Was wird von der 26. Welt-Aidskonferenz in Rio de Janeiro in Erinnerung bleiben? Auf jeden Fall eine Karte der amerikanischen Regierung, die den Kontinent Afrikas zeigte. In der Präsentation während der Konferenz ging es ausgerechnet um ein Prestige-Projekt des ehemaligen Präsidenten George W. Bush. Er hatte 2003 den Notfallplan zur Aidsbekämpfung (PEPFAR) gegründet, daraus wurde das größte amerikanische Hilfsprogramm zur Bekämpfung von HIV und Aids auf der ganzen Welt, unter Aufsicht des jeweiligen Präsidenten.Ein Mitarbeiter des amerikanischen Außenministeriums wollte in Rio belegen, dass auch Donald Trump sein Augenmerk auf Afrika gerichtet habe. Dabei wurden auf der Afrikakarte sechs Länder hervorgehoben, darunter Nigeria, Mosambik, die Elfenbeinküste und Malawi. Alle vier Staaten befanden sich geographisch am falschen Ort. Mosambik etwa wurde am Horn von Afrika verortet, die Elfenbeinküste im Süden Afrikas etwa dort, wo sich eigentlich Mosambik befindet. Die Präsentation hielt der von Trump berufene Koordinator des PEPFAR-Programms, Jeff Graham, zugleich ein hochrangiger Beamter des amerikanischen Außenministeriums. Seine Hauptaufgabe: PEPFAR im Sinne von „America First“ zu steuern.Die Karte war offenbar mit KI erstellt wordenMan übernehme die volle Verantwortung für die Verwirrung, hieß es später vonseiten des Außenministeriums. Dass die Karte offenbar mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt worden war, macht es nicht besser. „Was für eine Peinlichkeit“, schrieb die Demokratin und das ranghöchste Mitglied des amerikanischen Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, Senatorin Jeanne Shaheen, auf der Plattform X. Das passiere, wenn das Außenministerium Berufsdiplomaten entlasse und versuche, KI Diplomatie führen zu lassen.Trumps Afrika: Mosambik liegt am Horn, die Elfenbeinküste im Süden des Kontinents.ReutersZugleich aber belegt die Karte, mit welcher Ignoranz und welchem Desinteresse die Regierung von Donald Trump auf den Rest der Welt blickt, gerade auch was den Kampf gegen HIV und AIDS angeht. Aber nicht nur die amerikanische Regierung hat sich zuletzt international rar gemacht, wenn es um die Unterstützung etwa der besonders von HIV betroffenen afrikanischen Länder geht. Frankreich war zwar in Rio hochrangig vertreten. Doch Präsident Emmanuel Macron wurde ausgebuht, weil er den Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria für den Zyklus 2026 bis 2028 um 58 Prozent reduziert hat. Frankreichs Zusage sank von zuvor rund 1,6 Milliarden Euro auf nun 660 Millionen Euro.Deutschland, das die Mittel für den Globalen Fonds um 23 Prozent gekürzt hat, entsandte erst gar keinen offiziellen Regierungsvertreter zu der alle zwei Jahre stattfindenden größten Aids-Konferenz der Welt. Dafür und für die drastischen Mittelkürzungen für die internationale Entwicklungsarbeit wurde die Regierung in Berlin kritisiert. Die im Auswärtigen Amt angesiedelten Mittel für humanitäre Hilfe hatte die Bundesregierung zuletzt von rund 2,26 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 1,05 Milliarden Euro im Jahr 2025 halbiert.Mehr als 1700 Kliniken mussten geschlossen werdenDoch die Trump-Regierung bereitet der internationalen Gemeinschaft die meisten Sorgen. Die Folgen der fehlenden Hilfsgelder des bislang größten Geldgebers sind kaum zu unterschätzen. Das zeigt eine Studie der Foundation for Aids-Research (amfAR), die in Rio vorgestellt wurde. Demnach mussten mehr als 1700 Standorte zur Versorgung von Menschen mit HIV und Aids im vergangenen Jahr schließen, weil die bisherige finanzielle Unterstützung aus dem PEPFAR-Programm des Präsidenten ausblieb.Wie ein Bericht des Hilfsprogramms der Vereinten Nationen UN-Aids und der amerikanischen Gesundheitsorganisation KFF zeigt, sanken die staatlichen Hilfsgelder für die HIV- und Aids-Versorgung im vergangenen Jahr insgesamt um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demnach waren es 2024 noch 8,3 Milliarden Dollar, 2025 waren es 6,2 Milliarden.