„KI kann schon viele Dinge besser als wir Menschen.“„KI wird ganze Jobs überflüssig machen.“„KI wird vollkommen neue Jobs schaffen.“„KI macht uns effizienter und wird uns Arbeitszeit einsparen.“Die Realität ist in den meisten Fällen jedoch eine andere. Viele Arbeitnehmer spüren statt weniger sogar mehr Belastung durch KI.Wei Jiang, Wirtschaftsprofessorin an der Emory Universität in Atlanta, USA, hat sich über diesen Widerspruch gewundert – zwischen den großen Produktivitätsversprechen der KI einerseits und ihrer eigenen, erlebten Realität andererseits.
Wir selbst sind ‚immer on‘ auf der Arbeit, und zugleich sagen wir, KI macht uns arbeitslos. Wie kann das sein? Wei JiangÖkonomieprofessorinZusammen mit Forschern mehrerer anderer Universitäten hat Jiang darum untersucht, inwiefern KI wirklich den Arbeitsalltag verändert – und vor allem das Arbeitspensum der Beschäftigten. Die Forscher konnten anhand von Daten der American Time Use Survey (Atus) zeigen, dass in den USA die Arbeitszeiten im Schnitt zu- anstatt abnehmen.Das Handelsblatt hat basierend auf diesen Forschungsergebnissen sowie mithilfe von Daten aus der deutschen Arbeitszeitstatistik einen Rechner erstellt, der Ihnen anhand verschiedener Kriterien Ihre eigene Arbeitszeit für 2027 prognostizieren soll.Die Prognose über Ihre künftige Arbeitszeit basiert auf zwei zentralen Faktoren:Der Branche, in der Sie arbeiten. Wie sich die durchschnittliche Arbeitszeit von 1991 bis 2025 entwickelt hat, unterscheidet sich von Branche zu Branche stark.Dem Ausmaß Ihrer KI-Nutzung. Die Forschung hat gezeigt: Wer besonders wenig oder besonders viel KI einsetzt, arbeitet tendenziell mehr als vor der KI-Einführung in seinem Unternehmen.Dieses Muster erklären sich die Ökonomin Jiang und ihre Kollegen so: Zum einen sei es denkbar, dass Beschäftigte, die bisher wenig KI eingesetzt haben, aktuell mehr Arbeitsstunden leisten. „Hier gehen wir von einem Aufholeffekt aus, der mehr Arbeitsstunden notwendig macht“, sagt Jiang.Konkret heißt das: Bisherige KI-Muffel müssen nun Weiterbildungen machen oder Zeit darauf verwenden, KI in ihren Alltag zu integrieren – das kostet sie Zeit. Statistisch sei dieser Zusammenhang jedoch noch schwach und sollte mit Vorsicht interpretiert werden, sagt Jiang.Was die Studie wesentlich klarer zeigt, ist Folgendes: Beschäftigte, die viel KI einsetzen, arbeiten mittlerweile deutlich mehr als vorher. Das deckt sich auch mit ersten Umfragen aus der IT-Branche, die nahelegen, dass Programmiererinnen und Programmierer im KI-Zeitalter nicht weniger, sondern mehr arbeiten.Warum KI für Mehrarbeit sorgtEin möglicher Grund für diese Mehrarbeit könnte laut Jiang sein, dass Unternehmen in einer KI-geprägten Arbeitswelt unter großem Konkurrenzdruck stehen. Anstatt also denselben Output wie vorher generieren zu wollen – nur mit weniger Arbeitsstunden und damit günstiger –, sei es das Ziel von Unternehmen, ihren Output mithilfe der Technologie zu erhöhen.Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass unsichere Jobmärkte und der KI-Hype vor allem Angestellte im mittleren Management dazu bringen, mehr zu arbeiten. Diese Angestellten wollten den Eindruck erwecken, dass es ihnen gut gelinge, die KI effizienzsteigernd zu nutzen, sagt die Soziologin Diana Enriquez, die 50 mittlere Manager in den USA interviewt hat.









