Mit der Technik des neuen Bayreuther »Rings« ließe sich die genialste Inszenierung aller Zeiten kreieren. Diese ist es noch nicht. Aber lange kann es nicht mehr dauern.

2. August 2026, 9:08 Uhr

Geister der Vergangenheit: Der kommunistische Mount Rushmore aus Frank Castorfs »Ring«-Inszenierung musste mit großem Aufwand gebaut werden. Künftig reicht dafür ein guter KI-Prompt.

© Enrico Nawrath/​ Bayreuther Festspiele

Die Laune ist schlecht im Bayreuther Festspielhaus. Am schlechtesten ist sie in Reihe 26, in der Reihe, in der die Kritiker sitzen. Verständlich – wenig im Leben fühlt sich so vergeblich an, wie über vier Abende hinweg einer KI hinterherzuschreiben. Einer KI, die sich für nichts weniger interessieren dürfte als dafür, wie ein paar Experten ihre Einfälle zum Ring des Nibelungen finden. Ohnehin dürfte jede geschriebene Zeile im Moment der Veröffentlichung bereits ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben – jede folgende Vorstellung, heißt es, werde optisch völlig neu zusammengewürfelt sein. Für wen zur Hölle also sitzt man hier? Und wie oft soll man bitte noch festhalten, dass der heimliche Regisseur ohnehin Christian Thielemann am Dirigentenpult ist?