In seinem Beharrungskampf um den Job als Präsident des Fußball-Weltverbandes muss Gianni Infantino einen weiteren Rückschlag verarbeiten. Am Montag zogen gleich mehrere europäische Verbände ihre Unterstützerschreiben für seine Wiederwahl im März zurück. Sowohl Englands FA um die Vorsitzende Debbie Hewitt wie auch Föderationen von Wales und Serbien bestätigten diesen Schritt, vergleichbare Verlautbarungen anderer Nationen wurden erwartet.Der Wert dieser Unterstützerschreiben war ohnehin stark umstritten. Angeblich mehr als 200 der 211 Fifa-Mitglieder sollen ein solches, von der Fifa vorverfasstes Schreiben signiert haben, darunter auch zahlreiche europäische. Nach SZ-Informationen waren sie in den vergangenen Monaten teilweise von einem hauptamtlichen Vertreter des Weltverbandes kontaktet worden, was einen Verstoß gegen die Regularien des Weltverbandes darstellen würde. Denn gemäß der Fifa-Statuten darf kein Kandidat, auch nicht der amtierende Präsident, aus der Verbandszentrale Wahlkampfhilfe erhalten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte nach eigenen Angaben ein solches Schreiben nie unterzeichnet, ebenso wie die skandinavischen Föderationen. Wenn nun nach und nach viele Verbände ihr Schreiben zurückziehen, hat das dennoch eine entsprechend eindeutige Signalwirkung.MeinungFußball:Game over! Infantinos Zeit ist vorbei. Nun muss die große Fifa-Reform kommenNach den gescheiterten Investmentplänen sowie der zunehmenden Kritik aus der ganzen Welt schwindet der Rückhalt für Gianni Infantino immens. Europas Fußball-Union, in der sich 55 der 211 Fifa-Mitgliedsländer versammeln, hat ihm das Vertrauen entzogen, auch der Nord-/Mittelamerikaverband (35 Stimmen) hat sich klar gegen ihn positioniert. Der asiatische Kontinentalverband (46 Stimmen) ging in der Investorenfrage deutlich auf Distanz zu Infantino. Bemerkenswerterweise übt sich selbst der zahlenmäßig zwar kleine, aber sportlich immerhin relevante Südamerika-Verband Conmebol (10 Stimmen) in Zurückhaltung.Offen pro Infantino äußern sich derzeit nur vereinzelte Länder, darunter zum Beispiel Katar sowie vor allem afrikanische Staaten wie Ägypten oder Marokko. Der afrikanische Kontinentalverband (Caf), den der Infantino-Intimus Patrice Motsepe führt, bildet in der Fifa-Versammlung mit 54 Stimmen zwar den zweitgrößten Block nach den Europäern. Allerdings ist der er traditionell gespalten, und das gilt erst recht, seit sich die Fifa-Zentrale oft in die Belange des afrikanischen Fußballs einmischt. Besonders großen Unmut erzeugte in Teilen Afrikas die sportjuristische Umwidmung des Afrika-Cups, als der Titel dem Gewinner Senegal entzogen und dem Verlierer Marokko einfach zugeschlagen wurde – das afrikanische Land, das Infantino am nächsten steht. Die Marokko-Fraktion in Afrika mag seitdem erfreut sein, die Senegal-Fraktion hingegen ist empört. Die Titelvergabe läuft noch immer: am Tisch von Sportjuristen.Vor diesem Hintergrund lesen sich die neuesten Nachrichten der New York Post, falls zutreffend, wie Infantinos verzweifelter Kampf um irgendeinen letzten Strohhalm: Demnach soll er Kontakt zu Leuten aus dem Umfeld von US-Außenminister Marco Rubio suchen, damit von dort noch einmal rettender Beistand kommt.