bis Ende Juni registriert. Seit dem 7. Oktober erreicht die Zahl antisemitischer Vorfälle und körperlicher Angriffe nie dagewesene Ausmaße.Lesen Sie auchDie Kritik an dieser Galliano-Gala gilt ja nicht einem einzelnen antisemitischen Vorfall im Jahr 2011. Sondern seiner Ehrung unter ganz anderen Vorzeichen. Antisemitismus heute ist kein isolierter Ausfall mehr, sondern ein strukturelles Problem, das ausgerechnet auch noch mitten im kulturellen Milieu wuchert, das Galliano jetzt eine Bühne bietet.Lesen Sie auchDas Museum kann noch so sehr betonen, man werde Gallianos Antisemitismus in einem eigenen Raum behandeln, seine Reue dokumentieren. Am Ende werden die Bilder von der Gala um die Welt gehen. Während Juden weltweit angegriffen werden, wird ihr Unbehagen im kulturellen Betrieb zunehmend als lästige Überempfindlichkeit behandelt. Eindeutig das falsche SignalAnna Wintour, die seit 28 Jahren die Met Gala ausrichtet und kuratiert, liefert dazu die passende Illustration. Nachdem bekannt geworden war, dass Rama Duwaji, die Ehefrau des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, Beiträge geliked hatte, die das Hamas-Massaker vom 7. Oktober feierten, erklärte Wintour öffentlich ihre Bewunderung für New Yorks neue First Lady. Sie beauftragt sie inzwischen für ihre düsteren Illustrationen. Duwaji sehe cool aus, trage viel Vintage und wirke jung und modern. Der sozialistische, muslimische Bürgermeister Zohran Mamdani, bekannt für seine israelfeindliche Haltung, wird als aufregende progressive Symbolfigur verherrlicht, auch in links-bürgerlichen Medien hierzulande, während die Ängste und Sorgen jüdischer Menschen weltweit unermesslich werden. Besonders im heutigen antisemitischen Klima, das selbst in einst liberalen Städten wie New York jetzt uneingeschränkt wuchern kann, ist diese Met-Würdigung eindeutig das falsche Signal. Antisemitismus muss gerade jetzt mit der größtmöglichen Konsequenz bekämpft werden. In migrantischen Fällen mit Abschiebung, und ansonsten mit Null-Toleranz. Aktuell aber flankiert er die weltweit größte Modeveranstaltung.