Das Traumrestaurant der Deutschen ist bescheiden: Ein klassischer, gemütlicher Italiener sollte es sein, mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Außerdem wird dieses Lokal bevorzugt mit dem Ehepartner oder der -partnerin besucht und darf gerne in der Nähe liegen. Das jedenfalls kommt als Schnittmenge heraus, wenn man die Deutschen befragt, wie sie am liebsten essen gehen.Wo heute von Kulinarik die Rede ist, geht es gern um Sterne-Wahnsinn in zwölf Gängen, um fermentierte Wassermelone oder peruanisch-japanische Fusionsküche. Die Realität sieht – wen wundert’s? – anders aus. Die große Mehrheit bestellt im Lokal weder fluoreszierende Cocktails noch Amuse-Gueules mit Kaviarkrönchen, sie will einen bezahlbaren Abend in netter Gesellschaft, der schöner ist als der Alltag und der für viele etwas Besonderes bleibt.Das ist das Ergebnis der repräsentativen Studie „Wie Deutschland essen geht“, für die das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) alle zwei Jahre mehr als 2000 Menschen befragt. Und wer in der kriselnden Gastronomie noch Geld verdienen will, tut gut daran, sich einige Antworten einzuprägen.Zum Beispiel, dass Essen bei der Wahl eines Restaurants meist eine Nebenrolle spielt. Mit Abstand am wichtigsten ist für 65 Prozent der Gäste die Frage: Was kriege ich für mein Geld? Gefolgt vom richtigen Ambiente (52 Prozent) und einer besonderen Lage (40 Prozent). Nur 39 Prozent der Befragten halten die Art der Küche für zentral. Dabei essen die Deutschen am liebsten italienisch (58 Prozent), vor deutscher Regionalküche (50) und asiatisch (43).Die steigenden Restaurantpreise polarisieren die GesellschaftBestätigt hat sich auch, dass die gestiegenen Preise vielen Menschen die Lust am Ausgehen zunehmend verleiden. 48 Prozent der Befragten gaben an, sich seltener ein Restaurant leisten zu können als im Vorjahr, nur vier Prozent gehen häufiger essen, 49 Prozent wiederum würden gerne öfter ins Lokal gehen, können das aber nicht bezahlen. Dazu passt, dass laut Marktforscher Circana „Downtrading“ zuletzt einer der wichtigsten Gastrotrends war: Gäste geben im Lokal dasselbe aus wie vor der Teuerung, bestellen aber weniger, indem sie etwa am zweiten Getränk sparen. Oder sie ordern beim Lieferservice und kaufen die Getränke im Laden dazu.Die Veränderungen sind stetig, wenn auch nicht dramatisch, 31 Prozent der Deutschen essen weiter im Schnitt einmal im Monat außer Haus, 14 Prozent sogar einmal pro Woche, die Jüngeren öfter als die Älteren. Doch wie klein die Zielgruppe für Gourmet-Erlebnisse bleibt, zeigt die Studie ebenfalls. So sind für 70 Prozent aller Befragten 29 Euro (oder weniger) die persönliche Preisgrenze für ein Hauptgericht, nur vier Prozent würden je etwas bestellen, das mehr als 50 Euro kostet.Entgegen allem Trendgeraune der Gastro-Influencer lautet die Antwort auf die Frage, wie die Deutschen essen gehen, also: gewöhnlich bis zurückhaltend. Die große Ausnahme: Gerade haben in Bayern die Ferien begonnen. Und auch für 64 Prozent der Deutschen ist Essen im Urlaub „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“. In den kommenden Wochen sitzt das Portemonnaie im Lokal also entsprechend lockerer.