„Noch nie sind die Gebermittel so stark und so schnell zurückgegangen“, sagte die Präsidentin der Welt-Aidskonferenz, die Brasilianerin Beatriz Grinsztejn. Die Schwächsten der Gesellschaft zahlten schon den Preis dafür. Hauptgrund für die Misere ist nach ihren Worten das Ausbleiben der amerikanischen Hilfsgelder. Und auch, dass die Trump-Regierung klare Vorgaben macht, wenn es um eine mögliche Förderung geht.Zu den neuen Richtlinien zählt etwa, dass Projekte, die sich für Diversität, Chancengleichheit und Inklusion einsetzen, kein Geld von PEPFAR bekommen. Dazu zählen vor allem Programme, die sich gezielt an die ganz besonders von HIV und Aids betroffenen Gruppen wenden, etwa an Sexarbeiterinnen und -arbeiter sowie an Männer, die Sex mit Männern haben. Um überhaupt weiterhin Fördergelder zu bekommen, hätten viele Organisationen genau diese Projekte gestrichen.77.000 Kinder weniger wurden 2025 versorgtDoch nicht nur Erwachsene treffen die Mittelkürzungen. Wie eine weitere Studie, geleitet von Ramona Godbole von der Universität Heidelberg, zeigt, wurden wegen geringerer PEPFAR-Gelder mehr als 77.000 Kinder in 22 Ländern im vergangenen Jahr weniger versorgt als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang um 14,2 Prozent. Besonders betroffen sind Kinder in Südafrika: Etwa 31.000 Mädchen und Jungen weniger als im Vorjahr wurden mithilfe von PEPFAR-Geldern gegen HIV behandelt.Laut eines in Rio vorgestellten Sonderberichts von UN-Aids könnten die Kürzungen zu einem Wiederaufflammen der Pandemie führen. Demnach infizierten sich im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Menschen mit HIV. Etwa neun Millionen der 41 Millionen Menschen, die mit HIV leben, bekamen keine Behandlung, fast die Hälfte aller Kinder mit HIV hatte 2025 keinen Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. Mehr als eine halbe Million Menschen (570.000) starben 2025 an Aids-bedingten Krankheiten.Dabei könnte die Zahl der HIV-Fälle drastisch reduziert werden, etwa wenn, wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem Jahr empfohlen, injizierbare HIV-Präventionsmedikamente (PrEP) zum Einsatz kämen. Inzwischen sind nur noch zwei Injektionen pro Jahr erforderlich. PrEP, auch in Form von täglichen einzunehmenden Tabletten, ist zu 99 Prozent wirksam, wie aktuelle Studien, vorgestellt auf der Konferenz in Rio, belegen.Größte Hoffnungen setzen die Experten dabei in das hochwirksame Virostatikum Lenacapavir, das nur zweimal jährlich injiziert werden muss und daher besonders gut für die Regionen in Afrika geeignet wäre, wo Menschen der Zugang zu einer regelmäßigen Gesundheitsversorgung nicht möglich ist. Laut einer Studie der WHO und der Vereinten Nationen könnten mit Lenacapavir 41 Prozent der HIV-Neuinfektionen in Südafrika, Simbabwe und Westkenia verhindert werden.Doch auch hier fehlen die finanziellen Mittel: Bis zum vergangenen Jahr hatte US-Aid als zentrale amerikanische Behörde für zivile Entwicklungshilfe und humanitäre Auslandshilfe nahezu drei Viertel aller HIV-Präventionsprogramme finanziert. Trump aber löste die von John F. Kennedy 1961 gegründete Behörde vor einem Jahr ersatzlos auf.
Welt-Aidskonferenz in Rio: Eine Pandemie kehrt zurück
Bei der Welt-Aidskonferenz in Rio dreht sich alles um die ausbleibenden Hilfsgelder, vor allem der Trump-Regierung. Die Neuinfektionszahlen steigen, dabei könnte das HI-Virus leicht in Schach gehalten werden.













