Die Zahl der Migranten, die auf dem Weg nach Ceuta ertrunken sind, ist auf 67 gestiegen. Das teilte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Samstag in der spanischen Nordafrika-Exklave mit. Er sprach von „traurigen, dramatischen Ereignissen“. Allerdings sei die Nacht in Ceuta ruhig gewesen. Es seien keine neuen Migranten mehr angekommen. „Innerhalb von weniger als 48 Stunden hat sich die Lage in Ceuta grundlegend verändert, und die Normalität kehrt zurück“, sagte er auf einer Pressekonferenz.Grande-Marlaska berichtete auch, am Grenzübergang zu Marokko hätten Arbeiter begonnen, auf dem Meer am Ufer vor dem Grenzübergang eine Barriere im Meer anzubringen, die Migranten aufhalten soll, die aus Marokko herüberschwimmen. Den Plan hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez bei seinem Besuch am Freitag angekündigt.Am Samstag schrieb Sánchez einen wütenden Brief an den EU-Ratspräsidenten António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ohne Namen zu nennen, beklagte er sich über mangelnde Solidarität und meinte damit offenbar besonders Italien: Die Regierung in Rom hatte für Nicht-EU-Bürger, die per Flugzeug oder Schiff aus Spanien einreisen, für einen Monat Grenzkontrollen eingeführt. Er wende sich an die EU, um seine „tiefe Besorgnis über die jüngste Reaktion einiger europäischer Regierungen“ zum Ausdruck zu bringen, schrieb Sánchez.Während Madrid sich früher in solchen Krisen solidarisch gezeigt habe, hätten diese Regierungen nun Spanien „angegriffen“ und eine Haltung gezeigt, die von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Eigeninteressen“ geprägt sei und gegen europäisches Recht verstoße. Sánchez forderte die irische Ratspräsidentschaft auf, umgehend eine außerordentliche Innenministerkonferenz einzuberufen.22 europäische Länder reagierten umgehend auf das Anliegen von Sánchez. Wie die Zeitung „El Mundo“ berichtet, forderten unter anderem Italien und Dänemark ihrerseits in einem Brief an Costa ein Treffen der EU-Innenminister. In dem Treffen solle es um mögliche Unterstützung Spaniens gehen und um eine Koordinierung der Kontrolle an den Außengrenzen der EU. Unterzeichnet wurde der Brief auch von Bundeskanzler Merz. Am Samstagnachmittag kündigte der irische Regierungschef Micheál Martin auf X an, dass die Sondersitzung der EU-Innenminister am Dienstag stattfinden soll.Auch Melilla im Blick von MigrantenWie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte, wollen sich am Samstag Fachleute der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen. Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu erleichtern. Neben den Ankünften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach Marokko zurückgekehrten Menschen werde es heute auch um die Unterstützung der EU für Spanien und die diplomatischen Bemühungen mit Marokko gehen, sagte der Sprecher.Die Zeitung „El País“ meldete, dass die Behörden in Ceuta junge Marokkaner in gecharterten Bussen in ihre Heimatorte zurückbringen. Mehr als 48.000 der insgesamt 50.000 Migranten waren am Freitag freiwillig aus Ceuta auf die marokkanische Seite zurückgekehrt, nachdem sie dort oft nicht einmal Wasser kaufen konnten und unter freiem Himmel schlafen mussten.In der vergangenen Nacht hat die Polizei auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla Medienberichten zufolge die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren. Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten. Mehrere Menschen warfen demnach Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren.
Ceuta: Sondergipfel der EU-Innenminister am Dienstag
Die Lage in Ceuta hat sich beruhigt. Ministerpräsident Sánchez verleiht derweil seiner Wut Ausdruck. Am Dienstag kommen die EU-Innenminister zu einer Sondersitzung zusammen.











